Präsentation Hollister’s Phantom

Phantoms blonde Bräute

Steigt Katja P. auf Chopperhaftes um? Heißt das Moped, das Mädels orgiastisch umtanzen, Goldenes Kalb? Liegt Jurassic Park neuerdings im Schwarzwald? Und überhaupt: Was soll das alles?

Während der schöne Harry vom DSF blitzsaubere Interviews einsackt und die Damenwelt mit seinem zwischen Piratenlook und Raver-Style changierenden Bärtchen entzückt, starrt Volker Sichler tief und herrlich vor sich hin und auf den roten Teppich in Rottweils altem E-Werk. Den hat er sich selbst gelegt, um mit einer Megaparty die Geburt eines Babys zu feiern, das da heißt Phantom. Der Chef der Custom-Schmiede Hollister’s hatte nicht mehr und nicht weniger vor, als »das abgefahrenste Bike der Erde zu bauen. Ich will der Welt zeigen, wie heute ein vollkommenes Custom Bike aussehen kann«. Darf’s noch etwas mehr sein? Klaro. Denn der Werbetexter, dessen Dienste sich Sichler, ein eher zurückhaltender, bescheidener Typ, bediente, kannte kein Erbarmen: Die Phantom »stellt den Geist der Epoche, einen ungebändigten, emotionalen Lifestyle auf zwei Räder«.
Solch Geschwafel verdeckt die eigentliche Sensation: dass Sichler es hingekriegt hat, ein Netzwerk aus grundsoliden schwäbischen Klein- und Mittelbetrieben zu knüpfen, die ihn mit allem alimentieren, was ein Customizer halt so braucht, um seiner Leidenschaft zu frönen: aus dem Vollen geschnitzte Alufelgen, abenteuerliche Tankkonstruktionen und Rahmen, die Mordsgewichte verkraften können. Um die 20 Maschinen vertickert Sichler jährlich an eine Klientel, der Harley zu popelig, weil zu oft vorkommt, zu Preisen zwischen 20 000 und 60 000 Euro.
Und jetzt also die Phantom. Die Idee hat er gestiftet, realisiert hat sie Mike, ein designender Schwabe in Berlin. Schmutzig und edel sollte sie sein, die Phantom, animalisch und gebändigt zugleich, mit den Zacken der Sauriere aus Jurassic Park, ansonsten aber ohne Ecken und Kanten. Ein 400-Kilo-Moped, das kein Mensch braucht, aber gerade das ist das Schöne daran. Zumal es, TÜV-gesegnet, allen Ernstes fährt.
Auf der Geburtstagsparty in Rottweil langweilt Mike sich weltmännisch unter 1000 mehr oder weniger geladenen Gästen, fast alle samstagabendlich schick gemacht. Kein Bikermeeting, eher Ringelpietz in der Provinz. Rock’n’Roll-Weltmeister hopsen auf der Bühne rum, die Mädels von Undercover-Erotik zeigen erst Nabel, dann mehr, schmachten Mopeds von Hollister’s an.
Ein Zyniker am Bierstand meint: »Der Volker könnte ’ne simple Sporty auf die Bühnen stellen, das Volk würde dennoch jubeln.« Und wie’s tobt, geradezu ausrastet, als die Phantom in herrlich kitschiger Inszenierung - Thema: Vulkan, das Eruptive - das Licht der Motorradwelt erblickt. Einer schreit »Abartig!«, subito raunen’s alle, bis »Brutal!« diesen common sense unterminiert. Da ist es an der Zeit, dass Ehrengästin Katja Poensgen das Monsterbike besteigt. »Eine Ehre, die Erste zu sein«, verlautbart sie professionell freundlich, nicht ahnend, dass hinter ihr Hollister’s Homepage flimmert an der Wand. Just zu sehen: Blondine, nackt an Phantom.
Sichler strahlt vor Glück, fliegt einen Tag später samt Phantom zur Bike Week nach Daytona, räumt bei Motorrad-Prämierungen zwei glorreiche erste Preise ab. Schwaben sind eben doch die besseren Amerikaner.
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