Suzuki-Neuheiten (Archivversion)

Haute couture

In Paris schickt Suzuki mit der GSX-R und der DR-Z 400 keinesfalls Stangenware auf den Laufsteg, sondern leichte und starke Exklusiv-Modelle. Garniert von eine Bandit in neuen Kleidern.

Verkehrte Welt in den internationalen Modezentren: Statt langbeiniger Schönheiten steht in Mailand und Paris hochkarätiger Maschinenbau im Mittelpunkt. Für Suzuki das richtige Umfeld, um die Neuheiten fürs kommende Jahrtausend zu präsentieren, denn sowohl die GSX-R als auch die DR-Z - die ursprünglich als DRX angekündigt war - sind extreme Motorräder für einen kleinen, aber feinen Kundenkreis.Beispiel GSX-R: Der Evergreen war einmal einer der Bestseller. Das neue Modell sieht Suzuki dagegen eher als ein reinrassiges Sportmotorrad für Leute, »die damit umgehen können«. Eine Einschätzung, die auch der Blick auf die technischen Daten nahelegt. Da stehen zunächst einmal 166 Kilogramm Trockengewicht. Das liegt unter jener Marke, die Yamahas R6 zum leichtesten aller 600er-Sportler machte. Ein Wert, mit dem die fahrfertige 750er 200 Kilogramm ganz locker unterbietet. Erreicht wurde das mit Materialeinsparungen an nahezu allen Bauteilen. Satte fünf Kilogramm ist der neue, kompaktere Motor leichter, dafür aber mit 140 PS deren fünf stärker als das alte Triebwerk. Acht Kilogramm wurden in der Pheripherie weggefeilt. Geradezu sensationell muten dabei die offensichtlichsten Fahrwerksänderungen an. Suzuki, kehrt zum »schmalen« 180er-Hinterradreifen auf einer 5,5-Zoll-Felge zurück. Und zu Vierkolbenzangen anstelle der Sechskolbenbeißer. Leichter ist das. Auch gehen die Räder, die sich in der Vergangenheit von Modelljahr zu Modelljahr immer näher kamen, bei der aktuellen GSX-R den restaurativen Weg. Mit 1410 Millimeter vergrößerte sich der Radstand immerhin um zehn Millimeter gegenüber der Vorgängerin - bei sechs Zentimeter weniger Gesamtlänge. Abgerüstet hat man hingegen bei Suzuki, was das hemdsärmelige Auftreten angeht. Der Supersportler (Preis über 20000 Mark) wirkt trotz nur geringfügig reduzierter Abmessungen in Breite und Höhe deutlich zierlicher, eleganter. Der eher erdverbundenen Stollenreiter-Fraktion sind derartige Äußerlichkeiten egal. Statt Glanz und Glamour setzten sie auf innere Werte. Viel Leistung und wenig Gewicht sind entscheidend. 48 PS und 113 Kilogramm trocken sollen es bei der DR-Z 400 Y - also der Sport-Variante - sein, während für das Straßenmodell DR-Z 400 S (Preise stehen noch nicht fest) 43 bis 45 PS und 132 Kilo versprochen werden. Erzeugt wird die Leistung bei beiden von einem 398 Kubikzentimeter großen dohc-Motor mit vier Ventilen. Während am Sportmodell ein 39er-Keihin-Flaschiebervergaser für die Gemischaufbereitung verantwortlich zeichnet, ist bei der zahmeren Schwester ein 36er-Mikuni-Gleichdruckvergaser im Einsatz. Fahrwerksseitig beschritt Suzuki keine neuen Wege. Vorn federt und dämpft eine konventionelle 49er-Gabel, hinten kommen ein Monofederbein und eine progressive Hebelumlenkung zum Einsatz. Nichts Sensationelles, aber wie gesagt - in diesem Metier folgt die Form der Funktion. Modestadt hin, Laufsteg her.Ganz andere Wege beschritten die Suzuki-Designer bei dem Bestseller GSF 600 Bandit. Die 600er präsentiert sich sowohl in der nackten und - noch offensichtlicher - in der verkleideten Variante im neuen Gewand. Dazu trägt maßgeblich der geänderte Rahmen bei. Die Stahl-Doppelschleife verläuft im Bereich der Oberzüge deutlich kantiger. Neu in Form gebracht wurden auch Tank (20 statt 19 Liter) und Heckverkleidung sowie Vorderradkotflügel und Seitendeckel. Diese offensichtlichen Retuschen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in technischer Hinsicht Hand angelegt wurde. Dreieinhalb statt drei Zoll breiter Vorderradfelge, ein auf 120/60 statt 110/70 geändertes Reifenformat (hinten 160/60 statt 150/70) und eine Zugstufeneinstellung am Federbein sind die markantesten Änderungen. Außerdem wurde die Fahrwerksabstimmung straffer ausgelegt, während der luft-/öhlgekühlte Motor unverändert seinen Dienst verrichtet. Auf den Laufstegen von Paris sollte das den Aufmerksamkeitswert der Bandit-Modelle - die preislich über den Vorgängerinnen rangieren werden - nicht schmälern. Oder interessiert sich bei den langbeinigen Schönen irgendjemand für deren Blutdruck?
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