Zero DSR Black Forest (2018)

Touren-Elektro-Motorrad im Langzeittest

Mit der DSR Black Forest möchte Elektro-Motorradhersteller Zero genau so ein Modell auf den Markt bringen.
Ein Elektro-Motorrad, das für längere Touren taugen soll? Klingt ambioniert.Mit der DSR Black Forest möchte Elektro-Motorradhersteller Zero genau so ein Modell auf den Markt bringen.Ab Mai 2018 soll sie bei den Händlern stehen.Laut Herstellerangaben soll die Black Forest im Stadtverkehr eine Reichweite von 264 Kilometern erreichen.
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Zero hat mit der DSR Black Forest das erste speziell für den europäischen Markt entwickelte Elektro-Motorrad für längere Touren vorgestellt. MOTORRAD wird dem E-Bike vier Wochen lang im Alltag auf den Zahn fühlen.

Ein Elektro-Motorrad, das sich speziell für ausgiebige und längere Touren eignen soll? Klingt ambitioniert, wenn man bedenkt, welche Reichweiten andere Modelle momentan erreichen. Generell ist es eine der größeren Herausforderungen für Hersteller von Elektro-Motorrädern, längere Reichweiten zu erzielen. Die neue Zero DSR Black Forest hat sich zum Ziel gesetzt nun auch längere Ausfahrten mit einem Elektro-Motorrad möglich zu machen.

Zero im Vier-Wochen-Langzeittest

Genau das will MOTORRAD in einem Langzeittest über vier Wochen nun ausprobieren. Dazu rollte jetzt eine Zero DSR Black Forest in die Redaktionstiefgarage. Dokumentiert werden sollen Ladezeiten, Ladeleistung und Verbrauch. Natürlich wird  darüber hinaus auch Alltagstauglichkeit bewertet. Alle Infos findet ihr dann hier in Tagebuchform.

Foto: Ferdinand Heinrich
Steht vor einer Benzinzapfsäule, nimmt aber nur Strom.
Steht vor einer Benzinzapfsäule, nimmt aber nur Strom.

Ferdinand Heinrich über die Zero

Kein jaulender Anlasser, kein bollernder Leerlauf. Mit sterilem Surren setzt sich das gut getarnte Elektromobil in Bewegung. Die linke Hand greift ins Leere, ebenso wie der linke Fuß. Auf der rechten Seite bleibt (bis auf den fehlenden Startknopf) alles konventionell.

Das sanfte Anfahren im ECO-Modus und die Soundkulisse konkurrieren auf der Straße stark mit der links fahrenden, gelben Stadtbahn. An der Ampel stellt sich ein interessanter Effekt ein. Das Tackern und Brummen der umherstehenden Autos wirkt viel lauter und man fühlt sich so richtig umweltfreundlich. Auch wenn die Ökobilanz der Zero auf einem anderen Blatt steht: Die unmittelbare Umgebungsluft bleibt indiskutabel sauber.

Sportlich wird es aber selbst im Öko-Fahrmodus, wenn der „Gas“-Griff weiter aufgedreht wird. Da gibt es genug Reserven für die Überlandfahrt und auch in Kurven bleibt die Zero handlich. Trotz der ausladenden Sturzbügel. Das leise Fahrgeräusch ist gleichzeitig fast das größte Problem, ähnlich den Elektroautos. Man muss schon darauf gefasst sein, von Fußgängern und Radlern überhört bzw. übersehen zu werden. Aber da die linke Hand ja, außer blinken, sowieso nichts zu tun hat, kann sich diese immerhin ständig in Hup-Bereitschaft halten. Die Reichweite schwankt je nach Fahrweise, über hundert Kilometer sind aber selbst im Sportmodus immer drin. Fürs Pendeln also uneingeschränkt tauglich, für die größere Tour durch den Schwarzwald sollten aber genug Schnellladestops eingeplant werden. Emotional bleibt trotz guter Beschleunigung ein zwiespältiger Eindruck. Da sehe ich konzeptbedingt größere Chancen für die Elektro-Enduro von KTM oder elektrische Großroller. Die KTM bietet nämlich für Waldenduristen wirkliche Vorteile gegenüber lauten Benzinern und (Elektro-)Roller sind ohnehin praktische Kurzstreckenvehikel, die quasi eh jeden Abend an die Steckdose können.

Foto: Baumann
Uwe Seitz kann sich nur am Sound der Zero begeistern.
Uwe Seitz kann sich nur am Sound der Zero begeistern.

Uwe Seitz über die Zero

Nach ca. 250 Kilometern fast ausschließlich auf der Autobahn, einem Ladevorgang an der hausüblichen Steckdose von knapp 9 Stunden mit einem Verbrauch von 11,13 Kw/h fällt mein Urteil zur Zero Black Forest vorerst gespalten aus. Als Sportmotorradverrückter leide ich dabei gar nicht so sehr am Zzzz-Sound der Zero, nein, das macht sogar Spaß – besonders in der Stadt. Aber wenn man sich mit maximal 113 km/h (im Eco-Modus) auf dem Tacho über die Autobahn macht, wird das Überholen von verträumten Pendlern im 100 km/h-Modus und der Blick in den Rückspiegel mit heranstürmenden Limousinen haarsträubend.

Wer jetzt sagt, man solle halt hinten dran bleiben und den Windschatten energiesparend nutzen, hat technisch recht, aber spätestens nach der Autobahnabfahrt und in Anbetracht der Tatsache, dass man jetzt ne halbe Stunde gegenüber einem normalen Motorrad über die Distanz später dran ist, wird das Eco-Limit beim Überholen von LKW, Landwirtschaftsmaschinen und arg gealterten Mitbürgern hinterm Steuer mehr als verfluchen.

Nach ziemlich genau 100 Kilometern zeigte das Cockpit noch 40% Restladung und etwa 50 Kilometer Restreichweite an. Diese relativ hohe Reichweitenanzeige geht aber wohl auf Kosten des anfänglichen Staus, denn bei der zweiten Fahrt über die leere Autobahn sank der Rest bei exakt gleicher Strecke auf 30%. 126 Kilometer mit entsprechendem Speedlimit sind aber wohl sicher drin.

Ansonsten geht die Zero im Sport-Modus ganz schön ab. Das Drehmoment ist eine Wucht. Allerdings nicht lange. Mit dem gewohnten Fahrstil saugt die Zero auf 16 Kilometer über 15% Strom aus der Batterie – hochgerechnet wird das dann ein sehr kurzes Vergnügen auf der Hausstrecke oder eine neue sehr kurze Hausstrecke. Angesichts der Tatsache, dass die Zero über 21.000 Euro kostet, kann man mich nicht für solche Fahrzeuge begeistern – bin dazu noch die neue KTM 790 Duke gefahren: kostet unter 10.000 Euro und ist einfach großartig.

Exlusiv für den europäischen Markt

Zero hat das neue Modell nach eigenen Angaben exklusiv für den europäischen Markt entwickelt. Sie soll mit der bisher größten Reichweite aller Zero-Modelle glänzen. Laut Zero soll die Reichweite der neuen Zero DSR Black Forest im Stadtverkehr bei bis zu 262 Kilometern liegen. Bei Fahrten auf der Autobahn soll die Reichweite auf maximal 126 Kilometer sinken. Durch ein neues Schnellladesystem (Charge Tank) kann die Batterie der Touring-Zero innerhalb von einer Stunde aufgeladen werden, wodurch noch einmal 150 Kilometer zurückgelegt werden können. Für das schnelle Aufladen der Batterie wird eine Typ-2-Ladesäule benötigt. Die Kombination aus höherer Reichweite und schnellerem Laden soll laut den Plänen von Zero für längere Fahrerlebnisse ausreichen.

Genügend Reichweite?

Ob diese Reichweite für ausgiebige Touren ausreicht, darf trotzdem angezweifelt werden. Zum Vergleich: die neue Honda Africa Twin hat im normalen Betrieb auf der Landstraße über 400 Kilometer geschafft (MOTORRAD-Messungen). Die Adventure-Sports-Variante der Africa Twin, deren Tank 24 Liter fasst, schafft es sogar auf über 500 Kilometer.

Foto: Hersteller
Die Black Forest wird in Deutschland 21.980 Euro kosten.
Die Black Forest wird in Deutschland 21.980 Euro kosten.

Für längere Touren in nicht ganz so gut ausgebauten Gebieten könnte es mit der Zero DSR Black Forest schon mal eng werden, zumal die Reichweite je nach Fahrstil ohnehin variiert. Im Vergleich zur Basis-DSR spendiert Zero der Black Forest zudem ein Koffersystem inklusive Top-Case, sowie einen besseren Wind- und Scheinwerferschutz. Zusätzlich wurden Sitzbank, Lenker und die Beleuchtung an sich aufgewertet und tourentauglich gemacht. Bereits im Mai 2018 soll die Zero DSR Black Forest bei den Händlern stehen. In Deutschland wird sie 21.980 Euro kosten. Wer sich für die Variante mit Charge Tank entscheidet, muss 24.670 Euro investieren.

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