Porträt Falk W. Müller (Archivversion)

Young, Biker, Professional

Youngbiker.de ist die größte Info- und Kommunikationsplattform für junge Motorradfahrer im Internet. Falk W. Müller ist einer der Macher der erfolgreichen Seiten.

Falk W. Müller schaut verliebt auf den hübschen Popo einer Harley V-Rod. Gerade bestellt. Listenpreis 21230 Euro – und das Hinterteil ist viel schöner als das des Volvo S 80, den er meist nur geschäftlich nutzt. Eine V-Rod hatte er bereits, aber ein besoffener Autofahrer nahm ihm die Vorfahrt, zertrümmerte das Motorrad und fast das ganze rechte Bein. Nach wochenlangem Krankenbett ist es nun an der Zeit, sich etwas zu gönnen. Nein, mit Geld könne man nicht alles kaufen, schon gar nicht Zufriedenheit im Leben, sinniert er. Aber der Ami-Powercruiser ist sein Traumbike, und solange Träume bezahlbar sind...In den letzten Jahren kamen die schönen Dinge im Leben zu kurz, stellt er fest. Kaum Zeit zum Durchatmen, nur arbeiten, arbeiten, arbeiten. Bedacht nippt er an seinem Bierglas. Rückblick: 1997, mit 14 die Selbständigkeit, IT-Branche. Das Internet boomte – Falk unter Dauerbeschuss von neuen Aufträgen. Sein erster Kunde? Keine Erinnerung mehr, zu viel passiert in der Zwischenzeit. Irgendein Spediteur oder so, der technische Betreuung für seine Website benötigte. Freizeit? In dieser Phase ein Fremdwort für ihn. Zwei Jahre später die Pleite und ein Batzen Schulden. Ein Anwalt, der die fünfstellige Summe auf ein erträgliches Maß herunterschraubte. Dann Handlangerjobs wie Zeitungen austragen oder in der Drogerie Waren einräumen – viel Maloche, geringe Bezahlung. »Im dritten Quartal 2000 ging’s schließlich wieder aufwärts, als ich als Programmierer arbeiten konnte«, erzählt Falk. Falk W. Müller, Jahrgang 1983, wohl erzogenes, aber nicht verwöhntes Mittelschichtkind, blickt auf 83 Quartale Lebenszeit zurück. Er studiert Jura im dritten Semester, hat seit kurzem eine Freundin, verdient weiterhin sein Geld mit Programmierarbeiten und ist ein ganz gewöhnlicher junger Mann. So gewöhnlich wie das »W.«, das er zwischen Vor- und Nachnamen setzt. »So unterschreibe ich, seit ich schreiben kann. Für mich ganz normal, mir gefiel das als Kind, und so ist’s bis heute geblieben«, erklärt er schulterzuckend. »W wie Wolfram, mein zweiter Vorname.« Also kein wichtigtuerischer Jungliterat und auch kein schnöseliger Yuppie, der mit einem »Double-U-point« in seiner Unterschrift Aufmerksamkeit erheischen will – ganz normal sei er, beteuert Falk W. Müller. Das stimmt. Nur wie ein 20-Jähriger wirkt er nicht. Dafür ist er zu selbstsicher, abgeklärt, souverän, eloquent – wie ein Manager in einem erfolgreichen Unternehmen. In ein solches könnte er sich nach dem Abschluss seines Studiums vorstellen einzusteigen. »Gerne möchte ich später im IT-Management für ein skandinavisches Unternehmen arbeiten. Oder als Anwalt. War damals bei der Pleitegeschichte schon krass, was die gegnerische Partei von mir, einem nicht voll geschäftsfähigen Jungen, alles herausholen wollte. Ohne meinen Anwalt stünde ich heute doof da. Da dachte ich, das ist ein guter Beruf.« Aber so weit denke er gar nicht bei seiner Zukunftsplanung, behauptet der Student und streicht sich durchs schulterlange Haar. Sind ja auch noch etwa 16 bis 20 Quartale bis dahin. »Mich interessiert nur das Hier und Jetzt. Ich habe jahrelang mit zu viel Tempo gelebt.« Ganz anders sein Leben mit dem Motorrad. Hier findet er die Ruhe, die er sonst oft vermisst. Hier wird er zum 20-Jährigen, dem man seine Jugendlichkeit abnimmt. Begeisterung in den Augen, wenn er den Sound seiner neuen Auspuffanlage vorführt. Kindliche Freude, als er von seinem Ausflug auf die Rennstrecke erzählt. Und unter dem Pseudonym »fwmone« ist er im Forum von Youngbiker.de, der größten Internet-Plattform für junge Motorradfahrer, regelmäßig anzutreffen. Plaudert dort mit 125er-Fahrern, Rollerfreaks und anderen Zweiradeinsteigern und -enthusiasten. Was nicht weiter verwundert, denn seine Zeit als Fahrer eines frisierten Mofas und eines – ebenfalls frisierten – 50er-Rollers liegt nicht so lange zurück. Außerdem betreut Falk die technische Seite der populären Website. Hochprofessionell – und unentgeltlich.»Motorrad ist mein Hobby, seit ich 15 bin. Motorrad ist auch das einzige Hobby, was mich jemals richtig interessiert hat. Sport oder Musik machten mich nicht besonders an, und die Beschäftigung mit dem Computer wurde bei mir ja schon im Alter von 14 Jahren zur gewerblichen Arbeit. So soll das mit dem Motorrad nicht ausarten. Schließlich muss man nicht aus allem Geld schlagen«, stellt Falk W. Müller fest. Warum gerade das Zweirad? »Ganz einfach«, erklärt er und nimmt vom Kellner das Entrecote mit Pfifferlingen derart geübt entgegen, als esse er dreimal täglich im Restaurant, »Leben ist nur lebenswert, wenn irgendein Spaßfaktor da ist. Und für mich ist der größte Spaßfaktor das Motorradfahren. Wenn ich mich nach Stunden hinter dem Bildschirm auf die Harley schwinge und die Felder und Bäume vorbeifliegen, dann spüre ich, dass ich lebe.“
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