Erlkönig: Neuer Boxer (Archivversion)

Die neue BMW-GS

Seltsame Szenerie in einem Trockengebiet am südlichen Ende Europas: Merkwürdig gestaltete Boxer-BMW pirschen durch den Sand. Trotz Aufkleber einer Zubehörfirma ist schnell zu erkennen: Hier fährt die neue BMW GS.

»Wir wollen in den nächstes Jahren jedes Jahr zwei neue Maschinen auf den Markt bringen.« Diese Aussage des scheidenden BMW-Motorrad-Chefs Marco von Maltzan scheint schneller Realität zu werden, als zunächst vermutet. Schon heute fahren Prototypen durch die Lande, die nicht nur eine modifizierte Spielart der bisherigen 1150er-Boxer-Baureihe sind, sondern eine ganz neue Generation bedeuten. Denn alles an der von MOTORRAD hier gezeigten BMW ist neu: Design, Motor und Fahrwerk. Dass es sich dabei um die GS handelt, verrät der typische »Entenschnabel«. Sensationell: Die Bayern-Enduro wird zum ersten mal auch mit Gussrädern – vorn und hinten wohl mit 17 Zoll Durchmesser – kommen. Das gibt der Neuen noch einen Schuss mehr Sportlichkeit und Straßentauglichkeit mit. Aber keine Angst: Für Offroad-Freunde bleibt eine Version mit Kreuzspeichenräder in den klassischen Größen im Programm. Die Neue wirkt viel dynamischer als die doch sehr hochbeinige, etwas schwülstige aktuelle Version. Der Frontkotflügel duckt sich aggressiver in den Fahrtwind, die Scheibe ist flacher angestellt, Sitzbank und Tank wirken feiner, schlanker, knackiger. Zweifellos wird die künftige GS wesentlich leichter als der 260-Kilo-Brummer von heute. Satte 30 Kilogramm sollen es sein. Wie knausrig die BMW-Ingenieure um Entwicklungschef Dr.Markus Braunsperger mit Material umgehen, zeigt schon die Vorderrad-Bremsanlage. Die Bremsscheiben werden mit mehr und größeren Löchern perforiert, die wirklich filigranen Vierkolben-Bremszangen von fast schon kunsthandwerklich ausgeführten Aufnahmen getragen. Völlig neu gezeichnet wurde auch der Rahmen. Er besteht nur noch aus Stahlrohren und integriert den Motor als voll tragendes Element. Der Boxer arbeitet etwas weiter vorne im Fahrwerk und ein wenig stärker nach vorne geneigt. Die Schwingenlagerung übernimmt nicht mehr ein aufgeschraubtes Leichtmetallteil, sondern ebenfalls ein stabiles Stahlrohrgeflecht, das sich zusätzlich nach vorne an der Motorölwanne abstützt. Außerdem stützt sich das auffällige Rahmenheck tiefer als bisher ab.Viel her macht auch die neue Auspuffanlage. Der unsportlich wirkende, lange Topf wird durch einen kurzen, dicken Pott ersetzt, dessen Querschnitt ein leichtes Sechseck andeutet. Ein Designelement, das die neuen Zylinderköpfe aufnehmen. Ja, Sie haben richtig gelesen: neue Zylinderköpfe! Die Kühlrippenformen verraten es dem Kenner, hier wurde ganze Arbeit geleistet und neu konstruiert. Die wesentlich schlankere Form der Köpfe entsteht hauptsächlich aus den weiter nach vorne gezogenen, keilförmigen Kühlrippen und den zierlich gestalteten Ventildeckeln. Der überarbeitete Ventiltrieb sorgt für eine geringere Baubreite. Dazu änderten die Ingenieure Ventilwinkel und Ventilschaftlängen. Für mehr Gasdurchsatz und somit höhere Leistung und Drehmoment optimierten sie die Kanäle und vergrößerten die Ventiltellerdurchmesser. Klassisches Tuning also, das den neuen Boxer auf über 90 PS bringen soll. Über den Hubraum kann nur spekuliert werden. Wahrscheinlich machen die Münchner die 1200 cm3 voll. Trotzdem soll der neue Motor wieder mehr Drehfreude und sanfteres Laufverhalten an den Tag legen. Dies würde BMW nur mit weniger Hub und größeren Kolben erreichen. Das würde die neue Zylinderkopf-Konstruktion erklären. Und den GS-Fans sicher viel Freude machen.
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