Wunderlich startet am Pikes Peak 2018

Mit zwei Fahrern auf BMW S 1000 R

Bergrennen Pikes Peak.Wie so viele gute Ideen entsteht der Plan teilzunehmen an der Biertheke.Lufthansa macht es möglich: Die BMW flog für relativ überschaubare 1990 Euro pro Strecke in die USA. Das Ganze ist inklusive Abholung vom Wohnort per SKS und funktioniert unkompliziert für jedes Bike. Mehr Infos unter www.myaircargo.comHatten beide eine sehr lange Anreise: Yasuo Arai mit Team und Z 1000 aus Tokio...
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2017 hatte BMW-Ausrüster Wunderlich mit seinem Fahrer Thilo Günther Platz 10 erreicht. 2018 will man mit zwei Vierzylindern antreten und noch höher hinaus. Wir haben Thilo Günther besucht

2017 war das Team Wunderlich erstmals am Pikes Peak angetreten. Thilo Günther erzielte mit dem fünften Platz in der Heavyweight-Klasse einen achtbaren Erfolg, in der Motorrad-Gesamtwertung reichte es für einen zehnten Platz. Thilo Günther startete auf einer optimierten BMW R 1200 R. Maßgebliche Änderungen gegenüber dem Serienmodell: Motor-Tuning von 125 auf 147 PS, Karbonheck sowie eine Fahrwerkshöherlegung um 35 mm für mehr Bodenfreiheit.

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Lucy Glöckner verstärkt das Team

Nachdem man unlängst die heißersehnte Zulassung für das legendäre Bergrennen erhalten hat, setzte sich das Wunderlich-Team für 2018 noch höhere Ziele.  Wenn es am 24. Juni 2018 in Colorado den Berg hinauf geht, dann wollen es die Sinziger so richtig wissen. "Mit der Unterstützung des in der Langstrecken-WM aktiven ProKASRO-Renn-Teams um Uwe Reinhardt, werden wir mit zwei kompetitiv aufgebauten BMW S 1000 R antreten und um den Sieg fahren", erklärt Wunderlich Geschäftsführer Frank Hoffmann.

Als Fahrer wurde erneut Thilo Günther verpflichtet. Unterstützung erhält der durch Lucy Glöckner, die unter anderem in der IDM und der Langstrecken-WM unterwegs ist.

Foto: Wunderlich

Thilo Günther im Portrait

Zwischen toten Fischen und Strohballen nahm seine Geschichte erstmals Fahrt auf. Heuer jagt er bereits zum zweiten Mal die Rocky Mountains hoch. Die Rede ist vom deutschen Road Racer Thilo Günther, Publikumsliebling beim Fischereihafenrennen und Gesicht des Zubehör-Spezialisten Wunderlich. Ende Juni geht es für den 38-Jährigen zum zweiten Mal in Folge beim Pikes Peak International Hill Climb an die Startlinie. Nachdem er bei seinem Debüt im vergangenen Jahr Fünfter in der Heavyweight-Klasse und zehnter in der Gesamtwertung wurde, lautet sein anvisiertes Ziel für dieses Jahr: „Podium und heil wieder nach Hause kommen.“

Foto: Wunderlich

Angefangen wie Rossi

Seit über 35 Jahren sitzt Thilo Günther mittlerweile auf dem Motorrad. Genauso lange wie Valentino Rossi. Zwar hat der Deutsche keine neun Weltmeister-Titel wie „il Dottore“ im Gepäck. Die Begeisterung zum Moped fing jedoch bei beiden gleich früh an, sodass Klein Thilo bereits im Alter von drei Jahren täglich die hauseigene Motorcross-Strecke pflügte. Viele Verletzungen musste er über sich ergehen lassen, die seiner Freude am Fahren allerdings keinen Abbruch taten. „Ich wollte bloß immer so schnell wie möglich zurück aufs Mopped“, blickt Günther zurück. Heute favorisiere er es jedoch, Moped zu fahren und oben sitzen zu bleiben. „Ansonsten hat man nichts gewonnen“, sagt er entschlossen. Insbesondere auch nicht beim legendären Bergrennen Pikes Peak, das wegen seiner anspruchsvollen Strecke zu den gefährlichsten und wegen seiner spektakulären Aussicht zugleich auch zu den schönsten Bergrennen der Welt gehört.   

Vom satten Fischduft zur dünnen Höhenluft

Damit ihm in 3.000 Meter Höhe nicht Kondition und Puste ausgehen, hält sich Thilo Günther mit Zehn-Kilometer-Läufen und frühmorgendlichen Einheiten im Fitnessstudio fit. „Dreimal in der Woche trainiere ich da zwischen 4.30 und 5.40 Uhr, bevor es dann zur Arbeit geht“, so der Schloß Holte-Stukenbrocker. Sein Fahrtraining holt er sich im nahegelegenen Kalletal, eine beliebte Motorradgegend, „wo ich seit meiner Jugend gefühlt schon 20.000 Kilometer gefahren bin und mindestens genauso viele Tankfüllungen geleert habe“, blickt er breitgrinsend auf vergangenen Zeiten zurück. Nach dem Feierabend oder früh morgens an den Wochenenden brenne er in weniger als vier Tagen gut und gerne mal 1.000 Kilometer in den Asphalt oder trainiere auf seiner Enduro im Gelände.

Auf die Couch vor dem Bildschirm mit der Spielkonsole geht es hingegen für das Streckentraining. Denn das Pikes-Peak-Rennen gibt es auch als Spiel auf der Play Station. „Mir sind die Straßenabläufe nach letztem Jahr zwar noch bekannt, aber mir die komplette Abfolge zu merken, schaffe ich nicht“, gibt er offen zu. Er bevorzuge ohnehin das intuitive Fahren. Genau das mache für ihn eben das Road Racing aus. „Das kann man meiner Meinung nach auch auf keiner Rundstrecke trainieren, wo alles sauber und ebenmäßig asphaltiert ist“, so der ehemalige IRRC-Fahrer und mehrfache Sieger der offenen Klasse beim legendären Fischereihafenrennen (FHR) in Bremerhaven.

Genau hier fing 2009 für den sympathischen Blondschopf alles an. Sein Debüt auf Rang vier beendet, war ihm das Road Racing-Fieber auch schon hoch bis in den Kopf geschossen. „Danach habe ich mir dann eine ZX-10R als Unfallmotorrad zugelegt und es zum Rennbike umgebaut“, beschreibt Thilo Günther seine Anfänge. Seit 2012 wird er vom Zubehörhersteller Wunderlich gesponsert, der durch das FHR auf ihn aufmerksam geworden sind.

Foto: Wunderlich

Eine BMW S1000R des Kalibers Feuerwerksrakete

Heute fährt Thilo Günther als erster Deutscher Motorradfahrer 156 Kurven auf 20 Kilometer innerhalb von zehn Minuten bei 1.440 Meter Höhenunterschied – ein Sprung wie vom Stadtfest auf die internationale Showbühne. Mit dabei ist in diesem Jahr auch Lucy Glöckner als Zweitfahrerin und Teamkollegin. Konkurrenzfähiges Equipment wird für das traditionelle Rennen von Wunderlich gestellt: Zwei aufgemöbelte BMW S1000 R, die mit hochgetrimmten 225 PS auf verschlankten 180 Kilogramm mehr Wums unterm Kessel haben als eine Feuerwerksrakete.

 

Trainiert wird in der Nacht

Eine Woche vor dem Rennen haben die Fahrer an vier Tagen Zeit, unter erschwerten Bedingungen zu trainieren. Und zwar dann, wenn alle schlafen: „Gegen 3 Uhr morgens geht es hoch bis zum Gipfel. Von dort aus werden alle Fahrer auf drei Streckenabschnitten verteilt“, erklärt der Pikes Peak-Profi die Abläufe. „Sofern das Wetter mitspielt, fahren wir diese bis zu fünfmal.“  Erst während des Wertungslaufs müssen die Fahrer diese drei Teilstrecken für sich zusammensetzen. Ein komplettes Abfahren der Strecke gibt es vorher nicht. Um 8.30 Uhr ist dann auch schon wieder Feierabend und die Strecke wird für den normalen Verkehr und Touristen freigegeben. Am 24. Juni geht es dann los. Ähnlich wie bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man wird einzeln gestartet. Einen Wertungslauf gibt es nur – und der muss sitzen.

 

Foto: Hinzmann

Zwischen Kinderspielhaus und Schrauberwerkstatt

Verzichten muss Thilo Günther in diesem Jahr auf die Unterstützung seiner fünfjährigen Tochter und seiner Lebensgefährtin. Die beiden warten im in Industriegebiet gelegenen Klinkerhaus darauf, dass der Papa wieder gesund zurückkommt. Hund Mayla bewacht den Hof, der genügend Platz für Thilos Schrauberprojekte und die weiß-rote Yamaha PW50 mit Seitenwagen seiner Tochter.

In seinem großflächigen Garten sticht das nigelnagelneue Kinderspielhaus mit blauer Rutsche hervor. Ein Do-it-Yourself Projekt des Road Racers, das auf Wunsch seiner Tochter noch vor Pikes Peak fertig werden sollte. „Darin haben wir sogar schon übernachtet“, plaudert der Familienvater. Seit vielen Jahren ist Thilo als Industriemechaniker bei einem hiesigen Unternehmen in Vollzeit angestellt. Entgegen den Erwartungen vieler. „Wunderlich ermöglicht mir zwar mein Hobby umsonst auszuüben. Das ist bei so einem kostenintensiven Sport schon der Wahnsinn“, erklärt Thilo Günther. Verdienen tue er damit jedoch nichts. „Muss ich auch nicht. So wie es jetzt ist, ist es doch optimal.“

Unterm Strich: Thilo Günther liebt den Motorsport mit jeder Kapillare seines Körpers. So viel steht fest. Wie wäre also die Vorstellung, ohne Braaaap, Wrrroooom und Rooaar zu leben? „Unmöglich. Ich wüsste nicht, wie das gehen sollte“, gesteht er sich ein. Muss er auch vorerst nicht. Schließlich steht für ihn jetzt erstmal das Abenteuer Pikes Peak an und „2019 vielleicht ja auch wieder das Fischereihafenrennen“, hofft er inständig.

Wer Thilo Günther bei seinem Abenteuer Pikes Peak verfolgen will, kann dies online tun. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht er täglich Live-Videos und berichtet über das Training und die Stimmung vor Ort. Und dann heißt es Daumendrücken für den ersten deutschen Motorradfahrer, der es beim legendären Pikes Peak International Hill Climb-Rennen ja vielleicht bis aufs Podium schafft …

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