Tokyo Motor Show (Archivversion)

Zukunftsvisionen auf der Tokyo Motor Show

Traditionell behalten es sich die japanischen Motorradwerke vor, ihre Zukunftsvisionen in Gestalt von Konzeptstudien dem heimischen Publikum zu offenbaren, während die Hardware auf den europäischen Messen gezeigt wird. Vom 23. Oktober bis zum 3. November zelebrieren Honda und Co ihre Motorradwelten auf der nun 33. Tokyo Motor Show. Honda präsentiert unter dem Motto: »Be smart, have fun« – sei nett und freu dich. Worüber denn? Kaum zu glauben, die Honda-Mannen träumen von europäischen Autobahnen. Dort sehen sie die Zukunft ihres Projekts X-Wing: eine Mixtur aus Supertourer und Supersportler. Die Ingenieure spendierten der X-Wing einen gigantischen Sechszylinder-V-Motor, Hubraum unbekannt. Das Monsterbike ist gespickt mit allerlei technischen Gimmicks. Darunter ein Antiblockiersystem, bei dem vorderes und hinteres Bremssystem gekoppelt sind, dazu eine elektronische Traktionskontrolle, von der ST 1100 als CTS-ABS-TCS bekannt, und nicht zuletzt eine einseitige vordere Radaufhängung sowie eine innenumfassende Scheibenbremse im Vorderrad. Weil sich die X-Wing als zügiges Reisegefährt für zwei anbietet, wird auch gleich ein Kommunikationssystem für Fahrer und Beifahrer mitgeliefert. Worüber soll man sich noch freuen? Über einen Zwitter aus Motorrad und Roller namens Bosscat. Dessen Zweizylinder-Viertaktmotor mit vermutlich 400 cm³ Hubraum hängt tief unten, lässt Platz für den rollertypischen Durchstieg. Doppelte Scheibebremsen mit Vierkolbensätteln wie bei einem echten Motorrad. Automatikgetriebe wie beim Scooter. Außerdem schwimmt Honda auf der Retrobike-Welle weiter. Nun ist eine Replika der legendären CB 750 Four von 1969 an der Reihe. Vierrohr-Auspuffanlage, Faltenbälge, Speichenräder und der Klassik-Look der späten 60er Jahre – alles ist vorhanden. Der luftgekühlte Vierzylinder-Reihenmotor verfügt jedoch über zwei obenliegende Nockenwellen statt einer beim 30 Jahre alten Vorbild. »Your potential awakened«, ihr Potenzial ist erweckt, so lautet die hoffnungsfrohe Botschaft von Yamaha. In der Studie MT-01 steckt offenbar eine Menge Potenzial: Hinter dem Kürzel verbirgt sich ein mächtiges Motorrad im Stil der Vmax, allerdings von zweizylindrigem V-Motor angetrieben, der mit 1600 Kubik und je zwei obenliegenden Nockenwellen protzt. Innovative Lösungen wie das neben dem Triebwerk liegende horizontale Federbein zeigen, wohin die Reise geht. Dazu verzichtete man auf einen herkömmlichen Rahmen, offenbar übernimmt seine Aufgabe das opulente Motorgehäuse mit angeflanschten Hilfsrahmen zur Aufnahme von Lenkkopf und Schwingenlagerung. Suzuki gibt sich bescheidener, präsentierte keine Zukunftsvisonen, sondern Weiterentwicklungen vorhandener Motorräder. Nur für den japanischen Inlandmarkt gedacht, greift Suzuki mit der Volty den Stil der 60er Jahre-Scrambler auf. Ihren luftgekühlten Einzylindermotor entlehnte man der Enduro DR 400. Vermutlich wird ein anderes Bike dagegen bald auf dem deutschen Markt zu finden sein: die Suzuki Intruder LC Royal Touring. Im Stil der Harley-Davidson Electra Glide Standard baut sie auf die bewährte Technik der Intruder 1500 auf. Ob weitere Cruiser-Motorräder dieses Markt-Segment wieder beleben können, bleibt abzuwarten.
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