Neuheiten 2004: BMW R 1200 GS

New Generation

GS erwischt: Der MOTORRAD-Erlkönigjäger hat schon wieder zugeschlagen. BMW hat die Zeichen der Zeit erkannt und trimmt den Bestseller auf weniger Gewicht und verstärkte Offroad-Tauglichkeit.

Foto: Christa Lehmann Photo-Syndication
Neue GS-BMW: erste Bilder
Neue GS-BMW: erste Bilder
Langsam, aber sicher kommt Licht ins Dunkel, auch wenn sich BMW
in Schweigen hüllt. Obwohl der alte
Boxer unverändert die Zulassungsstatistik anführt, begnügten sich die Münchener nicht mit Retuschen, sondern machen mit ihrer neuen GS mächtig Dampf. Wie bereits in MOTORRAD 7/2003 gezeigt, bleibt’s beim bewährten Konzept des
luftgekühlten, optisch filigraner wirkenden Boxermotors, der mit deutlich über 90 PS aus 1200 cm3 Hubraum den Anschluss an die Konkurrenz wieder herstellt.
Komplett neu hingegen ist der Antrieb zum Hinterrad, bei dem die Kardanwelle in einem fülligen, aber dennoch eleganten Kastenprofil aus Aluminium verläuft. Als Einarmschwinge ausgebildet, hält BMW an einer Momentabstützung fest. Doch statt wie bislang durch eine tiefliegende Zugstrebe stützt sich die asymmetrisch angelenkte Kardanglocke nun über eine obenliegende Schubstange ab. Der Vorteil: mehr Bodenfreiheit und ein kom-
pakteres Erscheinungsbild des gesamten
Antriebstrangs, bei dem Hinterradnabe, Kardanantrieb und Bremsanlage auf einer rund 35 Millimeter großen, hohlgebohrten Achse gelagert sind.
Auffallend: das im Durchmesser extrem kleine Gehäuse des Kardanantriebs. Woraus sich schließen lässt, dass der langen Endübersetzung (Verhältnis von Kegelrad zum kleinen Tellerrad) ein Getriebe vorgeschaltet ist, das langsamer als bislang läuft. Der Vorteil: Langsam laufende Klauengetriebe lassen sich exakt und geräuscharm bedienen. Um dies zu erreichen, muss allerdings die Motordrehzahl vor dem Getriebe via
Vorgelegewelle, also einem Zahnradsatz, reduziert werden, was zwangsläufig ein komplett neues Getriebe erfordert. Womit die neue Boxer-Generation von immer wieder monierten Mängeln in der Schaltbarkeit hoffentlich endgültig geheilt ist.
Um für übermütige Geländeeinlagen gerüstet zu sein, stützen sich beim 2004er-Modell die am Getriebe verschraubten Schwingenlager zusätzlich an einem Dreiecksverbund aus Stahlrohren ab. Der Hilfsrahmen hat jedoch keine
weitere tragende Funktion, die über-
nimmt in bewährter Manier der Motorblock, in dem vorn die Telelever-Gabel sitzt. Der Dreiecks-Längslenker zwischen Motor und unterer Gabelbrücke ist keine Schweißkonstruktion aus Stahlblechen mehr, sondern zur Gewichtsersparnis als Aluguss- oder Schmiedeteil gefertigt.
Wie auf den Fotos unschwer zu erkennen ist, geht BMW zwei Wege. Back to the roots heißt es bei der Offroad-
Version mit Drahtspeichenrädern und grobstolligen Schlauchlosreifen, die auf Wunsch mit Fernscheinwerfern und solidem Gepäcksystem die Wüsten dieser Welt durchquert. Leichte Gussräder mit fünf Doppelspeichen und reinen Straßenreifen sollen dagegen dem Straßen-Boxer zu noch mehr Kurven-Performance verhelfen. Ein neues Gepäcksystem in Form eines festen Tankrucksacks, ähnlich wie bei der F 650 CS, wird für beide Typen als Zubehör angeboten.
Insgesamt macht die brandneue Boxer-Enduro einen wesentlich zierlicheren Eindruck, was nicht zuletzt den elegant aufgegliederten Flächen im Tankbereich und der dezenten Scheinwerferkonsole zu verdanken ist. Ob das Heck von einer Plastikschürze überzogen wird oder nackt in Erscheinung tritt, ist noch offen. Offen bleibt auch, ob der Serienstart der rund 230 Kilogramm leichten R 1200 GS tatsächlich schon im Frühjahr/Sommer 2004 zu erwarten ist.
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