Sauber-Petronas-GP1-Motor

Drillinge an Bord

Mit einem Dreizylinder-Reihenmotor wird die Formel 1-Schmiede Sauber-Petronas im nächsten Jahr die neue GP1-WM bereichern. Der Triple wurde in der Schweiz von einem japanischen Techniker entwickelt.

Neben den bekannten japanischen und europäischen Motorradherstellern nimmt auch ein »Außenseiter« die Herausforderung der neuen GP1-WM an, in der ab 2002 großvolumige Viertakt-Prototypen erlaubt sind. Sauber Petronas Engineering (SPE), ein Joint-Venture-Unternehmen aus dem Schweizer Formel 1-Rennstall von Peter Sauber (60 Prozent) und dem malaysischen Ölkonzern Petronas (40 Prozent), hat einen Reihendreizylinder gebaut.
Dass ein erfolgreiches Team aus der Königsklasse des Autosports ein solches Konzept für die Champions League der Zweiradszene entwickelt, liegt auf der Hand. Der Einzelhubraum der Zehnzylinder-Formel 1-Kraftpakete beträgt 300 cm3. Drei Einheiten davon ergeben bei zehnprozentiger Erhöhung des Hubs jene 990 cm3, die in der GP1-WM maximal erlaubt sind. Neben der bereits vorhandenen technischen Basis sprachen laut SPE-Entwicklungschef Osamu Goto aber auch umfangreiche Berechnungen und Simulationen am Computer klar für die Triple-Lösung. Bei der Bewertung entscheidender Faktoren wie Motorleistung, Motorgewicht, Motorgröße, Reifenverschleiß, Beschleunigung, Vibrationen, Spritverbrauch und Kosten sahen der japanische Sauber-Konstrukteur und seine Mannen den Dreizylinder im Vorteil gegenüber den Konzepten der Konkurrenz.
Die SPE-Techniker haben den Triple mit anderen GP1-Lösungen wie Reihenvierzylinder und V4 sowie den Daten eines 500er-Zweitakters und eines V2-Superbikemotors verglichen. Der außergewöhnlichste Vertreter der neuen GP1-Generation, Hondas V5-Viertakter, fand im Sauber-Denkprozess keine Berücksichtigung. Als sich die in Hinwil bei Zürich ansässige Firma im Januar 2000 endgültig auf den Dreier festlegte, war vom Fünfer aus Japan noch nichts Genaues bekannt.
Der Vierventil-Triple aus der Schweiz misst exakt 989 cm3, hat elektronische Einspritzung, zwei obenliegende, von Zahnrädern angetriebene Nockenwellen, Nasssumpfschmierung und eine Drei-in-eins-Auspuffanlage. SPE kann den Motor sowohl mit konventioneller als auch mit der in der Formel 1 üblichen pneumatischen Ventilsteuerung ausstatten.
Das 50 Kilogramm schwere Aggregat befindet sich jetzt in der zweiten Entwicklungsstufe, ist kompakter als der erste Prototyp und leistet etwa 200 PS. »Maximal sind 250 PS möglich«, erklärt PSE-Manager Paul Fricker. Rund 750 PS, rechnet der Brite vor, produziert der von Ferrari stammende Petronas-Formel 1-Motor aus drei Litern Hubraum. Der ein Drittel so große Motorradmotor könne folglich ein Drittel dieser Power mobilisieren.
Soweit die Theorie. Ob das SPE-Entwicklungsteam mit seinem Konzept richtig liegt, ob die Leistungsentfaltung und das Drehzahlband des Motors den Bedürfnissen des Motorradsports entsprechen, muss sich nun auf der Rennstrecke zeigen. Inzwischen wurde ein für den Triple passendes Chassis gebaut, und das erste öffentliche Roll-out der Sauber-Petronas-Rennmaschine erleben die Fans im Rahmenprogramm des Grand Prix Malaysia Ende Oktober. Bis zur Rennpremiere des SPE-Motors in der GP1-WM muss sich die Szene allerdings noch bis zum Sommer 2002 gedulden. Wahrscheinlich wird der Motor zunächst vom zur Zeit in der 250er-WM aktiven Petronas-Team eingesetzt.
Natürlich ist SPE auch auf der Suche nach privaten Teams oder kleineren europäischen Herstellern, die das Triebwerk kaufen. »Die Entwicklung des Motors ist nicht in erster Linie aus Leidenschaft für den Motorradsport, sondern aus wirtschaftlichen Gründen gestartet worden«, erklärt der deutsche SPE-Techniker Thomas Walter die Philosophie des GP1-Konzepts. Was der Spaß kostet? Zwischen sechs und zehn Millionen Mark werden die Kunden inklusive Motorrevision pro Saison investieren müssen, wenn sie ein Zwei-Mann-Team mit dem Dreizylinder-Viertakter ausrüsten wollen. Wahrlich kein Pappenstiel – aber zum Billigtarif wird es auch keine anderen Hightech-Viertakter für die GP1-WM geben.


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