Kurztest Ducati M 900 Monster (Archivversion)

Zieh dich warm an

Windschild auf die Nase, Vergaser-Heizung an: Ab jetzt stehen die Zeichen für die M 900 auf Sturm.

So richtig lustig fing das Jahr 1997 für Ducatis größtes Monster nicht an. Dieser plötzliche Leistungseinbruch: nurmehr 67 PS - auf dem Papier. Skandalös ist das, weiß doch jeder, daß es der große Ducati-V2 zu Zeiten weniger strenger Geräuschgrenzwerte auf echte 80 Pferdestärken brachte. Und jetzt - wer sollte sich jetzt noch für die M 900 entscheiden, da eine M 750, nominell gerade mal vier PS schwächer, fast 3000 Mark weniger kostet und kein bißchen schlechter aussieht.Okay, der Besuch auf dem Prüfstand rückt die Geschichte in ein etwas freundlicheres Licht. Immerhin 72 PS drückt der 900er Motor an der Kupplung ab. Und ein paar Extras hat das Urmonster zudem auf Lager. Da gibt´s zum Beispiel diese Doppelscheibenbremse: um Klassen besser als die schwindsüchtige Einscheiben-Analge der 750er. Nicht zu verachten auch die Aluminium-Schwinge und - ganz wichtig - die einstellbare Upside-down-Gabel: 16 Klicks in Zug- und Druckstufe. Man käme allerdings mit der Hälfte aus, weil´s ab Position neun nur noch beinhart zur Sache geht. Also, die blauen Rädchen gen Nullstellung gedreht, dann klappt´s mit dem Ansprechverhalten. Womit ein großes Übel der M 900 - kein geringeres als Lenkerschlagen nämlich - beseitigt und leider schon wieder ein neues geschaffen wäre: Jetzt taucht die Gabel zu tief ein, weil die Federn eben zu lasch geraten sind. Bleibt abzuwarten, ob´s die Monster in diesem Leben noch mal zu einer wohlerzogenen Vorderradführung bringt.Anstand zeigt die nackte Schönheit an völlig unerwarteter Stelle: Seit neuestem trägt sie ein neckisches, kleines Windschild. Ohne Ducati an dieser Stelle zu nahe treten zu wollen - berauschend sieht das Ding nicht gerade aus. Aber es wirkt. Nimmt bei höherem Tempo, trotz der putzigen Abmessungen, ordentlich Druck raus. Und hohe Geschwindigkeiten sind für die Monster auch nach der Diät kein Problem: 200 km/h sollten für ein Motorrad dieser Art genügen. Schwächen offenbart der Desmo-Twin viel eher beim Thema Leistungsentfaltung. Von wegen Charakter und Druck und so - da ist nicht mehr viel vom kernigen Ducati-Schlag und Rums und Bums. Er wirkt recht ereignislos, dieser überarbeitete 900er Motor: untenrum kultivierter als früher, in der Mitte reichlich zugestopft und obenraus ziemlich zäh. Kein Vergleich mit dem lebendigen M 750-Aggregat.Gleichwohl gehört die M 900 zu den Motorrädern, denen niemals das Blut in den Adern gefrieren kann, denn: Ducati spendierte ihr eine Heizung, die das bekannte Vereisen der Vergaser verhindern soll. Gegen den rauhen Wind, der dem gebeutelten Riesenmonster fortan entgegen wehen wird, dürfte das allerdings wenig helfen.
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