Roll-out Münch Mammut 2000

Und sie bewegt sich doch

Nicht zwangsläufig sind Motorräder, deren Erscheinen mit Glanz und Gloria angekündigt wurde, auch jemals gefahren. Anders die Münch Mammut 2000.

Als sich am 6. April auf der Würzburger Festung im Rahmen der Präsentation der Vorhang hob, begann ein neues Kapitel Münch-Motorradgeschichte. Rund 25 Jahre war es stillgewesen um Friedel Münch, den Erbauer des gewaltigsten Motorrads der 70er Jahre. Nun reklamierte die Münch Mammut 2000 wie die damalige Kreation des Hessen wieder mehrere Superlative für sich. 260 PS Leistung und 295 Nm Drehmoment, so die beeindruckenden Zahlen. Doch schnell traten die Skeptiker auf den Plan, die orakelten, dieses Motorrad würde sich wie andere Beispiele aus der Vergangenheit die Reifen platt stehen und schnell in Vergessenheit geraten. Jetzt können die Pessimisten aufatmen: Thomas Petsch, Chef der Firma Münch Motorrad Technik und Initiator des Projekts, lud MOTORRAD zum Roll-out.
Entsprechend gespannt harren die Redakteure den ersten Lebensäußerungen des Zweiliter-Turbomotors. Willig nimmt das Triebwerk nach dem Druck auf den Anlasserknopf seine Arbeit auf und brabbelt nach kurzer Warmlaufphase sonor vor sich hin. Irgendwie kommt einem der Sound bekannt vor, und plötzlich erinnern wir uns an Formel-3-Monopostos, die im Leerlauf exakt diese Tonlage anschlagen. Auch als Thomas Petsch und die Münch sich auf kleinen Landstraßen in der Umgebung von Würzburg in Bewegung setzen, bleibt der Klang markant, aber unaufdringlich. Erstaunlich bei dem geringen Schalldämpfervolumen. Ansaug- und Auspuffgeräusch klingen zwar sonor-kernig, dank des niedrigen Drehzahlniveaus jedoch nie nervend.
Eine Weile dreht der Chef seine Runden, ohne allerdings jemals sämtliche Pferde zu mobilisieren. Die sind laut Prüfstand beim ersten Versuchsträger mit weit über 300 PS in großer Zahl versammelt. Schärfere Nockenwellen, als die geplante Kleinserie von 250 Stück erhält, entlocken dem Triebwerk zusätzliche PS. Denn, so hoffen die Techniker, wenn die Kraftübertragung in der Erprobungsphase die zusätzliche Leistung klaglos verkraftet, liegt die Serie auf der sicheren Seite.
Dass bei den ersten Prototypen noch nicht alles glatt läuft, ist klar. So setzen zum Beispiel bereits bei moderater Schräglage die unter dem Motor liegenden Federbeine auf. Deren Position muss zuallererst vor vielen weiteren Detailänderungen modifiziert werden. Doch dazu ist eine erheblich schmälere Ölwanne notwendig, das bedeutet neue Gussformen, Änderungen am Rahmen, neue Kosten. Trotzdem wirkt Thomas Petsch nach seiner ersten Fahrt erleichtert, sind doch keine gravierenden Probleme aufgetreten.
Jetzt geht die Fahrerprobung mit Nummer 1 und zwei weiteren aufgebauten Prototypen in die heiße Phase. Nach dem Chef sind nun die Testfahrer an der Reihe, die in den nächsten Monaten häufig unterwegs sein dürften, sollen doch die ersten Münch zwar später als ursprünglich angekündigt, aber noch in diesem Jahr an die Kundschaft gehen. Die hat übrigens auch schon Änderungswünsche parat. So haben die Ehefrauen einiger zukünftiger Besitzer bereits eine zweisitzige Variante eingefordert.
Bevor die gebaut wird, wird’s wohl noch eine Weile dauern. Dafür hat die Firma Münch bereits die ferne Zukunft geplant. Im Gegensatz zu seinem vierbeinigen Urahn soll das Mammut auf zwei Rädern unsterblich sein. Deshalb erhält jeder Besitzer nach zehn Jahren ein kleine Kassette mit Mikrofilmen sämtlicher Konstruktionszeichnungen, damit Spezialisten auch in 50 Jahren noch Ersatzteile nachfertigen können.
Zurück zur Gegenwart, und da hat die Münch fürs erste zumindest bewiesen, was zu beweisen war: Und sie bewegt sich doch. MOTORRAD wird in Kürze Gelegenheit haben, die Mammut 2000 exklusiv Probe zu fahren.
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