Interview Hermann Maier (Archivversion)

Ski-Superstar Hermann Maier macht auf Motorrädern jeglicher Couleur eine ähnlich gute Figur wie auf seinen Abfahrtsbrettern. So hatte es der Herminator auch nach seinem schweren Motorradunfall recht eilig, wieder auf eine Maschine zu steigen.

Hermann Maier, Sie haben nach Ihrem schweren, unverschuldeten Motorradunfall nicht nur ein glänzendes Comeback als Ski-Rennläufer hingelegt, sondern fahren auch wieder Motorrad. Was ist Ihr Bezug zum Motorrad, was machte Sie zum Motorradfahrer? Ich habe, seit ich mich erinnern kann, eine enge Beziehung zu Motorrädern. Schon als Kind faszinierten mich Motorräder und Motorradfahrer, später durfte ich dieses besondere Gefühl selbst erleben. Die Schräglagen, die Geschwindigkeit – das gehört seit meiner Jugend einfach dazu. Nach meinem Unfall konnte ich es kaum erwarten, wieder auf die Maschine zu steigen. Sie fahren beileibe nicht nur mit der Harley zum Café, sondern nutzen Motorräder, vor allem Trial- und Enduro-Maschinen, auch als Trainingsgeräte im Sommer. Wo ist der Trainingseffekt für den Skistar, wo sind eventuelle Berührungspunkte beider Sportarten? Es gibt tatsächlich viele Berührungspunkte. Wenn man die beiden Sportarten beherrschen will, ist ein besonderes Körpergefühl gefragt. Trial ist ein ausgezeichnetes Gleichgewichts- und Stabilisations-Training, das mir auf Schnee sicher zugute kommt. Haben Sie jemals auch an Motorrad-Wettbewerben teilgenommen? Leider nein, weil mir letztlich die Zeit dazu fehlte. Wenn ich Dinge angehe, dann versuche ich sie richtig anzugehen. Aber nach meiner Ski-Karriere habe ich hoffentlich Gelegenheit dazu. Was sind Ihre bevorzugten Maschinen, respektive wie sieht Ihr Maschinenfuhrpark derzeit aus? Ich stehe in erster Linie auf italienische Kultmarken, auf Zwei- und Dreizylinder-Maschinen. In meiner Garage stehen aber neben einer Ducati Monster 900 eine BMW R 1150 GS und eine Trial-Gas Gas. Wie viel Zeit bleibt eigentlich zum genussvollen Motorradfahren? Leider viel zu wenig, da auch außerhalb der Ski-Saison Training und PR-Termine im Vordergrund stehen. Im Sommer, wenn auf unseren Gebirgsstraßen herrliches Wetter herrscht, bin ich meist schon wieder beim Schnee-Training am Gletscher oder in Neuseeland. Was sind Ihre Lieblingsstrecken? Als Kurven-Experte stehe ich vor allem auf kurvige Pass-Straßen. Sie haben auf dem Fahrrad beim Prolog der Tour de France gegen die Profis eine hervorragende Figur gemacht. Wären Sie auch interessiert, mit einer VIP-Wild-Card an einem Motorrad-Rennen teilzunehmen, zum Beispiel dem BMW-Boxer-Cup im Rahmen einer MotoGP-Veranstaltung? Da ich das ganze Jahr über auf dem Ergometer trainiere beziehungsweise in der warmen Jahreszeit viel im Freien in die Pedale trete, passte die Tour-de-France-Vorbereitung gut in meinen Konditionsaufbau. Motorrad-Engagements wären für mich erst nach dem Ende meiner Ski-Karriere interessant. Verfolgen Sie den Motorrad-Rennsport? Ja, ich sehe mir fast jedes WM-Rennen im Fernsehen an. Und wenn ich ausnahmsweise mal die Gelegenheit habe, live dabei zu sein – zum Beispiel im Vorjahr in Mugello –, dann nütze ich sie. Sehen Sie im Motorrad-Rennsport ein Pendant zum Herminator? Früher gab es einige – ich erinnere mich an Stars wie Kevin Schwantz, Michael Doohan oder Barry Sheene. Solche charismatische Typen gehen mir heute leider ab.Das Interview führte MOTORRAD-Redakteur Michael Rohrer
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