Fahrbericht KTM 950 Duke Protoyp (Archivversion)

Schluss mit nett

Bisher kämpften und siegten KTM-Mannen vor allem in Staub und Schlamm. Mit stetig steigender Tendenz. Jetzt schicken sie mit der zweizylindrigen Duke einen pfeilschnellen Asphalthammer über die Alpen.

Piloten einer KTM Duke müssen hin und wieder ein gerüttelt Maß an Frusttoleranz mitbringen. Da vernaschen sie mit ihrem Einzylinder im Kurvengeschlängel ganze Rudel von Superbikern auf der letzen Rille – nur um auf der nächsten Geraden von den PS-starken Joghurtbechern kaltlächelnd ausbeschleunigt zu werden. Das wird bald vorbei sein. Spätestens 2003 bietet KTM kurvengierigen Landstraßenwetzern ein angemessen motorisiertes Gerät. Und was für eins: Dank eines 115 PS starken 950-cm3-Zweizylinders müssen Duke-Fahrer ungetrübten Fahrspaß nicht mehr ausschließlich auf Landsträßchen und Pässen x-ter Ordnung suchen, sondern können künftig auch auf gut ausgebautem Terrain richtig Meter machen. Zu diesem Zweck hat die große Duke das Supermoto-Outfit der kleinen Schwester abgelegt und präsentiert sich deutlich stärker aufs Straßenfahren ausgerichtet, ohne den unschätzbaren Vorteil guter Spielübersicht und endloser Bodenfreiheit preiszugeben. Üppige Sitzhöhe und ein breiter Endurolenker erleichtern das Orientieren und Manövrieren selbst in unbekannten Revieren, hoch angebrachte Fußrasten ermöglichen Wildern in schrägsten Lagen.Wie etwa bei der exklusiven MOTORRAD-Testfahrt eines Prototypen im Donautal. Sanft schmiegt sich das Asphaltband an den Flusslauf, Abzweigungen locken mit herzerfrischenden Serpentinen. Ganz klar: Duke-Revier. Aufmerksam reagiert der brandneue LC8-Twin auf Kommandos. Fast schon fahrschulfreundlich sanft schiebt er von ganz unten an, legt stetig nach und gibt ab 5000/min bis in den fünfstelligen Bereich richtig Feuer. Nie überfallartig, aber dennoch nachhaltig. Dazu passt der kräftig bollernde Sound, der dem mächtigen im Stummelheck untergebrachten Schalldämpfertrumm entweicht. Selbst in dieser ersten Entwicklungsstufe gibt es am nur 56 Kilogramm leichten Kraftpaket, das im Gegensatz zur Adventure mit Einspritzung arbeitet, wenig zu kritteln. Im Vergleich zu den obenraus rabiat schüttelnden Singles verhält sich der Twin kultivierter, läuft jedoch deutlich rauer als andere Zweizylinder. Geradezu teuflisch ist der Speed, den die noch getarnt auftretende Duke möglich macht. Ruck, zuck zeigt der Digitaltacho selbst auf kniffligen Streckenabschnitten aberwitzige Tempi. Ohne, dass beim Piloten nur ansatzweise ein schlechtes Gewissen aufkäme. Fein filtern die mächtige, voll einstellbare Upside-down-Gabel und das direkt an der langen Aluschwinge angelenkte Federbein Unebenheiten aus der Straßenoberfläche. Trotzdem hält es das Vorderrad hin und wieder nicht am Boden. Egal, ob beim radikalen Beschleunigen oder bei blitzartigen Schräglagenwechseln, unter vollem Leistungseinsatz strebt die Front nach Höherem. Was auf stummelbelenkerten Straßenrennern insbesondere auf unebenem Geläuf gern mal in heimtückisches Lenkerschlagen und einen erhöhten Adrenalinspiegel ausartet, führt hinter der güldenen Segelstange der KTM eher zu freudigen Jauchzern unterm Helm sowie dem unstillbaren Drang nach Wiederholung. Kein Wunder, hält der Gitterrohrrahmen aus Stahl einen Kompromiss aus messerscharfer Handlichkeit und dem notwendigen Maß an Stabilität parat.Verzögert wird standesgemäß mittels Doppelscheibenbremse vorn, welcher die hintere Einzelscheibe höchst dienstbereit assistiert. Speziell die per Radialhandpumpe angesteuerten Brembo-Zangen vorn mit jeweils vier Einzelbelägen machen mit sensiblem Ansprechen und bei Bedarf brachialer Wirkung Punktlandungen zur leichten Übung. Ebenso leicht gelingen selbige an der Tanke, denn das Cockpit liefert nicht nur Informationen über den Benzinvorrat, sondern zählt sogar brav die in Reservestellung absolvierten Kilometer. Damit Duke-Piloten im Kurvenrausch nicht irgendwann schnöde und unvermittelt der Treibstoff ausgeht.
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