Neue Yamaha-Modelle 1998 (Archivversion)

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Stark, schnell und federleicht, soll Yamahas neue YZF 1000 der Honda CBR 900 RR das Leben schwermachen. Als Seitenhieb auf Suzukis Bandit schiebt man die XJR 600 im dezenten Streetfighter-Design nach.

Die Ankündigung ist nicht neu, sorgt aber immer für Spannung . Nach Suzuki und Triumph will jetzt Yamaha Hondas Dauerbrenner CBR 900 RR vom Thron stoßen. In Sachen Höchstleistung ist dies kein unüberwindliches Hindernis: Bereits die Suzuki-Techniker hauchten ihrer GSX-R 750 mindestens dieselbe Leistung bei gleichem Gewicht ein. Doch um die Fireblade zu übertrumpfen, braucht es mehr als schiere Kraft. Tadelloses Handling, bärenstarker Durchzug, bestechende Allround-Eigenschaften und hochwertige Verarbeitung sind gefragt. Eine passende Anwort darauf hatte Yamaha mit YZF 1000 bereits 1996 parat. Durchzugsstark, schnell und ohne Tadel an Fahrwerk und Handling, begeisterte der Fünfventiler auch die MOTORRAD-Testmannschaft. Nur zu fett war der 1000er Brocken mit 233 Kilogramm geraten. Zumindest aus der sportlichen Perspektive betrachtet. Jetzt versprechen die Yamaha-Konstrukteure gar weniger Gewicht als die 207 Kilogramm der Honda Fireblade und rund 20 PS mehr Leistung. Als Ausgangsbasis dient das modifizierte Chassis der YZF 750, in das der 1000er Motor mit EXUP-Auslaßsteuerung und neuem Sechsganggetriebe implantiert wird. Diese Idee hatten bereits einige engagierte Yamaha-Händler seit Jahren realisiert, das angepeilte sensationelle Gewicht haben jedoch die meisten um einige Kilogramm verfehlt. Sollte die Fastenkur für die Großserie gelingen, dürfte die supersportliche YZF 1000 tatsächlich neue Maßstäbe in der Big-Bike-Klasse setzen. Doch warten wir ab, bis die 1998er Yamaha leibhaftig auf der MOTORRAD-Waage steht, denn auf ihr erwies sich schon manch euphorisch angekündigtes Leichtgewicht als wohlbeleibt. Über Liefertermin und Preis schweigen sich die Yamaha-Marketing-Strategen ebenso aus wie zur Frage, ob die neue YZF 1000 das alte Modell ablöst oder diesem nur als Super-Wetzhobel zur Seite gestellt wird. Wobei letzteres eher Sinn ergibt, zumal Yamaha die sportliche, aber betagte YZF 750 R aus dem Programm streichen wird. Bei der neuen 600er, nennen wir sie einfach mal XJR, dagegen ist klar, daß sie neben dem bisherigen Verkaufsrenner XJ 600 S als marktstrategische Verstärkung gegen Suzukis GSF 600 Bandit dient. Sie wird als durchweg neu konstruierter Mittelkläßler auftreten, dem zwar die Motorinnereien der YZF 600 R vermacht werden, das Layout jedoch komplett umgekrempelt wurde. Fast senkrecht steht der verrippte, wassergekühlte Zylinder mit waagerecht stehender Vergaserbatterie hinter dem Wasserkühler. 98 PS Höchstleistung sind angepeilt, ohne den erfreulich satten Durchzug des YZF 600-Aggregats zu schmälern. Der Stahlrohrrahmen wird auch hier Stilelement sein und bestimmt die Linienführung von Tank und Sitzbank. Um mit einem möglichst niedrigen Preis, den aber niemand der Yamaha-Verantwortlichen nennen wollte, einsteigen zu können, wird die neue XJR 600 mit konventioneller und bewährter Technik ausgerüstet. Vom Charakter her etwas sportlicher, mit der bekannt effektiven Bremsanlage der YZF 600 und einem Zentralfederbein mit Umlenksystem bestückt, wird sich die Neue klar von der touristisch orientierten XJ 600 S distanzieren. »Keine Experimente« lautet die Devise in Sachen Design, und so hält sich das schüchtern angedeutete Streetfighter-Outfit durch die rechteckigen Scheinwerfer in der serienmäßigen Halbschalenverkleidung sichtlich zurück. So ein leicht finsterer Gesichtsausdruck ist genehmigt, doch möchte man auf keinen Fall durch ein übertrieben martialisches Äußeres erschrecken.
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