Interview John Bloor (Triumph) (Archivversion)

"die dreizylinder stärken"

John Bloor, Eigentümer von Triumph, sprach mit den MOTORRAD-Redakteuren Michael Pfeiffer und Waldemar Schwarz über die Zukunft der Marke.

Herr Bloor, vor zwei Jahren ist ein wesentlicher Teil der Produktionsanlagen von Triumph abgebrannt. War das ein großer Rückschlag für Sie?
Natürlich war das eine starke Beeinträchtigung. Aber aus solchen Katastrophen erwächst oft auch etwas Positives.
Wie dürfen wir das verstehen?
Der Brand hat uns gezwungen, unseren Produktionsablauf zu überdenken. Dadurch konnten wir ihn gleichzeitig optimieren.
Wie hoch war der Schaden?
Die Versicherung hat über 90 Millionen Pfund ausbezahlt. Die Ursache war übrigens eine Kleinigkeit: Ein Ventil der Betankungsanlage hatte getropft, und dann verpuffte das Gas-Luft-Gemisch.
Hat Sie dieser Brand auch bei der Modellentwicklung zurückgeworfen?
Nein. Die Entwicklungsabteilung war zum Glück nicht davon betroffen. Allerdings haben wir unsere Modellpolitik überdacht.
Wir wollen das, was Triumph stark gemacht hat, die Dreizylindermodelle, weiter stärken.
Können Sie das näher erläutern?
Triumph braucht keine Motorräder mit 170 PS, sondern lebt von drehmomentstarken und charaktervollen Motoren. Die Drei-
zylinder werden wir dahingehend überarbeiten.
Erhält die Dreizylinder-Baureihe also mehr Hubraum?
Das wäre sicher eine geeignete Maßnahme.
Vor einiger Zeit gab es Gerüchte, Triumph würde ein Vierzylinder-Speedbike entwickeln?
Wir haben tatsächlich so eine Maschine serienreif entwickelt. Sie war sogar ausgesprochen leistungsfähig. Aber solch ein Motorrad passt kaum noch in die Zeit. Sie kennen den Beschluss des Europäischen Verbands der Motorradindustrie zur freiwilligen Selbstbeschränkung auf 299 km/h?
Den kennen wir. Lief die Vierzylinder schneller?
Wir haben eine sehr hohe Geschwindigkeit erreicht. Aber das ist nicht die Zukunft. Außerdem sind in England die Versicherungsprämien für solch starke Maschinen horrend. Deshalb stoppten wir das Projekt.
Was passiert mit der 600er-Vierzylinder?
Die verkauft sich gut, in England ist sie sogar unser bestverkauftes Modell. Wir entwickeln die Maschine weiter.
Auf der anderen Seite der Hubraumskala bauen Sie den mit 2,3 Litern größten Dreizylinder aller Zeiten. Wie viel Rocket III wollen Sie verkaufen?
Nach dem Serienanlauf in diesem Jahr sind künftig 4000 Stück weltweit pro Jahr geplant. Der Hauptmarkt werden die USA sein. Dort haben Cruiser mit großen Hubräumen einen Marktanteil von 60 Prozent, Triumph aber nur 0,7 Prozent. Die Zweizylinder-Cruiser Speedmaster und America besitzen für die USA zu wenig Hubraum. Dieses Problem hat die Rocket III nicht mehr.
Den Motor der Rocket III könnte man sich ja auch in anderen Fahrzeugkonzepten vorstellen...
Ich kann mir damit eine ganze Menge vorstellen. Man kann sich ja leicht ausmalen, für was sich dieser drehmomentstarke Antrieb geradezu anbietet.

Herr Bloor, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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