Neue Konzepte für die 50 PS-Klasse

Vom Biedermann zum Brandstifter

Während hochpreisige Motorräder im atemberaubenden Design daherkommen, halten die Hersteller bei den Einsteiger-Bikes am biederen 08/15-Outfit fest. MOTORRAD macht ein paar Vorschläge für CB 500 und Konsorten.

Die drei Test-Mopeds lehnen lässig auf dem Seitenständer, wärmende Sonnenstrahlen künden vom Frühling. Pause. Zeit für eine kleines Vesper zwischendurch, ein paar Minuten Ruhe, einfach auf dem Holzstapel hocken, die noch schneeweißen Alpen im Blick. Und Zeit, sich Gedanken zu machen, warum die Hersteller ihre Einsteiger-Maschinen über Jahre hinweg fast unverändert in die Schaufenster stellen. Mal eine neue Farbe oder kleine Retuschen am Design, aber sonst: alles beim Alten. Ganz klar, der niedrige Preis lässt es nicht zu, alle zwei Jahre ein neues Motorrad auf die Räder zu stellen. Rentabilität muss sein.
Aber gähnende Langeweile bei der Kundschaft kann der Rentabilität ganz schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Zumal eines klar ist: Motorrad fahren ist in erster Linie Leidenschaft, hat mit Vernunft und Rentabilität nicht viel zu tun. Deshalb haben MOTORRAD und Designer Stefan Kraft ein paar Ideen zusammengetragen, mit dem Ziel, die technische Basis aller drei Maschinen grundsätzlich nicht zu verändern. Motor, Rahmen, Ausstattung, alles bleibt – nur das Drumherum wird komplett neu gezeichnet. Für Hondas CB 500 steht die CB 450 von 1965 Pate, die mit einer Scrambler-Auspuffanlage verfeinert wird. Klar, die fünfspeichigen Gussräder wären der komplette Stilbruch, Drahtspeichenräder müssen sein. Und Chrom-Schutzbleche. Aber wie der Name sagt, aus Blech bitte schön, nicht Plastik.
Für die kleine Suzuki gibt’s eigentlich nur eine Lösung: Unverkennbar im aggressiven GSX-R 1000-Design gezeichnet, soll die 500er für Begehrlichkeit bei der jungen 34-PS-Generation sorgen. Der Unterschied: Halbverkleidet transportiert der schön verrippte Motor noch ein gutes Stück Technik und Leichtigkeit. Trotz der eindeutig signalisierten Sportlichkeit sorgen die über den Brücken montierten Stummel und eine niedrige Sitzposition dafür, dass Motorrad-Novizen vom Fleck weg begeistert sind - sofern das tadelige Fahrverhalten der aktuellen GS 500 bei der Renovierung aus der Welt geschafft wird.
Giftgrün, auf Streetfighter getrimmt, geht die Kawasaki-Twister auf Kundenfang. Mit klitzekleinem Windschild, Bugspoiler und schlankem Heckbürzel sucht die kleine Kawasaki die logische Anbindung an das hauseigene Image der Grünen. Frech, schnell, grün. Schließlich soll der/die Einsteiger/in im Anschluss an die 34-PS-Phase der Marke treu bleiben und die grüne Twister gegen großes Geschütz mit ähnlich markantem Auftritt in Zahlung geben. Denn eines muss den Herstellern und Importeuren klar sein: Neue Kundschaft, neue Käufer, neue Enthusiasten für das Thema Motorrad muss man sich erarbeiten. Bei der heutigen Vielzahl von Möglichkeiten die Freizeit totzuschlagen, kann man mit biederer Hausmannskost keinen Menschen mehr hinterm Ofen vor locken. Oder haben sie schon mal beim netten Fahrradhändler um die Ecke das praktische Dreigang-Hollandrad mit Nabenputzer und Kettenschutz in der Auslage erspäht?
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