Katalog Naked Bikes

Blick nach vorn

Motorrädern, die ausziehen, um anziehend zu wirken, gehört die Zukunft - auch wenn sie wie von gestern erscheinen mögen.

Nackte Motorräder zu bauen heißt keineswegs, auf stilistische Ausdrucksmittel verzichten zu müssen. Geradezu exemplarisch zeigt Bimota, was mutige Formgestalter anrichten können, wenn sie bereit sind, sich vom Bild des klassischen Motorrads zu lösen: So entstand mit der Mantra eine spannungsvolle Skulptur aus Metall und Kunststoff, die jeden Geschmacksnerv trifft und dabei entweder begeisterte Zustimmung oder krasse Ablehnung auslöst.
Auch ganz schön unorthodox gestylt, Kraft ihrer Herkunft aber zum Erfolg verdammt, sind die R-Modelle von BMW. Mit serienmäßigem G-Kat und ABS auf Wunsch stehen sie nach wie vor an der Spitze der Umwelt- und Sicherheitsbewegung, mit ihrer Telelever-Frontpartie betreten sie fahrwerkstechnisch fruchtbares Neuland, und mit ihren durchzugsstarken Motoren setzen sie erfolgreich auf Entspannungspolitik.
Sportpolitik betreiben dagegen die Buell-Modelle S1 und M2. Mit wundersam erstarkten Harley Sportster 1200-Motoren und interessanter Fahrwerkstechnik - Gitterrohrrahmen mit schwingungstechnisch entkoppeltem Triebwerksblock und Zentralfederbein in Tiefparterre - zeigen die US-Bikes, daß auch ungewöhnliche Konzepte tragen können.
Das nötigste zum Fahren, das aber nett angerichtet - an dieses Rezept hält sich seit Jahren die Ducati Monster-Familie. Frischen Wind in die Verkaufszahlen zu bringen verspricht - dank abgespeckten Preises - die ganz in Schwarz getauchte, in Ausstattung und Finish reduzierte 600er Monster Dark. Verbesserte Bremsen werten die beiden größeren M-Modelle auf.
Wer bei Harley-Davidson zwischen Choppern und Cruisern nach Naked Bikes sucht, schaue unter »Sportster« nach. Da gibt es neben den 883-Modellen die 1200 Sport, die für 1998 aufgewertet wurde: mit neuer, benutzerfreundlicherer Sitzbank und - weit wichtiger - mit mehr Schmalz im V2 dank Doppelzündung.
Gezündet hat`s auch bei Honda: Mit der CB 600 Hornet tritt ein dynamisches, unverwechselbar gestaltetes Motorrad an, das den etwas braven und betulichen Dauerbrennern CB Two Fifty, CB 500 und CB 750 Flankenschutz gibt und der Konkurrenz ganz schön einheizen wird. Immerhin soll der vom Triebwerk der CBR 600 R abgeleitete Vierzylinder 94 PS abliefern, die mit lediglich vier Zentnern Gewicht leichtes Spiel haben dürften. Das Fahrwerk mit Rückgratrahmen und schlichten Federungs- und Bremskomponenten ist eher Hausmannskost.
Ein noch breiteres Naked-Bike-Angebot als Honda hat Kawasaki im Programm. Unter der Retro-Flagge segeln - nun schon traditionell - die Zephyr-Modelle mit 550, 750 und 1100 cm³ sowie die Estrella 250, während die ER-5 das Brot-und-Butter-Segment abdekt. Ein Sonderfall in der Runde ist die ZRX 1100: Mit reichlich Leistung und Drehmoment sowie einem handlichen Fahrwerk mit noblen Zutaten ist sie der Wolf im Wolfspelz.
Bei Laverda scheiden sich die Geister: Ghost 650, Ghost Legend 650 oder Strike 650? Stählerner Gitterrohrrahmen oder Aluminium-Brücken-Chassis? Lampenverkleidung oder nicht? Keine Fragen wirft hingegen die Motorisierung auf - die besorgt in allen Fällen ein wassergekühlter Paralleltwin mit Kraftstoffeinspritzung.
Auch bei Moto Guzzi wurden längst die Dellorto-Vergaser zugunsten zukunftweisender Einspritzsysteme beiseite gelegt. Moderne Zeiten außerdem beim Design - zumindest bei der V 10 Centauro, die alle überkommenen Vorstellungen vom Erscheinungsbild einer Guzzi über den Haufen wirft und auf Konkurrenten wie die Ducati Monster 900, die Bimota Mantra und die Triumph Speed Triple zielt. Die neue Centauro Sport mit kleinen Zusatzdetails wie Lampenverkleidung und Bugspoiler macht da keine Ausnahme. Gleichwohl können Klassikfreunde aufatmen: Die V 11 Sport schlägt die Brücke zurück zur V 7 Sport seligen Angedenkens, während die Ippogriffo das zeitlose Normalo-Motorrad spielt.
»Total normal« heißt auch das Motto der MuZ Tour 660, die das Basismodell der Skorpion-Reihe darstellt und mit ihrer Doppelsitzbank auch für das Leben zu zweit taugt. Allen Skorpion,Modellen gemeinsam ist der 48 PS starke, wassergekühlte Fünfventil-Einzylinder made by Yamaha.
Bei Suzuki beginnt das Naked Bike-Sortiment mit zwei luftgekühlten Zylindern - in Gestalt der GS 500, die offenbar das ewige Leben hat. Warum auch nicht: Ausreichend viel Motorrad für wenig Geld, so was läuft und läuft. Das gilt - auf höherem Leistungsniveau - auch für die Bandit-Modelle. Sowohl die GSF 600 als auch die jüngere GSF 1200, beide von sehr schön anzuschauenden luft-/ölgekühlten Vierzylindern befeuert, verkaufen sich wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Kein Wunder, daß Suzuki versucht, nun noch die letzte Lücke in der Angebotspalette zu schließen: Mit der GSX 750 wird eine Maschine geboten, die mit rundlichen Formen und Richtung 70er Jahre orientierter Fahrwerkstechnik auf das entsprechende Kawasaki Zephyr-Modell zielt.
Triumph versteht sich ebenfalls auf die Kunst, das markentypische Baukastensystem zu nutzen und Angebotslücken zu schließen. Jüngstes Beispiel ist die Thunderbird 900 Sport, die der »nomalen« Thunderbird zur Seite gestellt wurde. Während letztere gute alten Zeiten heraufbeschwört, will erstere sportliche alte Zeiten wiederbeleben: mit mehr Leistung, mehr Fahrwerk, weniger Chrom und weniger Lenker.
Die Trident-Modelle mit 750 und 900 cm³, wie die T-Birds mit dem »alten« Dreizylinder ausgestattet, zählen derweil schon zu den echten Klassikern im Triumph-Programm - eine Karriere, die die T 509 Speed Triple mit dem moderneren Einspritzmotor dank ihres einzigartigen Streetfighter-Design mit einiger Sicherheit vor sich hat.
Geschichtsträchtig, aber immer noch nicht Geschichte, ist die Yamaha SR 500, die als Mutter aller neuzeitlichen Straßen-Einzylinder gelten muß. Mit nurmehr 24 PS zeigt der Dauerbrenner mittlerweile jedoch deutliche Alterserscheinungen. Am anderen Ende der Yamaha Naked Bike-Skala stehen die ebenfalls altgediente Vmax und die XJR 1200, beide mit 98 PS. Letztere gibt es in einer neuen SP-Variante, die sich als Sarron-Replica in Französisch-Blau präsentiert.
Das Reich der Mitte zu beackern war bei Yamaha bislang Aufgabe der zurückhaltend motorisierten XJ 600 N. Die bekommt nun kräftige Unterstüzung in Gestalt der FZS 600 Fazer. Vom nur leicht eingebremsten Vierzylinder der YZF 600 R beflügelt, dürfte es dieser Neuerscheinung leicht fallen, ungeachtet der starken Konkurrenz einen hoffnungsvollen Blick nach vorn zu werfen.
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