Test Yamaha XJ 600 S (Archivversion)

...und läuft

Einmal tief durchgeatmet, schnell das Schuhwerk in Ordnung gebracht, und weiter geht`s: Nach sieben Dienstjahren präsentiert sich die Yamaha XJ 600 S mit neuer Gabel, neuer Bremse und altem Schwung.

Der XJ 600 S ist ihre Bestimmung auf den Leib geschrieben. Diversion, zu deutsch: Zerstreuung, ist da zu lesen. Der Name ist Programm, bietet dieses Motorrad doch ein bißchen mehr, als man zur bloßen Fortbewegung zwingend braucht: eine rahmenfeste Halbschalenverkleidung und - wichtiger - einen prestigeträchtigen Vierzylinder. Kurzum: In einer Klasse, in der die Konkurrenz Brot und Butter liefert, legt die XJ noch eine Scheibe Wurst dazu.Daß sie dank Extrawurst ein stattliches Motorrad geworden ist, hat durchaus Vorteile. Die Maschine wirkt erwachsen, bietet auch größeren Fahrern ein gutes Auskommen und kapituliert nicht einmal vor der Aufgabe, zwei Personen in Würde zu transportieren.Die Schattenseiten der Leibesfülle stehen auf einem anderen Blatt - mit der Überschrift Fahrdynamik. Ohne Umschweife ausgedrückt: Es gibt gleichstarke Motorräder, die ungestümer zur Sache gehen. Dabei sind es weniger die nüchternen Fahrleistungen als die Charakterzüge des Motors, die der Diversion den Ruf des Phlegmatikers eintragen. Der appetitlich aussehende, technisch einfach gestrickte Zweiventil-Vierzylinder durchmißt die ihm zu Gebot stehende Drehzahlspanne gänzlich unspektakulär, zeigt keine Schwächeanfälle, läßt sich aber auch nicht zu Kraftausbrüchen hinreißen. Gepflegtes, unaufgeregtes Dahinsäuseln ist sein Lebensmotto, und das kann er überzeugend umsetzen - sieht man einmal von ein paar Vibrationen in der Gegend der 4000er Drehzahlmarke ab.Gehobenen Federungskomfort zu bieten ist seit jeher erstes Anliegen des XJ-Fahrwerks. Die1998er Auflage, die mit einer stabileren Telegabel (41er statt 38er Standrohren) bestückt ist, tanzt da nicht aus der Reihe. Das Ansprechverhalten der Federung ist vorn wie hinten überdurchschnittlich gut geblieben, gleichwohl gehört das allzu rasante Abtauchen der Frontpartie beim Bremsen der Vergangenheit an. Das trifft sich insofern gut, als der Neuauflage eine Doppelscheibenbremse im Vorderrad spendiert wurde, die kräftig zupackt und auch bei ausdauernd starker Belastung nicht klein beigibt. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die neuen Stopper nur insofern, als ihre Bremswirkung mit wachsender Handkraft überproportional ansteigt.An den Fahreigenschaften der Diversion hat sich ansonsten kaum etwas geändert: Sie fährt sich handlich, präzise und, wenn man`s auf schlechten Straßen nicht zu bunt treibt, spurstabil. Wobei sensible Naturen der Neuen in diesem Zusammenhang ein kleines Plus an Linientreue attestieren werden.Kein Grund zu der Annahme also, daß der XJ 600 S so bald die Puste ausgehen wird. Doch selbst für diesen unwahrscheinlichen Fall ist mittlerweile vorgesorgt - mit einer Warnblinkanlage.
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