Supersport 600-WM: die Maschinen (Archivversion)

Super Sechs

Großangriff in der neuen Supersport 600-WM. Jeder Hersteller versorgt mindestens ein Team mit mehr oder weniger direkter Werksunterstützung.

Im zivilen Leben, auf den Verkaufshitlisten, haben die 600 cm³-Supersport-Motorräder längst ihre größeren Superbike-Schwestern abgehängt. Nicht ganz unlogisch tritt diese Kategorie jetzt auch ins Rampenlicht in der feinen Welt der Rennstrecken. Die Supersport 600-Weltserie wuchs zur Weltmeisterschaft. Alle bedeutenden Hersteller engagieren sich werksseitig, Honda und Yamaha mit brandneuen Maschinen.Quasi als Titelverteidiger präsentiert sich Suzuki. Das belgisch-italienische Corona-Extra-Alstare-Team holte 1998 mit Fabrizio Pirovano und Stéphane Chambon die Gesamtränge eins und drei. Auch in der ersten WM-Saison gehören die blau-gelben Werks-Suzuki zu den Top-Favoriten. 128 PS bei 14000/min leistet der Reihenvierzylinder nach offiziellen Angaben, 18 PS mehr als in der Straßenversion, die nach dem strengen, seriennahen Supersport-Reglement hauptsächlich durch feinste Abstimmungsarbeit gefunden werden können.Bearbeitung des Zylinderkopfes, Nockenwellen mit schärferen Steuerzeiten, vielleicht noch eine feingewuchtete Kurbelwelle, dazu ein speziell abgestimmter Auspuff, derzeit möglichst vom slowenischen Spezialisten Akrapovic - die Möglichkeiten sind so beschränkt wie bekannt. Daher unterscheiden sich die Tuning-Maßnahmen der verschiedenen Hersteller selbst bei den Werksmaschinen nur sehr wenig. Auch die Motorcharakteristika der japanischen 600er Renner gleichen sich:. Reihenvierzylinder mit Vierventilköpfen.Dennoch hat die neue Yamaha R6 eine Sonderstellung. Das eng mit dem ebenfalls neuen Superbike R7 verwandte Motorrad zeigt die extremsten Lösungen. Fahrwerksgeometrie, Gewichtsverteilung, Sitzposition - all dies kommt schon im Serienzustand einer echten Rennmaschine nahe; dazu der neukonstruierte Motor, der klaglos Drehzahlen bis zu 15500/min verträgt. Die Leistungsangabe lautet etwas unpräzise: »Zehn PS mehr als Serie.« Offenbar aber genug, um auch als Neuling problemlos an der WM-Spitze mitzuhalten. Das Yamaha-Deutschland-Duo Jörg Teuchert und Christian Kellner wurde beim Saisonstart in Kyalami Dritter und Vierter. Im Gegensatz zu ihren feindlichen Brüdern in den Teams von Yamaha Niederlande (Michelin, Öhlins) und Belgarda-Yamaha Italia (Pirelli, Öhlins) sind die derzeit erfolgreichsten R6 auf Dunlop-Reifen und mit Techno Flex-Federelementen unterwegs.Noch nicht ganz ihr volles Potential zeigte bisher die neue Honda CBR 600 F. Die dünne Luft im 1600 Meter hoch gelegenen Kyalami sorgte in der voluminösen Airbox für größere Beatmungsprobleme. Die Honda-Crew war allerdings nicht extrem beunruhigt. Unter Normalbedingungen sollten die 128 PS bei 14800/min in dem extremen Kurzhubmotor (42,2 Millimeter) vollzählig zur Verfügung stehen. Und vom überaus steifen Rahmen, der sich eng um den Motor legt und über ein fast liegendes Öhlins-Federbein verfügt, verspricht sich das Castrol-Honda-Team den letzten Kick zum überlegenen Fahrverhalten, das die Werksfahrer Pere Riba aus Spanien und den Briten James Toseland beflügeln soll.Ebenfalls besser denn je, nämlich als Sieger, zeigte sich die offizielle Kawasaki ZX-6R beim Supersport-WM-Auftakt. Der Schotte Iain MacPherson fuhr sein erstes Rennen für das Kawasaki Racing Team von Harald Eckl und gewann vorsichtshalber gleich. Wie beim Superbike ZX-7RR zeigt sich Kawasaki bei der 600er mit der Leistungsangabe zurückhaltend: Mehr als 120 PS bei 14200/min geben die Grünen nicht zu. Tatsächlich aber ist die von dem Österreicher Martin Gopp vorbereitete Maschine immer unter den schnellsten. Und auch das Kawasaki-Fahrwerk birgt keine größeren Geheimnisse. Vorn arbeitet wie bei allen Supersport-Rennern reglementsgemäß eine modifizierte Seriengabel. Denn nur die Innereien dürfen überarbeitet werden. Und hinten bewährte Öhlins-Technik. Festigkeitsprobleme am Rahmen, die zu Beginn der ZX-6R-Rennkarriere 1997 aufgetreten waren, sind längst mit zusätzlichen Versteifungen behoben. Die Kawa gilt inzwischen sogar als äußerst stabiles und dennoch sehr handliches Supersport-Motorrad.Für technische Abwechslung im ansonsten eher äußerlich sehr bunten Supersport-WM-Feld sorgt die Ducati 748 SPS. Wie auch in der Superbike-Klasse dürfen die Twins aus Bologna mit einem Hubraum-Vorteil gegen die japanische Viererbande antreten. Die erlaubten 750 statt 600 cm³ aber bringen den Ducatisti, angeführt von Paolo Casoli im offiziellen Ducati Performance Team, nicht die brutale Überlegenheit wie bei dem Superbikes.Der einzige Einspritz-Motor im Feld hat als großvolumiger 90-Grad-V2 zwar dieselben konzeptionellen Vorteile gegenüber den kleineren Vierzylindern wie die große Bruder im Superbike. In der Praxis aber steht das strenge seriennahe Regelwerk der Umsetzung entgegen. Die vorgeschriebenen Kolben und Pleuel setzen den Technikern enge Belastungsgrenzen, wenn es darum geht, das theoretisch mögliche Plus an Drehmoment und Beschleunigung auch auf die Piste zu bringen. Dazu kommt, daß die ebenfalls rund 120 PS starke Ducati 748 in den Fahrwerks-Dimensionen mit der 996 weitgehend identisch ist, also nicht gerade ein Beispiel für überdurchschnittliche Handlichkeit. So haben die Öhlins-Fahrwerkstechniker hier ebenfalls Größeres zu leisten, damit die Supersport-Duc mit den 600er auch in den Ecken mithalten kann.
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