MZ-Zweizylinder-Prototyp

Erstes Training

Auf der Rennstrecke Oschersleben unternahm MZ kürzlich Versuchsfahrten mit einem neuen Zweizylinder-Sportmotorrad, das zur INTERMOT vorgestellt wird.

Das Kind hat noch keinen Namen, wächst und gedeiht aber prächtig. Und hat jetzt erste Laufversuche hinter sich. Die Rede ist vom neuesten Hoffnungsträger von MZ, einer Zweizylindermaschine. Die unverzagten Sachsen unter ihrem berufsoptimistischen Chef Petr Karel Korous schickten ihr jüngstes Kind im Mai auf die Rennstrecke im sachsen-anhaltinischen Oschersleben, wo es zeigen sollte, was schon in ihm steckt.
Ein kurzer Rückblick: MZ war auf der Suche nach einem Partner auf die Wenko Swissauto AG gestoßen. Die Schweizer schienen die richtige Wahl zu sein, um MZ beim Aufstieg in die große weite Welt der Sportmotorrad-Hersteller zu helfen. Weil dem kleinen und in der Vergangenheit arg gebeutelten Unternehmen einfach die Größe fehlt, um selbst Motorenentwicklung zu betreiben, kam das Zweizylinder-Viertakt-Triebwerk, das die Schweizer zusammen mit der deutschen Autozuliefererfirma Weber für ganz unterschiedliche Einsatzzwecke projektiert hatten, wie gerufen (siehe MOTORRAD 18/1999). Ein Getriebe, das diesem sogenannten Multi-Purpose-Triebwerk fehlte, um es zu einem vollständigen Motorradantrieb zu machen, erforderte ein neues, größeres Gehäuse. Dieses wurde von der MZ-Schwesterfirma MuZ Engineering kurzerhand gezeichnet und von Weber gebaut.
Zurück nach Oschersleben. Dort war zu sehen, wo die Mzler die Messlatte anlegen wollen. Eine Honda VTR 1000 F hatte man dabei, in deren Revier die MZ in Zukunft wildern will. Auch eine Suzuki TL 1000 S hatten die Sachsen ausgiebig analysiert. »An den wesentlichen Fahrwerksdaten der Honda haben wir uns bereits orientiert«, so Vertriebsleiter Carl Schmidt. Fehlt nur noch die entsprechende Motorleistung, diesbezüglich ist das MZ-Projekt noch weit von der eines japanischen Sport-Zweizylinders entfernt. Daher steht als nächstes ein neuer Zylinderkopf für den wassergekühlten Twin an. Denn der hat bislang lediglich eine Nockenwelle, die über Kipphebel die je vier Ventile steuert. Deren zwei sollten es schon sein, weiß man bei MZ, aber auch das dürfte nicht reichen, um das Hubraummanko – die Weber-MZ hat nur 750 cm³ – auszugleichen. Pläne, einen Kompressor anzubauen, hat MZ mittlerweile verworfen. Stattdessen erwägt man jetzt, den Hubraum auf einen vollen Liter anzuheben.
»100 PS können wir erreichen«, hofft Schmidt. Das schwarze, vollverkleidete Motorrad, das in Oschersleben erste Runden drehte, war noch mit dem Einnockenmotor bestückt. Immerhin: Er verfügt über eine Einspritzung. Und: »Einen geregelten Kat bekommt die Zweizylindermaschine auch«, so MZ-Mann Schmidt. Ob das Fahrwerk bereits den Erwartungen entspricht, konnten die MOTORRAD-Beobachter in Oschersleben nicht herausbekommen, denn der Versuchsfahrer war verständlicherweise nicht zu Auskünften bereit. Zackige Schräglagen legte der Mann jedoch vor, gepaart mit respektablen Bremsmanövern.
»Der Rahmen wird komplett von uns gefertigt«, erläutert der MZ-Vertriebschef. Es handelt sich um einen Brückenrahmen aus Stahlrohren ohne Unterzüge. Ein bisschen ähnelt er dem Layout der neuen Aprilia Falco, doch, so Schmidt, »unserer war schon eher fertig«. Zulieferer wie etwa der Bremsenhersteller Brembo oder der Gabellieferant Paioli werden ausschließlich aus Europa kommen. »Japanische Bauteile wollen wir nicht. Außerdem sind die zu teuer«, erklärt der MZ-Mann.
Die Ziele sind hochgesteckt. »Auf der Intermot zeigen wir die verkleidete Maschine sowie eine Naked Bike-Version. Mindestens eine davon kommt im Laufe der Saison 2001 auf den Markt. Um die 20000 Mark kostet die«, verspricht Carl Schmidt.


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