Fahrbericht Honda CT 110 (Archivversion)

BAUERNMÖBEL

Die Landwirte und Postboten des fünften Kontinents lieben es praktisch.

Die Känguruhs sind schon die ganze Nacht unruhig, und das Foster’s ist alle. Der Bauer muß noch mal raus. Und mit was brummt er durchs ustralische Outback? Er fährt Honda CT 110. Sein neuseeländischer Berufskollege und die Postboten beider Nationen tun es übrigens auch.Der kleine Viertakter ist eine etwas skurrile Mixtur aus Mofa, Motorroller und Motorrad. Bis zur letzten Schraube ist an der CT 110 alles auf reine Zweckmäßigkeit ausgelegt. Design, schöne Formen - alles ganz nett, aber nichts für den harten Alltagseinsatz und damit nichts für Hondas Arbeitstier. Nach Deutschland kommt der Bastard nur auf grauem Wege.Gestartet wird per Kickstarter. Das klappt immer und überall beim ersten Versuch. Ein Anlasser ist entbehrlich. CT 110-Motto: Was nicht dran ist, kann auch nicht kaputtgehen. Das Schalten ist für Dax- und Monkey-Unerfahrene etwas ungewohnt, denn das Vierganggetriebe arbeitet mit einer Halbautomatik. Der Leerlauf sitzt ganz unten, die vier Gänge werden mit einer Schaltwippe raufgeschaltet, gekuppelt wird automatisch. Egal in welchem Gang man unterwegs ist - sobald das Gas weggenommen wird, schaltet das Getriebe auf Leerlaufstellung. Vorteil für den Fahrer: Er kann die CT 110 niemals abwürgen. Nachteil für Ungeübte: Wer beim Schalten das Gas nicht zumacht, produziert ungewollt einen Wheelie. Die Sache mit der Schaltwippe hat noch einen weiteren Haken. Die Sitzposition ist für Menschen über 1,50 Meter dermaßen zusammengefaltet, daß das Schalten mit der Hacke unmöglich ist. Um die Gänge trotzdem reinzuprügeln, muß immer der ganze Fuß nach hinten genommen werden. Spätestens nach einer halben Stunde hat man sich daran gewöhnt.Die Fahrleistungen der von einem luftgekühlten Zweiventiler angetriebenen CT 110 liegen auf dem Niveau handelsüblicher Achtziger. Das Fahrgefühl ist aber ungleich aufregender, es erinnert an frühe Mofa-Zeiten, als man auf der gnadenlos frisierten Zündapp mit fürchterlich illegalen 60 km/h durch die Stadt geknallt ist. CT 110-Fahren ist legal, das 6,9 PS starke Gefährt wird ganz regulär als Motorrad zugelassen und läuft mit angelegten Ohren und Gottvertrauen laut Tacho 85 km/h, was echten 80 km/h entspricht und damit - zumindest theoretisch - auch den Autobahnbetrieb erlaubt. Der Stadt- und Vorortverkehr ist verständlicherweise viel eher die Domäne der Honda, und dort bietet sie eine Art von Fahrspaß, die weder Motorroller noch »normales« Motorrad bieten können.Wer die CT 110 nicht nur als Spaß-, sondern auch als Nutzfahrzeug sieht, wird ebenfalls glücklich. Alles an ihr ist praktisch. Jede Schraube läßt sich ohne Verrenkungen erreichen, die Elektrik ist übersichtlich verlegt, die Kette komplett gekapselt, zwei Seitenständer und eine Feststellbremse serienmäßig. Die Motor-Unterseite schützt ein solides Blech, und auf den riesigen Gepäckträger paßt der besagte Kasten Bier. Die Bremsen und Federelemente sind etwas lasch, aber das interessiert zwischen Perth und Auckland wahrscheinlich kein Schwein.
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