Neue Motorradmarke: Excelsior Henderson (Archivversion)

USA today

Mit moderner Technik - Vierventil-Zylinderköpfe und Benzineinspritzung - will die neue US-Firma mit den großen alten Namen Excelsior und Henderson am Thron von Harley-Davidson rütteln.

»Men on a Mission« - Männer auf einer Mission, das ist in den USA eine Ehrenbezeichnung, die Boxern wie Weltmeister Evander Holyfield ebenso verliehen wird wie etwa 200- und 400-Meter-Doppel-Olympiasieger Michael Johnson, der seine Titel auf Ansage holte.Aber auch Wirtschafts-Manager, die ein klares Ziel im Visier haben, werden gern mit diesem Ehrentitel bedacht. Wie zum Beispiel die Brüder Dan und Dave Hanlon: »Wir werden es konstruieren, bauen und weltweit profitabel verkaufen - das amerikanische Motorrad, das mit Spitzenqualität überzeugt und gleichzeitig an die legendäre und unerreichte Lebensqualität der früheren Tage des Motorradfahrens erinnert.« Dieser Satz steht, ganz offen als »Mission« bezeichnet, am Anfang aller Aktivitäten der Hanlon-Brüder, Excelsior Henderson, die Edelmarke aus den Glanzzeiten des US-amerikanischen Motorradbaus, zu reaktivieren. »Wir werden das beste schwere Motorrad der Welt bauen«, formulieren die Excelsior Henderson-Neugründer selbstbewußt, »und wir werden Spaß haben, unser Team in der Firma, unsere Familien, die Händler, die Kunden und die Teilhaber.«Zurückblickend auf eine Historie, die im ersten Leben bis 1871, dem Gründungsjahr von Excelsior als Fahrrad-Fabrik, reicht, machten die heutigen Eigner seit der Neugründung im Jahre 1993 aber nicht nur große Sprüche, wie sie von verschiedenen Versuchen, die verblichene US-Nobelmarke Indian wiederzubeleben, bekannt sind. Zur Daytona Bike-Week präsentierte Excelsior Henderson im Peabody Auditorium, einer Konzerthalle in unmittelbarer Nachbarschaft des traditionell von Harley-Davidson angemieteten Congreß Centers, drei fahrbare und straßenzugelassene Vorserienmaschinen ihres neuen Modells Super X.Die Maschine, die äußerlich genau dem populären Cruiser/Chopper-Konzept entspricht, mit dem Harley-Davidson und zunehmend auch die japanischen Giganten gute Geschäfte machen, ist technisch auf einem weitaus aktuelleren Niveau als »das andere schwere amerikanische Cruiser-Bike«, wie sich Dan Hanlon mit feiner Zurückhaltung ausdrückt. Das 1386-cm³-V2-Triebwerk verfügt über Vierventil-Zylinderköpfe, je zwei obenliegende Nockenwellen sowie elektronische Benzineinspritzung und soll umgerechnet ungefähr 30 000 Mark kosten.Abgasreinigung mittels zweier geregelter Katalysatoren ist für den Serienstart vorgesehen, der 1998 stattfinden soll. Damit sich dieser Termin nicht in Luft auflöst, haben die Hanlon-Brüder, die sich neben ihrer Motorradleidenschaft als durchaus erfolgreiche Geschäftsmänner erwiesen haben, gut vorgesorgt. Dan als Inhaber einer Firma für umweltfreundliche Verpackungsmaterialien, die er 1993 mit gutem Gewinn veräußern konnte, und Dave mit einer Lkw-Leasing-Firma. Als »Vice President for Production and Operations« findet sich in der Führungsgruppe der neuen Firma mit Allan C. Hurd ein in der Motorradindustrie nicht ganz unbekannter Mann. Der Brite Hurd war nämlich bei Triumph verantwortlich für den gesamten Aufbau des Werks, der ja ähnlich wie jetzt bei Excelsior Henderson aus dem Nichts stattgefunden hat.Hurd genießt einen exzellenten Ruf als Logistiker und technischer Organisator und darf fast als Garant gelten, daß die neue Fabrik, die in der Kleinstadt Belle Planie im US-Staat Minnesota aufgebaut wird und Ende 1997 bezogen werden soll, auf dem allerneuesten Stand sein wird. Geplant ist der Produktionsstart im Winter 1997/98 mit zunächst 150 Mitarbeitern, deren Zahl planmäßig innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 500 aufgestockt werden soll. Langfristiges Produktionsziel sind rund 20 000 Maschinen pro Jahr, wobei neben dem bereits präsentierten Modell auf gleicher technischer Basis auch eine eher sportliche sowie eine Tourer-Variante geplant sind.Ein weiterer kleiner Beweis am Rande für die Seriosität der Excelsior-Henderson-Mission ist die Besetzung des Aufsichtsrats der Firma. Dort sitzt nämlich Carl Hass. Und dieser Mann hat in der US-Automobilsport-Szene einen Ruf wie Donnerhall. Das von ihm geführte Newman/Haas-Racing Team hat schon zahlreiche Indy Car-Meistertitel errungen und gehört zum feinsten in dieser Szene. Dan und Dave Hanlon, Allan C. Hurd und Carl Haas, mit diesen »Men on a mission« sollte das zweite Leben von Excelsior Henderson durchaus von Erfolg gekrönt sein.
Anzeige

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote