Neuheiten 1998: MV Agusta (Archivversion)

Agos Erbe

Die wohl legendärste Motorradmarke kehrt zurück: MV Agusta.

Rückblende. 1976 geht auf der Nürburgring-Nordschleife eine Ära zu Ende: Der legendäre Giacomo Agostini bestreitet zum letzten Mal einen WM-Lauf für MV Agusta. Über 3000 Siege hatte die Marke bei nationalen und internationalen Meisterschaften bis dahin eingefahren, 38mal wurde die Fahrerweltmeisterschaft gewonnen - allein 14 davon gingen auf das Konto von Agostini, immerhin sieben steuerte John Surtees bei -, 37 mal ging der Markenweltmeistertitel an das Werk in Gallarate bei Mailand. Doch inzwischen hatten japanische Zweitaktmotoren selbst in der 500er Königsklasse die Viertakter von MV von der Spitze verdrängt. So zogen sich die Italiener noch 1976 vom Grand Prix-Sport zurück und eine Legende war geboren.Nun ist es offiziell, nach zwei Jahrzehnten wird es wieder eine MV Agusta geben (MOTORRAD spekulierte darüber bereits in Heft 17/1997), der Stichtag ist der 15. September 1997 zur Eröffnung des Mailänder Salons. Dort soll die MV Agusta 750 F4 der Weltöffentlichkeit präsentiert werden. Gebaut wird die neue MV allerdings nicht mehr in Gallarate, sondern in Varese im Werk von Cagiva. Dessen Chef Claudio Castiglioni - einst Ducati-Boß - erwarb die Namensrechte der Motorradmarke MV Agusta.Standesgemäß treibt ein Vierzylinder-Viertaktmotor die F4 an, und standesgemäß hängt der in einem Gitterrohrrahmen aus Chrom-Molybdän-Stahl. Das von Ferrari entworfene Reihen-Triebwerk war ursprünglich für ein Cagiva-Superbike vorgesehen, das jedoch wegen der Querelen im Konzern in den vergangenen Jahren niemals Serienreife erlangte.Erstmals wurden nun technische Einzelheiten über die trocken nur 68 Kilogramm schwere Kraftquelle bekannt, die bereits 40 Millionen Mark an Entwicklungsgeldern verschlungen hat: Die Zylinderbohrung mißt 73,8, der Hub 43,8 Millimeter. Damit ist die MV nochmals deutlich kurzhubiger als die Suzuki GSX-R 750. Entsprechend bei noch höheren Drehzahlen erreicht der Motor seine Spitzenwerte: Die höchste Leistung von zirka 130 PS steht zwischen 12200 und 12300/min an, das Drehmomentmaximum liegt zwischen 8500 und 9000/min. Die vier Ventile (Durchmesser: Einlaß 29, Auslaß 25 Millimeter) pro Zylinder sind radial angeordnet und werden von schräg geschliffenen Nocken direkt betätigt. Über vier 46er Saugrohre werden die Zylinder von einer Einspritzanlage von Weber-Marelli versorgt, die Kraftübertragung übernimmt ein Sechsgang-Kassettengetriebe.Das Hinterrad nimmt eine Einarmschwinge à la 916 auf, und ähnlich eng wie bei der Ducati soll auch die Verkleidung um das angeblich kompakteste, stärkste und schnellste - 275 km/h im Serientrimm sind geplant - 750er Superbike geschneidert sein. Allerdings wird dieses nicht wie auf der Zeichnung nur in Rot, sondern traditionell in Rot/Silber lackiert sein. Genau so wie vor über 20 Jahren.
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