Motorrad präsentiert: Honda CRM 250 AR

Radikal-Kur

Mit dem AR-(Active Radical) Konzept, serienmäßig in der CRM 250-Enduro umgesetzt, will Honda den Zweitakter vom Umweltsünder zum Saubermann bekehren, ohne ihn dabei seiner Tugenden zu berauben.

Von Leichtkrafträdern und 50ern abgesehen, sind Zweitakter wegen schlechter Umweltsitten weitgehend von der Straße verschwunden, und selbst im Off Road-Bereich, ihrem letzten Refugium, geht`s ihnen mittlerweile an den Kragen.
In dieser Situation stemmt sich nun ausgerechnet Viertakt-Traditionalist Honda gegen das scheinbar Unvermeidliche und präsentiert mit dem AR-Motor einen neuen Ansatz zum Thema Zweitakter.
Das AR-Prinzip versucht, die Schwächen des Zweitakters zum Positiven zu wenden. Diese Schwächen - hoher Verbrauch und schlechtes Abgasverhalten - resultieren aus dem Umstand, daß sich - vereinfacht gesagt - ungenutzter Kraftstoff durch den Auspuff davonmachen kann. Vor allem im unteren Drehzahlbereich kommt es infolge träge ablaufender Verbrennungsprozesse zu unvollständiger Nutzung der bereitstehenden chemischen Energie: Es bleiben Restbestände, sogenannte Radikale. Der Trick des AR-Systems besteht darin, die Bindungswilligkeit dieser Molekülfragmente in nutzbringende Bahnen zu lenken. Verquirlt man sie nämlich im Zylinder mit entsprechend zusammengesetztem Frischgas, verbrennt das Ganze - ohne Zutun der Zündkerze - spontan und weitgehend rückstandsfrei.
Als Quirl, der Rest- und Frischgas in innige Verbindung bringt, fungiert eine Klappe im Auslaßtrakt, deren Stellung per Zentralrechner von zahlreichen Parametern - Gasschieberstellung, Drehzahl, Kühlwasser- und Zylinderkopftemperatur, Unterdruck im Ansaugtrakt - bestimmt wird. Ihm zur Seite steht ein elektronisch geregelter Vergaser, der in jedem Betriebspunkt des Motors für die passende Gemischzusammensetzung sorgen soll.
Jenseits der aufwendigen Elektronik ist der AR-Einzylinder ein Zweitakter in bestem Sinne: mechanisch simpel, kompakt, leicht. Und leistungswillig: 40 PS bei 8000/min und 39 Nm bei 6500/min sind zwar nicht rekordverdächtig, aber sehr ehrenwert. Diese Werte verblassen freilich angesichts der realisierten »Nebeneffekte«: Der AR-Motor soll 50 Prozent weniger unverbrannte Kohlenwasserstoffe ausstoßen als herkömmliche Zweitakter und in Sachen CO- und Stickoxid-Emission sogar Verteter des Viertaktprinzips klar unterbieten. Da mag man sich kaum noch über die versprochenen Verbrauchswerte wundern: 3,4 Liter auf 100 Kilometer bei Tempo 120 und sieben Liter bei Vollast.
Ob diese Versprechungen gehalten werden, war bislang nicht nachzuprüfen. Wie sich die die CRM fährt, dagegen schon: Honda Austria hat vier dieser Motorräder importiert und zur Fahrerprobung aus der Hand gegeben.
Dabei macht der AR-Single zunächst keinerlei Aufhebens von seiner Sonderstellung. Er erwacht nach einem lockeren Tritt auf den Kickstarter zum Leben und rattert wohlgedämpft im Stil eines x-beliebigen Zweitakters vor sich hin. Doch gleich beim Losfahren kommt das Aha-Erlebnis: Ohne viel Drehzahl und ohne Zauberei mit der linken Hand kommt die CRM aus den Startlöchern. Leicht erhöhte Leerlaufdrehzahl, Kupplung rein, und los geht`s - das kriegt jeder Anfänger auf Anhieb hin.
Nach obenheraus, Richtung Spitzenleistung, wirkt der 250er ein bißchen zäh. Das mag an der dezenten Geräuschkulisse liegen, oder - was wahrscheinlicher ist - an der gleichmäßigen Leistungsentfaltung. Die wird mit freudiger Überraschung registriert, wenn die Maschine ohne x-mal runterschalten aus Kehren herausbeschleunigt werden soll: In bester Viertaktmanier genügt ein Dreh am Gasgriff, um die CRM energisch mit den Reifen scharren zu lassen - ohne Stottern, ohne Zaudern. Die Wirksamkeit des AR-Verfahrens läßt sich dabei mit verblüffendem Ergebnis durch einen Druck auf den Killschalter überprüfen: Bis zirka 5000/min läuft der Motor tatsächlich mit ausgeschalteter Zündung.
Kein Wunder, daß auch beim Fahrer der Funke überspringt, ist doch die CRM 250 AR dank drehmomentstarkem Motor, geringem Gewicht, und handlichem Fahrwerk eine benutzerfreundliche Breitband-Enduro, die in anspruchsvollem Gelände eine ebensogute Figur macht wie im Alltagsbetrieb. Schade nur, daß dieses Motorrad in Deutschland weder für Geld noch für gute Worte zu haben ist. Daß immerhin das AR-Prinzip in Gestalt des 125er Pantheon-Rollers auf unsere Straßen kommt, ist da nur ein schwacher Trost.
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