Händler-Portrait (Archivversion)

Freunde fürs Leben

Seit fast 40 Jahren verkaufen Heinz und Walter Rosenberger aus Offenbach Roller aus dem Hause Piaggio - etwas anderes als Vespa käme für die Brüder nie in Frage

Heinz und Walter Rosenberger sind ein Team. Bodenständig, unermüdlich und aus der Rollerszene in Offenbach längst nicht mehr wegzudenken. Seit fast 40 Jahren dreht sich im Fahrzeughaus Rosenberger, aber auch in den Herzen der Brüder, alles um die kleinen Flitzer aus Pontechera: Walter, 60, kümmert sich um den Verkauf, Heinz, 56, schraubt in der urigen Werkstatt hinterm Laden, die Ehefrauen Jutta und Christa erledigen den Rest. Ein Leben ohne Vespa? Für die vier undenkbar. Das Geschäft in der Offenbacher Straße 27 haben die Brüder von ihrem Vater übernommen, der seine Zweiradleidenschaft bereits 1925 zum Beruf machte, Roller und Mopeds der Marken Viktoria und NSU verkaufte. Doch seine Söhne hatten längst Gefallen an den flotten Rollern aus Italien gefunden, und als NSU 1956 die Produktion eingestelle, sattelten die drei Rosenbergers im Jahr darauf um. Heinz, damals 16 Jahre alt und noch in der väterlichen Ausbildung zum Zweiradmechaniker, erinnert sich genau: »Im März 1957 stand die erste 150er Vespa auf unserem Hof, eine T3 in Silber mit schicken Chromleisten. Wir haben den ganzen Tag lang nur gestaunt und sind stundenlang damit durch Offenbach gesaust.«Nicht nur den Rosenbergers gefielen die Roller aus Italien, auch die Kunden waren begeistert und kauften, was der kleine Laden hergab. »Vespas entsprachen damals haargenau den Bedürfnissen der Zeit«, erklärt Walter Rosenberger, »denn die Leute wollten ein billiges und unkompliziertes Fahrzeug, und die Roller faszinierten einfach jeden wegen ihrer einzigartigen Eleganz.« Die Geschäfte mit den Rollern gingen gut - bis in die 70er Jahre. Mopeds und Kleinkrafträder waren plötzlich angesagt, und Heinz und Walter Rosenberger boten neben den italienichen Produkten auch Zweiräder der Marken Kreidler, Herkules und Honda an. »Trotzdem, wir fuhren mit unseren Rollern, was das Zeug hielt,« erklärt Walter Rosenberger, zeigt auf das Gruppenfoto in seinem kleinen Büro: »Unser Vespa-Club, mit dem wir in den letzten 36 Jahren so ziemlich alle großen Roller-Treffen in Europa besucht haben.« Schon im Sommer 1962 brausten die Brüder mit ihrem Club zur Euro-Vespa nach Madrid, sechs Tage dauerte die über 2000 Kilometer weite Anreise auf den kleinen Rädern. Im Jahr darauf ging´s mit 15 Clubmitgliedern nach Berlin. Die Männer natürlich im Sattel ihrer Roller, die Ehefrauen mit dem Gepäck im Auto hinterher: »Wir wollten unsere Vespas mal wieder richtig laufen lassen«, schmunzelt Heinz, »und auf der neuen Transit-Srecke von Helmstedt nach Berlin lieferten wir uns tolle Duelle.« Leider hatten die ostdeutschen Beamten für die Italo-Fans nicht allzuviel übrig: fünf Mark pro Kopf für zu schnelles Fahren und über eine Stunde Wartezeit im Regen an der Grenze nach Ost-Berlin: »Denen sahen wir in unseren grünen Parkern mit den vielen Club-Stickern wohl zu suspekt aus.«Geduldig hielten die Offenbacher Brüder an ihrem Vespa-Traum fest, doch aus dem Hause Piaggio kam in den 70iger Jahren nur noch ein Bestseller: das Mofa Ciao. »Davon haben wir bis zu 500 Exemplare pro Jahr verkauft«, erinnert sich Walter, »erst 1991 ging´s mit den Rollern wieder bergauf, als die Sfera vorgestellt wurde.« Plötzlich hatten die Brüder wieder alle Hände voll zu tun und verwandelten schließlich im letzten Jahr ihre alten Verkaufsräume in ein modernes Piaggio-Zentrum. Nur hinter den Kulissen ist vieles so geblieben wie vor 40 Jahren. Während im Laden die neusten Modelle des italienischen Herstellers im Neon-Licht glänzen, liegen im engen Lager unzählige Klein- und Ersatzteile penibel sortiert in vergilbten Kartons, die sich in uralten Regalen stapeln. Gleich nebenan hängen fast schon historisch anmutende Werkzeuge über der Werkbank, an der schon der Vater schraubte. Heinz Rosenberger sieht keinen Grund, in seinem Reich irgend etwas zu verändern: »Die Technik der Roller habe ich auch so im Griff, da hat sich in den ganzen Jahren eigentlich nur wenig verändert«, schmunzelt er und denkt wohl an den Tag, als er zum erstenmal die neue 125er Sfera zu Gesicht bekam: »Das Geräusch von dem Viertaktmotor war schon ungewöhlich für einen Roller, mein Mechaniker und ich haben in der Werkstatt richtig lange Ohren gemacht.«Zeit zum Aufhören? Heinz und Walter Rosenberger denken noch nicht daran, zu sehr sind bei ihnen Beruf und Hobby miteinander verschmolzen. Vespas sind eben Freunde fürs Leben.
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