Gewichtsvergleich (Archivversion)

Das jüngste Gewicht

Alles bestens mit der neuen CBR 600 RR. Sagen die ersten und zweiten Eindrücke verschiedener Fahrer, die Messgeräte und die 1000-Punkte-Wertung. Die Waage ist jedoch anderer Meinung.

Die unbestechliche MOTORRAD-Waage bringt es an den Tag: Satte 201 Kilogramm ziehen die Gesichter der Honda-affinen Redakteure lang. Das kann nicht wahr sein, zaubert doch die Konkurrenz vom Schlage einer neuen Yamaha YZF-R6 oder einer Kawasaki ZX-6R zwischen 10 und 13 Kilogramm weniger auf das Display. Warum, so die berechtigte Frage, ist die CBR 600 RR dann so schwer? Gewichtiger sogar als die aktuelle, 150 PS starke Fireblade aus gleichem Hause. Dabei stimmte das angegebene Trockengewicht von Honda mit 169 Kilogramm noch froh, bewegte es sich doch auf dem Niveau der Konkurrenz. Mit den üblichen Flüssigkeiten käme man so auf rund 190 Kilogramm vollgetankt. MOTORRAD machte sich kurz vor Redaktionsschluss im Schnelldurchgang auf die Suche nach den zusätzlichen Pfunden. Was ist bereits auf den ersten Blick an der CBR 600 RR anders als bei anderen Supersportlern? Zwei Merkmale fallen sofort ins Auge: die hochgelegte Auspuffanlage und das in der massiven Schwinge gelagerte Federbein.Die Schwinge der 600er wiegt zusammen mit dem Federbein und der Umlenkung immerhin 12,7 Kilogramm. Das sind deutliche 1,9 Kilo Mehrgewicht gegenüber der 160 PS starken Suzuki-GSX-R 1000, eine der fahrstabilsten Supersport-Maschinen. Da liegt die Vermutung nahe, dass die besondere Anlenkung des Federbeins besonders gewichtsträchtig ist, die außer einer gut aufgeräumten Anmutung und einer technischen Reminiszenz an den Werksrenner RC 211 V technisch jedoch keine Vorteile bringt.Ebenfalls gewichtstreibende Wirkung besitzt die lange, aufwendig verlegte, hochgezogene Auspuffanlage, die zudem mittels einiger Hitzeschilde davon abgehalten werden muss, ihre unmittelbare Umgebung abzuschmelzen oder anzuzünden. 10,6 Kilogramm schlagen heftig zu Buche, die Anlage der GSX-R 1000 wiegt inklusive Steuerwalze rekordverdächtige 6,3 Kilogramm. Der Preis für das tolle Design wird bei der CBR 600 RR also eindeutig in Kilogramm bezahlt. Dass es leichter geht, beweist auch die Anlage ihrer Schwester CBR 600 F, die inklusive Kat und Lambdasonde nur 9,9 Kilogramm wiegt.Dass höhere Stabilität nicht in jedem Fall schwerer wiegen muss, zeigt sich wenigstens an der neuen Gabel mit 45er-Standrohren. Da diese etwas kürzer ausfallen als bei der 43er-Gabel der F und weil das Dämpfungssystem etliche Aluteile besitzt, ist das RR-Bauteil sogar 300 Gramm leichter.In einem Punkt unterbietet die neue CBR 600 RR die 1000er-Suzuki: Der Hauptrahmen, der nun im Bereich der Schwinge nach unten gezogen ist, um die Kräfte der Federung aufzunehmen, ist mit 10860 Gramm immerhin deren 100 leichter. Ein Vergleich zur zahmen Schwester F trübt das Bild allerdings wieder. Deren Rahmen bringt nur 9500 Gramm auf die Waage. Erstaunlicherweise ist es im Renntrimm dennoch kein Problem, mit der CBR 600 RR das Gewichtslimit von 172 Kilogramm ohne Benzin für die Supersport-WM zu erreichen. Es bleibt der leise Verdacht, dass man alle Vorzüge der CBR 600 RR, nämlich Lenkpräzision, Fahrstabilität und klare Rückmeldung auch mit zehn Kilogramm weniger und somit einem echten Trockengewicht von 169 Kilo, erhalten könnte. So wie es die Konkurrentinnen der Honda vormachen.
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