Neuheiten von Kawasaki, Yamaha , Triumph und Ducati

Rund, erneuert

Kawasaki hat Geschichtsstunden genommen und zeigt Cruiser sowie Allrounder der ganz anderen Art. Andere setzen auf bewährte Strickmuster.

Die INTERMOT, Münchens neue Weltmesse für Motorräder, bringt wieder Schwung in die Modellpolitik der Motorradhersteller. Alle Produzenten frischen ihr Programm auf, die meisten Neuheiten hat MOTORRAD schon im Vorfeld präsentiert. Hier noch die Nachzügler von Kawasaki, Yamaha, Triumph und Ducati.
Kawasakis Image speiste sich bislang aus den supersportlichen, giftgrün lackierten Rennern vom Schlage einer ZX-6R oder ZX-9 R, letztere auch nach dem Erscheinen der Yamaha R1 das schnellste serienmäßige Supersportmotorrad der Welt. Mittlerweile hat sich der japanische Konzern, dessen Umsatz nur zu einem geringen Teil aus der Fertigung von Motorrädern herrührt, umbesonnen. Ab 1999 finden auch Zeitgenossen, die einen gemütlichen Fahrstil pflegen, durchaus einzigartige Kawasakis: die brandneuen Cruiser VN 800 und VN 1500 Drifter (MOTORRAD konnte in Heft 18/1998 bereits einen Prototypen zeigen). Beide Dickschiffe frönen dem American way of life und haben es endlich geschafft, sich rein äußerlich von Harley-Davidson zu distanzieren. Technisch waren Kawa-Cruiser den Ami-Eisen schon lange überlegen. Insider erkennen natürlich auf den ersten Blick, daß auch diese Stahlrösser nicht ohne amerikanische Vorbilder auskommen. Indians Big Chief nämlich, die trug schon vor rund 50 Jahren ebenfalls weit über die Speichenräder gezogene Schutzbleche. Na, sagen wir ruhig Kotflügel. Neu hingegen, daß der hintere mitfedert.
Aus technischer Sicht sei lobend erwähnt, daß zumindest der Motor der 1500er Drifter, übrigens identisch mit jenem der bekannten VN 15 Classic, seinen Betriebsstoff aus einer elektronischen Einspritzung bezieht und deshalb ein geregelter Katalysator installiert werden konnte. Während in der VN 1500 Drifter hinten zwei Einzelfederbeine stecken, arbeitet in der 800er - wie schon bei der VN 800 - eine zentral gefederte Dreiecksschwinge, die bei oberflächlicher Betrachtung wie ein Starrahmen ausschaut. Unverständlicherweise verzichtete Kawasaki beim kleinen Modell auf Abgasreinigung per Einspritzung und G-Kat. Die Preise der Drifter sollen um 22000 Mark für die Große und zirka 16000 Mark für die Kleine liegen.
Also gut, die Cruiser-Fraktion wäre bedient. Aber auch die europäisch geprägten Fahrensleute haben so ihre Traditionen, und deshalb besann sich Kawasaki eines längst bewährten Musters. Wie in den Anfängen der japanischen Motorradindustrie ersannen die Designer ein urbritisches Styling, und die Motoren-Ingenieure steuerten einen hoch aufragenden Twin bei. Fertig. Von wegen fertig: Als erste Gerüchte über ein Zweizylinder-Straßenmotorrad im Retro-Stil durch die Szene wehten, haben alle befürchtet, Kawa würde den schüttelnden Twin aus der Z 750 reaktivieren. Nichts da, denn das prosaisch W 650 getaufte Schnuckelchen läßt sich von einem echten Schmuckstück antreiben: echter Parallel-Twin mit 676 cm³ Hubraum, Luftkühlung, je vier Ventile und - nun kommt der Clou - via Königswelle betätigter Nockenwelle. Die Leistung stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest, allerdings dürfte bei einem luftgekühlten 650er wohl mit 50 PS zu rechnen sein. Reicht ja auch, und bleibt nur zu hoffen, daß der Preis dann ebenso moderat ausfällt. Der steht nämlich derzeit noch nicht fest.
Dafür aber bei dem Muscle Bike ZR-7. Der unverkleidete Vierzylinder-Allrounder soll unter 12600 Mark kosten und trägt den leicht modifizierten Motor der Zephyr 750. Optisch aber folgt er eher dem Styling-Konzept von Suzukis Inazuma oder der großen ZRX 1100 aus dem eigenen Haus.
Yamaha hat mit der R6 (siehe MOTORRAD 18/1998) den Hammer ja schon rausgelassen. Von den restlichen drei Neuheiten präsentieren sich nur zwei auf der INTERMOT. Erstens: der Cruiser XVS 1100 Drag Star, dessen Triebwerk im wesentlichen aus der XV 1100 Virago stammt, das heißt 1063 luftgekühlte Kubikzentimeter auf zwei im Winkel von 75 Grad zueinander stehende Zylinder verteilt. Dieser Motor leistet 64 PS bei 5800 Umdrehungen pro Minute, zwei PS mehr als seinerzeit in der Virago. Auch Yamaha verschreibt sich im Chopper-Segment mehr und mehr der nostalgischen Linie. Pflicht in diesem Sinne: eine verdeckte Monofederung, die einen Starrrahmen suggeriert.
Zweitens: Die Superbiker warten dringend auf ein zeitgemäßes und siegfähiges Basismotorrad. Sie sollen es haben: Es heißt R 7, wird in limitierter Auflage von wenigen hundert Stück gebaut und dürfte über 30000 Mark kosten. Die Technik stimmt wohl weitgehend mit jener der R1 überein, ist im Detail aber noch feiner ausgelegt. Leistungs- und Gewichtsangaben folgen noch. Nicht mit nach München darf ein großer V4-Cruiser, der sein Debut aber bereits in wenigen Wochen gibt und letztlich wohl eine noch hubraumgewaltigere Version der XVZ 1300 Royal Star sein dürfte. Man munkelt von 1500 cm³.
Schnell ist aufgezählt, was die kleinen, aber feinen Werke Ducati und Triumph auf der Pfanne haben. Ducati offeriert außer der bereits vorgestellten ST 4 eine halbverkleidete Version der 900 Supersport und peppt das Aushängeschild 916 zu einer 996 auf, was bedeutet, daß nun 112 PS zur Verfügung stehen. Ansonsten war noch zu erfahren, daß die 996 zwei Einspritzdüsen pro Zylinder bekommt, die gefrästen Bremszangen der 900er ebenso wie eine Radialhandpumpe und halbschwimmende 300er Scheiben vorn. Der Supersportler soll unter 30000 Mark kosten und noch in diesem Jahr lieferbar sein.
Mächtig Dampf macht Triumph, und die Briten sind kräftig zu loben, weil sie gleich zwei Modelle mit G-Kat auszurüsten. Neu im britischen Stall ist neben der Tiger 900, die bereits im vorigen Heft vorgestellt wurde, die Sprint ST, deren wassergekühlter, 885 cm³ großer Dreizylinder aus der Speed Triple stammt, jetzt aber über besagten G-Kat verfügt. Das 105 PS leistende Triebwerk macht die Sprint im Zusammenwirken mit einem brandneuen Alu-Brückenrahmen aus zwei mächtigen tragenden Profilen sowie Einarmschwinge hinten zur direkten Konkurrentin der Honda VFR. Mal schauen, wie`s die Kunden aufnehmen. Sukzessive sollen bald auch alle anderen Triumph-Modelle mit G-Kats ausgerüstet werden, derzeit verfügen die meisten Typen über ungeregelte Kats. Ein Anfang ist jedenfalls gemacht.
Ganz zum Schluß noch ein Nachtrag: Wie auch Suzuki Deutschland erst kurz vor der INTERMOT erfuhr, wird die GSX 1300 R zwar wie angekündigt einen Kat tragen, aber leider keinen geregelten. Sekundärluftsystem plus ungeregelter Kat heißt die Formel für den neuen Überflieger. Und das trotz Einspritzung.
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