Kurztest Yamaha XJ 900 S (Archivversion)

Aktenzeichen XJ ungelöst

Für 1996 hat sich Yamaha auf die Weiterentwicklung der XJ 900 S konzentriert. Die investierte Arbeit hat allerdings nicht alle Probleme gelöst.

Sie gilt als unproblematisch und technisch einfach aufgebaut. Ein Motorrad ohne jede Starallüren, das sich für die Alltagsarbeit nicht zu schade und zu jeder Tour bereit ist. Diese Flexibilität und nicht zu letzt der für einen 900 Kubikzentimeter und nominell 90 PS starken Vierzylinder günstige Preis von jetzt 15 950 Mark sind Yamahas Erfolgsrezept.Um den Erfolg nicht zu gefährden, haben sich die Yamaha-Techniker für 1996 unter anderem um die Verbesserung der Fahreigenschaften bemüht. Da die XJ nicht unbedingt zu den Vorbildern in Sachen Geradeauslaufstabilität und Federungsabstimmung zählte, zählte eine Überarbeitung der Federelemente zum Pflichtprogramm. Leider hat zumindest vorn das löbliche Ringen um Verbesserung kaum gefruchtet, denn das eigentliche Problem der XJ, die viel zu weiche Gabel, konnten durch Gabelstopfen mit variabler Federbasis nicht beseitigt werden. Durch das bloße Hineindrehen der Gewindebolzen wird lediglich das Fahrzeugheck angehoben, die Federrate bleibt unverändert. So taucht die Vorderradführung beim Bremsen immer noch sehr weit ein und vermittelt im Fahrbetrieb einen etwas indirekten und nicht sonderlich stabilen Eindruck.Die bisweilen recht bockige Hinterhand bietet nach der Überarbeitung dagegen ein recht passables Maß an Komfort. Das in der Dämpfung geänderte Zentralfederbein spricht jetzt sensibler an. Die Verkrampfungen der Heckpartie, die unter Last durch den Kardanantrieb enstehen, lassen sich so etwas mildern.Motorseitig bleibt im neuen Jahr alles beim alten. Eher unauffällig verrichtet der luftgekühlte Vierzylinder seine Arbeit. Ohne große Höhen und Tiefen bewegt sich die Drehzahlmessernadel über die Skala, deren roter Bereich um 500/min auf nunmehr 9500 angehoben wurde. Eine Maßnahme, die vielleicht das Gewissen beruhigt, im Alltag aber keine Rolle spielt. Denn trotz ihrer 276 Killogramm Gewicht hat es die XJ 900 S dank des breiten nutzbaren Drehzahlbandes nicht mal im Soziusbetrieb nötig, solche Drehzahlorgien zu feiern.Ähnlichen Nutzwert haben die weiteren Änderungen im XJ-Cockpit. Die bunten Kontrolleuchten sind jetzt mit Symbolen versehen und nicht mehr in Englisch beschriftet. Zugegeben, das sieht eleganter aus, doch merken wird es kaum jemand, sofern er nicht mit der Nase drauf gestoßen wird. Dagegen ist die Verlegung des Chokes von der Gabelbrücke an die linke Schaltereinheit am Lenker ein echter Fortschritt. Einfingerbedienung, ohne die Hand vom Lenkergriff nehmen zu müssen, gehört heutzutage eben zum guten Ton. Und den trifft die neue XJ 900 S insgesamt etwas besser als das 1995er Modell.
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