Fahrbericht Suzuki AN 400 Burgman (Archivversion)

BIG BOSS

Ein halbes Jahr lang war der Suzuki AN 250 unter Rollern der Chef. Jetzt bekommt er selber einen.

Manche Vermutungen bewahrheiten sich schneller als erwartet. Der erste Fahrbericht des komfortablen Suzuki AN 250 in MOTORRAD 13/1998 schloß mit der Feststellung, daß dem mit 23 PS ausreichend, aber keineswegs üppig motorisierten Riesen-Roller ein 400er Motor mit rund 34 PS gut zu Gesicht stünde - und daß 1999 das richtige Jahr für einen AN 400 Burgman sein könnte.Und tatsächlich: Im November 1998 baten die Japaner zum ersten Fahr-Termin mit dem AN 400. Nur Kleinigkeiten unterscheiden den stärksten je gebauten Serien-Roller von seinem Viertelliter-Pendant, denn der AN 250 ist im Grunde für den größeren Motor konstruiert. Seine Ausmaße, sein Gewicht und sein unbeirrbares Fahrwerk mit extrem langem Radstand und 13 Zoll großen Rädern sind für die mit 23 PS realisierbaren Fahrleistungen überdimensioniert. Der 250er schreit förmlich nach mehr Kraft.Jetzt hat er sie. 33 PS schüttelt der wassergekühlte Vierventil-Single laut Suzuki bei maßvollen 8000 Touren aus seinen 385 Kubikzentimetern Hubraum. Eine Ausgleichswelle sorgt dafür, daß der Fahrer des Burgman nichts von der mechanischen Anstrengung unter seinem Sitz bemerkt. Zunächst drängt sich ihm allerdings auch nicht der Eindruck überschäumenden Temperaments auf. Wer erwartet, mit deftigem Einzylinder-Schlag nach vorn gerissen zu werden, der wartet vergebens. Der AN 400 reißt einfach nicht. Verantwortlich für dieses scheinbare Defizit ist die perfekt arbeitende Riemenautomatik, die die Leistung des Einzylinders jederzeit in kontinuierlichen Schub verwandelt. Auf dem Burgman gibt es kein Ausdrehen der Gänge, keine Schaltrucke. Außer anschwellenden Windgeräuschen weist nichts auf das zunehmende Tempo hin. Die Überraschung kommt beim Blick auf den Tacho - 150 Sachen können ohne weiteres auf der Uhr stehen, die von Suzuki versprochenen echten 140 km/h erscheinen durchaus glaubhaft. Ganz schön viel Holz für einen Roller.Genug jedenfalls, um mühelos dem Dunstkreis der rechten Autobahnspur zu entfliehen. Strecken jeder Länge zügig und äußerst komfortabel zu absolvieren ist die Bestimmung des AN 400. Sie manifestiert sich fahrwerksseitig in sturem Geradeauslauf, lobenswerter Kurvenstabilität und einer dank geändertem Hauptständer nun befriedigenden Schräglagenfreiheit. Zum ungetrübten Fahrvergnügen trägt das ebenso wirksame wie narrensichere Integral-Bremssystem mit je einer Scheibe vorn und hinten seinen Teil bei. Das Bremsen mit der linken Hand verlangt Motorradfahrern etwas Umgewöhnung ab, funktioniert dann aber gut. Die Arbeit der Federelemente fördert den Komforteindruck, zumal sich das unter dem Trittbrett liegende Federbein für die Triebsatzschwinge nun durch ein gut zugängliches Handrad für stärkere Beladung vorspannen läßt.Fahrer und Sozius lümmeln auf einer Sitzbank von üppigen Ausmaßen und geschützt von einer ausladenden Verkleidung, die lange Lulatsche allerdings mit heftigen Windgeräuschen und etwas zu kurzem Fußraum nervt. Ausstattung und Instrumentierung des Burgman lassen dagegen kaum Wünsche offen. Wo sonst gibt es neben Feststellbremse, Digitaluhr und diversen Stauräumen (darunter einem beleuchteten Helmfach) schon zwei getrennte Tageskilometerzähler? Das Licht ist klasse, eine Sozius-Rückenlehne ist Serie. Nur im dichten Stadtverkehr wünscht man sich manchmal, der AN 400 hätte ein paar Pfund weniger als seine 194 Kilo um die Hüften. Von rollertypischer Handlichkeit kann man bei ihm nicht mehr sprechen. Er ist nun mal nicht als Stadtflitzer konzipiert, sondern für streßfreies, zügiges Reisen.
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