Präsentation Ducati Desmosedici

Feinmechanik

Hinter der Verkleidung der neuen Ducati Desmosedici verbirgt sich aufwendige Feinmechanik: Der Motor des MotoGP-Prototyp verkraftet dank Desmodromik 18000/min.

Neun Fahrer- und zehn Konstrukteurstitel hat Ducati in der Superbike-WM eingesammelt. Mit der feierlichen Enthüllung der neuen »Desmosedici« in Mugello ging der Vorhang auf zu einem noch kühneren Projekt: die Japaner auch in der MotoGP-Serie das Fürchten zu lehren.
Dass Ducati in der neuen Viertakt-WM mehr als nur Achtungserfolge erzielen will, zeigt sich schon am imponierenden Zahlenwerk. 30 Millionen Euro werden als Renn-Gesamtbudget für 2003 bereit gestellt. 100 Personen, fast zehn Prozent der Gesamtbelegschaft, arbeiten in der Rennabteilung. 50000 Stunden Designarbeit wurden bereits an den 24 Work-Stations der CAD-Abteilung erledigt, 150000 werden es bis zum Saisonstart 2003 sein. 20000 Test-Kilometer stehen auf dem Programm, 1000 Stunden auf den Prüfständen, insgesamt 120 Stunden im Windkanal.
Doch der wohl beeindruckendste Rekordwert sind die 18000/min, die der 90-Grad-V4 dank desmodromischer Ventilsteuerung aushält. Ein elektrisch betriebener Versuchsmotor lief mit der Desmodromik der Desmosedici bereits über fünf Stunden hinweg störungsfrei bei Höchstdrehzahl. »Mit klassischen Ventilfedern ist es schwierig, Kräfte über 1200 Newton zu realisieren. Die Pneumatikunterstützung verschiebt diese Grenze bis 2000 Newton. Unsere Desmodromik ist auf diesem Niveau«, erklärt Ducati-Renndirektor Claudio Domenicali.
Das zweite ureigene Ducati-Prinzip des großvolumigen Zweizylinder-Motors wurde dagegen über Bord geworfen. 190 PS leistet das Ducati-Testastretta-Superbike, 210 PS sieht Domenicali bei einem reinrassigen Zweizylinder-Prototyp als »absolutes Maximum«– zu wenig, um gegen die mindestens 220 PS von Honda zu bestehen.
Ein schmal bauender Vierzylinder in L-Form mit dem von Ducati »Twin Pulse« genannten Zündprinzip, bei dem die beiden Zylinderpaare jeweils zum gleichen Zeitpunkt zünden, hat jedoch das nötige Potenzial und ließ sich als Neuinterpretation der alten Motorenpilosophie in die Firmengeschichte einbetten.
Dass die Desmosedici trotz des L-Motors und trotz des gewohnten Gitterrohrrahmens aus Stahl weniger aggressiv wirkt als das Superbike, liegt an der neuen Aerodynamik, die mit dem Formel 1-Aerodynamik-Experten Alan Jenkins entwickelt wurde und die sich vor den ersten Renneinsätzen sicher noch ändern wird. Wer jene bestreiten soll, ist noch unklar. Einer der Kandidaten ist Superbike-Weltmeister Troy Bayliss.
Für Altmeister Kenny Roberts ist der Ducati-Einstieg in die MotoGP-WM ein Segen: »Ducati wird die allerbesten Leute auf dieses Projekt ansetzen und den Japanern zeigen, was eine Harke ist. Bei den MotoGP werden sie noch leichteres Spiel als in der Superbike-WM haben, weil sie nicht so viele Maschinen für die Homologation herstellen müssen.« Kawasaki-Teamchef Harald Eckl meint: »Ducati wird sicher von Anfang an vorn dabei sein. Dort weiß man, wie man Rennsport macht. Dass sich auch Ducati nach gründlichen Untersuchungen für vier Zylinder entschieden hat, bestätigt:Wir sind mit unserem Vierzylinder auf dem richtigen Weg.“
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