Erwischt: neue Honda CBR 900 RR (Archivversion)

Scharfmacher

Honda schärft seine Feuerklinge kräftig nach. MOTORRAD erwischte einen Prototyp der CBR 900 RR Fireblade auf einer der letzten geheimen Testfahrten.

Glück muss der Mensch haben. Da steht man an einer Tankstelle auf der Autobahn, füllt Diesel beim Redaktions-Kombi nach, und plötzlich rollt an die Zapfsäule nebenan die neue Honda Fireblade. Ungläubiges Staunen beim Redakteur, blitzschnelles Handeln beim Fotografen. Kamera gezückt und abgedrückt, während der ahnungslose Honda-Versuchsfahrer seine Rechnung begleicht – schon ist der brandneue Supersportler weltexklusiv im Kasten. Und für Sie, liebe Leserinnen und Leser, natürlich im Heft.Die augenfälligsten an der Fireblade: Hinterrad-Schwinge und Schalldämpfer sind neu, Front und Heck ebenfalls. Also nicht nur kleine Retuschen, sondern wie alle zwei Jahre in der Geschichte der sportlichsten Honda eine deutliche Überarbeitung. Fireblade-Schöpfer Tadao Baba hat sich dabei sicher an der im Supersport-Bereich zur Zeit unschlagbaren Suzuki GSX-R 1000 orientiert. Schließlich war der Abstand in Leistung, Speed und Rennstrecken-Performance allzu groß geworden. So kommt die neue CBR 900 RR deutlich aggressiver daher. Der Freiflächen-Frontscheinwerfer schaut böser, die Scheibe wirkt windschnittiger. Wie bei einem GP-Renner wurde der Verkleidungskiel so weit wie möglich zum Hinterrad hin verlängert und die Verkleidung auch im Bereich der Fahrerfußrasten weiter nach hinten gezogen. Der Supersportler dürfte einige Zeit im Windkanal verbracht haben, um eine bessere Aerodynamik auszufeilen.Zierlicher als bisher präsentiert sich das Heck. Schlank und luftig, mit einem einem Ausleger die untere Rahmenheckstrebe verkleidend, erinnert es ebenfalls stark an die NSR 500-Grand-Prix-Maschinen. Beim Rücklicht setzt Honda auf Leuchtdioden, die wesentlich schneller aufleuchten als herkömmliche Glühlampen. Ein Sicherheitsgewinn, wenn der zukünftige Fireblade-Treiber im Kolonnenverkehr mal heftig in die Eisen langen muss.Neu gestaltet ist auch der Tanks. Er wirkt im Fahrerbereich deutlich schmaler und bildet an seiner unteren Abschlusskante eine Linie mit dem Rahmenheck. Ebenso wurde anscheinend unter dem Benzinfass einiges geändert. Die neue Airbox wird von zwei großzügig bemessenen Kanälen mit Frischluft versorgt, deren Einlässe sich unter der Verkleidungsnase befinden. Dies wird wohl eine gewisse Leistungssteigerung bei hohen Geschwindigkeiten bewirken, die angesichts der bärenstarken Konkurrenz auch nötig erscheint.Der Motor bleibt in seinen Grundzügen gleich. Doch eine um einen Millimeter vergrößerte Bohrung ergeben nun 954 cm3 Hubraum und eine sanfte Leistungszugabe. Gut 150 PS soll der Vierzylinder nun wirklich leisten. Ob die neue CBR mit ihren 25 cm3 mehr Hubraum weiterhin 900 RR heißt oder 1000 RR, konnte MOTORRAD noch nicht herausfinden. Die Spitzenleistung der GSX-R 1000 wird die Fireblade nicht toppen, den Schwerpunkt legte Honda auf das Leistungsgewicht ihres Supersportlers. Leichtbau bis ins Detail ist deshalb die Devise. Der Endschalldämpfer wird mit einer Titanummantelung das eine oder andere Gramm leichter ausfallen als der bisherige dicke Aluminiumtopf. Und beim Fahrwerk setzten die Konstrukteure auf eine kunstvoll aus Aluminiumblechen verschweißte Hinterradschwinge, die über ein Kilogramm gegenüber der bisherigen Variante einspart. Zusammen mit leichten Kunststoffteilen und Leuchteinheiten soll so das Gewicht vollgetankt unter die magische 200-Kilogramm-Schallmauer gedrückt werden. Ein Rekord in der 1000er-Klasse.Räder, Bremsen und Gabel blieben nahezu unangetastet, lediglich die Abstimmung der Feder- und Dämpferelemente wird wohl in Richtung Rennstreckentauglichkeit optimiert und straffer ausfallen. Verbessert wurde gleichzeitig die Schräglagenfreiheit. Schließlich soll die Fireblade auf der Rennstrecke nun jeden Konkurrenten ausstechen.Jetzt düst sie jedenfalls erst mal auf der Autobahn weiter. Denn der Honda-Versuchsfahrer ist zurück aus der Tankstelle und pfeilt mit der Fireblade davon. Nun können auch wir unsere Tankrechnung bezahlen.
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