Neuheiten 1998: Honda, Kawasaki, Suzuki, Yamaha

Ein Kessel Buntes

Die Dünste aus der Gerüchteküche verdichten sich: In den Töpfen der japanischen Hersteller köcheln überraschend viele neue Leckerbissen.

Mit ein paar neuen Zutaten und Beilagen versucht Honda, das 1998er Modell-Menü aufzufrischen. Etwa mit einem Mittelklasse-Tourer, der bis zur endgültigen Namensfindung unter den Arbeitstitel »Kompass« firmiert. Blickfang ist eine kniefrei geschnittene Karosserie mit formal überzeugend integrierten Staufächern im Heckbereich. Unter der Oberfläche sitzt altbewährte Technik: Der 50 PS starke 650er Dreiventil-V2 ist ebenso aus der NTV 650 bekannt wie der stählerne Brückenrahmen, die Einarmschwinge und der Kardanantrieb.
Ohne Umverpackung versucht die CB 600 ihr Glück: Stilistisch an der mittlerweile verblichenen CB 1000 (»Big One«) orientiert, beflügelt vom potenten CBR 600-Vierzylinder - da zieht ein Naked Bike herauf, das richtig zur Sache gehen dürfte.
Die CBR 900 RR konnte das schon immer, nur soll sie es künftig noch etwas besser und schöner können. Eine dezente Leistungssteigerung hievt die Fire Blade über die 130-PS-Grenze - ein Umstand, der durch ein Facelifting an der Verkleidung behutsam nach außen dokumentiert wird.
Trotz anderslautender Gerüchte gibt es keine neue CBR 600 F und (vorerst) keine »R«-Version der VTR 1000. Die »Änderungen« für 1998 erschöpfen sich - wie im übrigen Honda-Programm - in neuen Farbvarianten. Trotzdem gute Nachrichten: VTR und CBR 1100 XX sind künftig mit ungeregeltem Kat erhältlich (siehe MOTORRAD 18/1997).
Schlechte Nachrichten dagegen für Freunde hubraumstarker Reise-Enduros: Die XL 1000 V (mit modifiziertem VTR-Motor), die man sich als Transalp in Übergröße vorzustellen hat, ist zwar fertig entwickelt, wird aber mit ihrem Erscheinen voraussichtlich bis Ende 1998 auf sich warten lassen.
Weniger Geduld wird sportlich orientierten Kawasaki-Kunden abverlangt, steht doch eine runderneuerte ZX-9R startbereit in Lauerstellung. Leichter, kompakter, agiler, schneller - nach diesem Motto wurde die Neuauflage auf nurmehr 207 Kilogramm (fahrfertig) abgespeckt, in der Leistung leicht angehoben und mit einem auf kürzerem Radstand rollenden Chassis versehen. Ihre kleine Schwester ZX-6R erfuhr dezente technische Retuschen, die die leichten Haltungsschwächen des bisherigen Modells beim Einsatz auf der Rennstrecke beheben sollen. Eine sichtbare praktische Aufwertung der Maschine kommt in Gestalt einer Edelstahl-Auspuffanlage mit Aluminium-Schalldämpfer.
Wiederum ans Eingemachte ging es dagegen beim Cruiser-Flaggschiff VN 1500. Hier wurde ein neuer Motor aus der Taufe gehoben, der - so ist zu hoffen - für ein Maß an Fahrdynamik sorgt, das dem gewaltigen Hubraum angemessen ist. Zu hoffen ist auch, daß die Katalysator-Technik, die Kawasaki dem Vernehmen nach für Märkte mit besonders restriktiven Emissionsvorschriften quer durchs Programm entwickelt hat, dem deutschen Kunden nicht vorenthalten wird.
Noch bevor die Querelen um die technischen Probleme der TL 1000 S verebbt sind, schiebt Suzuki eine verschärfte Version des Zweizylinder-Sportlers nach. Die TL 1000 R präsentiert einen an Ölwanne und Kupplung überarbeiteten Motor, der dank eines modifizierten Drosselklappen-Ensembles (bei gleichem Saugrohr-Durchmesser) und eines neu programmierten Einspritz-Steuergeräts satte 136 PS ans Getriebe liefern soll. Optisches Aushängeschild der »R« ist eine blau-weiß lackierte Vollverkleidung. Die »S« geht unverändert in die nächste Saison - bis auf Eingriffe ins Einspritz-Management, die wohl darauf abzielen, dem Motor das Saufen abzugewöhnen.
Das Thema Software wird künftig auch bei der GSX-R 750 relevant sein. Anstelle der bisherigen Vergaserbatterie übernimmt eine elektronisch gesteuerte Einspritzanlage die Aufgabe, den Reihenvierzylinder zu füttern. Mit rund 130 PS hält sich die Leistungssteigerung in ebenso engen Grenzen wie die Änderungen am Erscheinungsbild der Maschine - da verrät allein eine neue Verkleidungsscheibe des Modelljahrgangswechsel.
Anzeichen gravierender Umwälzungen trägt auch die kleine GSX-R nicht zur Schau: Die 600er präsentiert sich wie gehabt, bietet aber mehr innere Werte in Gestalt einer höheren Motorleistung.
Eingriffen kosmetischer Natur mußte sich hingegen die altgediente GSX 600 F unterziehen lassen. Mit einer komplett neu gezeichneten Verkleidung mit Doppelscheinwerfer und einer neuen Sitzbank soll der Mittelklasse-Sporttourer einen zweiten Frühling erleben. Die gleichermaßen aufgepeppte GSX 750 F wird auf dem deutschen Markt nicht erhältlich sein.
Dafür gibt es einen anderen Suzuki-Neuzugang in der Dreiviertelliterklasse. Unter der Bezeichnung GSX 750 kommt eine unverkleidete Maschine in dezentem Retro-Look, die in Japan mit 400 Kubik bereits unter dem Namen Inazuma erhältlich ist. Mit stattlichem 20-Liter-Tank und einem geräumigen Staufach unter der Sitzbank spielt die GSX 750 die praktische Karte, während sie mit ihrem Schmuckstück von Motor - dem hinlänglich bekannten, feinverrippten, luft-/ölgekühlten Vierzylinder -, stämmiger Gabel und üppig bereiften Rädern was fürs Auge bietet.
Ein Hingucker wird auch die Nachfolgerin der VS 1400 werden. Mit mehr Leibesfülle, einem auf 1,5 Liter Hubraum vergrößerten Motor und auf dicken Sohlen rollend, wechselt sie vom Chopper- ins Cruiserfach. Was bleibt, ist der Name: Intruder.
Yamaha hat sich nach einer schöpferischen Pause kräftig ins Zeug gelegt. Im Sportsegment dokumentiert dies mit Nachdruck die YZF 1000 R1, die alle Anlagen zum Klassenprimus hat: mit einem Gewicht von rund 200 Kilogramm (vollgetankt), einer Leistung von 152 PS und einem auf 1390 Millimter geschrumpften Radstand. Hinter diesen aufsehenerregenden Eckdaten steht ein neu konstruierter, äußerst kompakter Motor, der im Vergleich zum bisherigen 1000er (der in der »normalen« YZF 1000 weiterhin werkelt) um 25 Kilogramm leichter geraten sein soll.
Auf den Erfolg der Suzuki Bandit 600 reagiert Yamaha mit der FZ 600 - einem Naked Bike, das nicht nur nackt, sondern dank wassergekühltem Fünfventil-Motor auch ganz schön dynamisch sein soll. Das war die XJR 1200 von jeher, und das wird sie als Gauloises-blau lackierte XJR 1200 S »Sarron Replica« auch künftig sein.
Überschäumende Lebendigkeit ist nicht das Hauptcharakteristikum der XJ 600-Modelle. Gleichwohl bekommt die N- wie die S-Variante eine zusätzliche Scheibenbremse am Vorderrad spendiert.
Spendabel zeigt sich Yamaha auch in Sachen Drag Star. Der XVS 650 wird eine XVS 650 A zur Seite gestellt, die das Thema Cruiser noch gefühlsechter transportieren soll: Mit verschalten Standrohren à la Royal Star und mit veritablen Stahlblech-Kotflügeln.
Darüber können Enduro-Fans nur schmunzeln. Vorfreudig strahlen werden sie dagegen angesichts einer zulassungsfähigen 400er Viertakt-Sport-Enduro, die sich - abgesehen von einem E-Starter - technisch eng an die brandneue Cross-Maschine anlehnt.
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