Fahrbericht Harley-Davidson Dyna Super Glide T-Sport (Archivversion)

Heisses Eisen

Harley-Davidson goes sporttouring und wagt mit dem verkleideten, packtaschenbestückten Reiseableger der Dyna Super Glide Sport den Brückenschlag zwischen kompetitiver und langstreckentauglicher Ausstattung.

Vielfach verstellbare Federelemente, in der Neigung justierbare Verkleidungsscheibe, Softbags mit variablem Volumen und integriertem Träger: Features, die man eher an japanischen oder europäischen Tourenprofis denn vermeintlich gusseisernen Denkmälern aus Milwaukee erwartet. Umdenken ist angesagt. Harley-Davidson zeigt Herz für die europäische Klientel und bietet Reisefreudigen neben mächtigen Asphalt-Schlachtschiffen vom Schlage einer Road King oder Electra Glide eine vergleichsweise sportive Alternative auf Basis der Dyna Super Glide Sport. Ein schlauer Plan, schließlich ist letztere in Sachen Verkaufszahlen erste innerhalb der Dyna Glide-Reihe in Europa. Was nicht allzu sehr verwundert, sorgt die Fahrwerksgeometrie der T-Sport mit 62 Grad Lenkkopfwinkel für europataugliche Handlichkeit – zumindest in Anbetracht der üppigen 310 Kilogramm Leergewicht. Mit leichter Hand lässt sich die komfortabel abgestimmte Langstrecklerin vom straffen Sattel aus durch die Lande führen. Selbst vor anspruchsvollen Kurvenparadiesen müssen Ross und Reiter nicht kapitulieren, wie erste Fahreindrücke rund um den Ätna auf Sizilien bewiesen. Auf griffigem Asphalt schwingt der in der firmeneigenen Diktion FXDXT bezeichnete Tourer zielgenau Richtung Gipfel. Spät erst schrappen Fußrasten und kurz darauf der Krümmer der »staggered shorty duals« über den Straßenbelag. Wer’s unbedingt braucht, kann den Kontaktzeitpunkt mittels Erhöhung der Federbasis an der 39er-Cartridge-Gabel und den beiden Federbeinen weiter hinauszögern. Fahrwerkstüftler dürfen obendrein an der Vorderhand mit Druck- und Zugstufe experimentieren. Die Gasdruckdämpfer hinten lassen sich lediglich in der Zugstufe justieren.Leistung? 68 PS liefert der Twin Cam 88 über einen Zahnriemen an den 130er-Hinterreifen. Vibrationen? Schon, denn trotz üppiger Gummilagerung schickt der per 40er-Gleichdruckvergaser gefütterte 1449-Kubik-V2 je nach Drehzahl deutliche Schwingungen in Richtung Besatzung, im Gegensatz zum Twin Cam 88B muss der T-Sport-Antrieb nämlich ohne Ausgleichswellen auskommen. Autobahn-Reisetempo bedeutet im letzen Gang der lautstark-metallisch agierenden Fünfgangbox 3000 bis 4000 Umdrehungen und eine fast perfekte Absorbtion der Vibrationen des dicken Antriebsaggregats durch die Gummipuffer.Vorbei ist’s bei der T-Sport auch mit Witzen über Fliegen zwischen den Zähnen jetbehelmter Piloten. Keine Angst, das Lächeln ist ihnen nicht vergangen, dafür nimmt die Verkleidungsscheibe ihren Job ernst, setzt Elementen und Insekten spürbaren Widerstand entgegen. Bis etwa Tempo 140 herrscht Wohlfühlklima hinter dem per Drehknopf einstellbaren Klarsichtschild. Höhere Tempi fordern allerdings Tribut in Form von Verwirbelungen und einer anschwellenden Geräuschkulisse. Außerdem zeigen die Vierkolben-Festsättel vorn nun endgültig, dass sie nicht zur Kategorie bissiger Zweifinger-Stopper zählen, sondern nach herzhaftem Zugriff verlangen. Die rückwärtige Bremse zeigt sich arbeitswilliger und reagiert spontan auf leichten Tritt.Dem Zugriff zwielichtiger Subjekte entzieht sich die T-Sport mittels der serienmäßigen Wegfahrsperre mit Fernbedienung, die durch eine Alarmanlage sowie einen funkgesteuerten Alarmmelder erweiterbar ist. Traditionalisten dürfen sich aber weiterhin am separaten Zünd- und Lenkschloss erfreuen – ganz im Sinne des harleyschen Spagats zwischen Klassik und Moderne.
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