Endurokatalog 1998

Flurbereinigung

Die Spielwiesen der Off Road-Fahrer werden immer kleiner. Die Hersteller stellen sich darauf ein und bringen ihren Enduros mehr Straßentauglichkeit bei.

Was macht eigentlich eine echte Enduro aus? Stollenreifen? Ellenlange Federwege? Nicht alles, was heute unter der Bezeichnung Enduro unsere Straßen bevölkert, paßt in dieses Schema. Immer mehr Hersteller gehen dazu über, dem überwiegenden Straßeneinsatz der Maschinen Rechnung zu tragen. Bereits im letzten Jahr hat Aprilia die Pegaso 650 dazu deutlich in Richtung Tourentauglichkeit überarbeitet. Für dieses Jahr belassen es die Italiener mit einer neuen Farbgebung und einem erweiterten Zubehörprogramm.
Auch BMW schlägt mit der F 650 ST in die gleiche Kerbe. Niedrigere Sitzhöhe durch ein in den Federwegen beschnittenes Fahrwerk und kleinere Räder, bestückt mit reinen Straßenreifen, unterscheiden sie von der Funduro F 650. Nach oben runden die Bayern ihr Enduro-Programm mit der R 1100 GS ab. G-Kat ist bei ihr serienmäßig, ABS gibt’s gegen Aufpreis. Für schweres Gelände ist die Bayerin mit 243 Kilogramm freilich etwas zu dick geraten.
Was lange währt wird endlich wahr. Bereits für das vergangene Jahr hatte die italienische Motorradschmiede Cagiva die Canyon 900 i.e. angekündigt. Als Nachfolgerin der Elephant-Modelle soll das hübsche Bike mit dem Ducati-V 2-Motor sich im Feld der Reise-Enduros etablieren. Bei einem Preis von knapp über 18 000 Mark kein leichtes Unterfangen.
Längst eine feste Größe in diesem Segment ist Hondas Africa Twin. Technisch unverändert, glänzt sie für 1998 nur mit einer neuen Farbgebung. Auch bei den Erfolgsmodellen Transalp und Dominator bleibt in der kommenden Saison alles beim alten. Die echten Stollen-Freaks versucht Honda, mit der XR 400 R bei der Stange zu halten. Ein quirliger Motor und ein schluckfreudiges Fahrwerk bieten dazu gute Voraussetzungen.
Die gleiche Klientel versucht auch Husqvarna zu bedienen. Zu den bekannten, mit neuen Kunststoffteilen aufgepeppten, kompromißlosen Off Road-Modellen TE 410 und TE 610 gesellt sich für 1998 die eher gemäßigte TE 610 E. Zwei Ölpumpen und eine Ausgleichswelle sollen deren Motor auch für den Straßeneinsatz standfest machen. Ein E-Starter sorgt für erhöhten Bedienungskomfort.
Nichts Neues dagegen bei Kawasaki. So ist es an der betagten KLE 500 und der KLR 650, für die »Grünen« die Profite in dieser Sparte einzufahren .
Deutlich innovativer ist da KTM. Rund um den bewährten wassergekühlten Viertaktsingle haben die Österreicher eine beachtliche Modellpalette entwickelt. Die 620 Adventure zum Beispiel mit 30-Liter-Tank, kleiner Verkleidung, Koffersystem und etlichen anderen Gimmicks wurde speziell für Reise-Freaks entwickelt. Mit dem Sondermodell Six Days Winner, das durch Extras wie Motorschutz und Sonderlackierung aufgewertet wird, gibt’s ein Zuckerl für die Freunde der hochbeinigen Alpenräder.
Daß auch in Deutschland ernstzunehmende Enduros gebaut werden, beweist das sächsische Unternehmen MuZ. Von einem wassergekühlten Yamaha-Single befeuert, zeigt die Baghira echte Off Road-Talente. Schade nur, daß die Sachsen für 1997 mit der Produktion in Verzug geraten sind, denn die Maschine hat durchaus das Zeug, der etablierten Konkurrenz den Rang abzulaufen. Für 1998 soll der Lieferengpaß aber behoben sein.
Für Geländefahrer hat Suzuki die DR 650 SE im Programm, während die XF 650 Freewind eher auf die Reiseklientel abzielt.
Das gilt auch für die Triumph Tiger 900. Denn bei einem Gewicht von 258 Kilogramm sollte von Geländeeinlagen besser abgesehen werden.
Weitaus Off Road-tauglicher zeigt sich da die neue Yamaha TT 600 R. Mit aufgefrischtem Motor und neuem Fahrwerk ist sie jederzeit für echte Drecksarbeit zu haben.
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