Motorrad-Umbauten auf oleck.net

Bildarchiv und Custombike-Forum

Guido mit seinen Cousinen.
Guido mit seinen Cousinen.Nomen est omen.Cousinen-Sattel.Oleck: lecken kann jeder...mit diesem Slogan gehen die Jungs auf Messen und Treffen. Das zieht.
13 Bilder

Ein unverkünsteltes Bildarchiv für die Umbauten von normalsterblichen Motorradschraubern hatte es lange nicht gegeben im Netz. Dann kam oleck.net. Ein einfaches, offenes Custombike-Forum ohne einengende Kategorisierung, aber mit effizienter Suchfunktion.

Es gibt die Zärtlichen Cousinen auf oleck.net, den Pussy Express, Wendy, Little Suzie, Miss Daisy und Golden Boy. Es gibt aber auch einen Poltergeist und Putin’s Revenge mit Apostroph, The Elephant, AK-47 und den Zombie Slayer. Der war mal eine Transalp. Putin’s Revenge ist die Erfüllung von Kinderwünschen auf Basis eines Honda-Rollers, der PussyExpress die Verkörperung von Erwachsenen-Fantasien unter Zuhilfenahme einer VT 750 Shadow und eines roten Netztangas. Miss Daisy ist schon über 40, hat immer einen an ihrer Seite, boxt und ist käuflich. Auch Little Suzie ist für Geld zu haben, aber sie ist viel schmaler und jünger und wendiger als Miss Daisy. Sie ist eine „ganz hübsch gemachte 125er-Suzie“. Mehr schreibt Andi68 nicht, nur eben, dass sie zu haben wäre, wenn einer Interesse hat.

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Virtueller Showroom für alle Bike-Bastler

Mit den Zärtlichen Cousinen ist das anders. Die sind nicht zu haben, sondern in festen Händen. Guido Timmerbeul hält sie in seiner Garage unter Plüschdecken und einem hellblauen Florida-Badetuch mit Delfinen und Flamingos drauf. Er kann nicht sagen, wie lang er sich in dieser Garage mit ihnen beschäftigt hat, aber er weiß noch, wie es anfing, mit den Cousinen und diesem oleck.net, das Guido zusammen mit seinem Freund ­Jakob Forrer ins Netz brachte. oleck.net ist ein Online-Archiv für umgebaute Motorräder, ein virtueller Showroom für die Projekte von allen Bike-Bastlern, Anfängern, Ambitionierten, Hobbyfricklern, Profischraubern.

Es war Ostern 2015. Guido war in den Ferien, und es regnete die ganze Zeit. Also malte er viel mit den Kindern zusammen. Sie malten zum Beispiel Bilder von Gespannen. Guido hatte mal eins, eine Dnepr. „Ein ganz schlimmes Ding“, sagt er, „hat aber Mordsspaß gemacht. Die Kinder fuhren gerne mit. Dann wurden sie mal vorm Kindergarten ausgelacht und fuhren nicht mehr gerne mit.“ Die Dnepr musste gehen. Als Guido auf der Suche nach Ersatz ist, stellen seine Jungs klar: Wir wollen da aber wieder mitfahren. „Also habe ich noch mal nach einem Gespann geguckt und mir eine abgerittene R 100 R Mystic hergetan, an die schon die Basis für den Beiwagen geschraubt war.“

Weniger Lifestyle, dafür mehr Motorrad

Im verregneten Osterurlaub sollen die Ideen für den Aufbau des Gespanns Form annehmen. Aber wo sollen die Ideen herkommen? Mal im Netz gucken. Da gibt es doch irre viel. Es gibt sehr schicke und schöne Seiten, die sehr schicke und schöne Umbauten zeigen. Und es gibt jede Menge Foren mit jeder Menge Threads mit jeder Menge technischem Erfahrungsaustausch. Es gibt nur nicht wirklich das, was Guido und sein Freund Jakob suchten: ein simples Custombike-Archiv ohne Kategorisierungs-Schubladen, aber mit effizienter Suchfunktion. „Bei den Sachen, die es gab, fanden wir uns einfach nicht wieder“, sagt Guido. „Wir wollten weniger Bilder mit Lifestyle, dafür mehr Motorrad. Weniger Muss-ich-haben-Effekte als Will-ich-auch-machen-Ermutigung. Und es sollten die Ideen der Schrauber zählen, nicht unser Geschmack. Wir sind doch alle schon geplatzt vor Stolz, wenn wir was gebaut haben, egal, wie scheiße es war.“ Viele, das ist sein Eindruck, wollen gar nicht mehr zeigen, was sie gemacht haben. „Das bekommst du nie irgendwo zu sehen, weil die Leute keine Lust darauf haben, kritisiert und gedisst zu werden. Aber es ist doch nicht wichtig, ob etwas perfekt gemacht ist oder nicht. Es ist wichtig, dass jemand es gemacht hat und dass es andere inspirieren kann, etwas zu machen.“

Das ließe sich von oleck.net genau so sagen. Es muss ja nicht gleich die Anregung sein, eine Harley-Davidson Softail Deluxe zum Trike mit Weißwandreifen umzubauen und sie „My Baby“ zu nennen. Oder ist die mollige Lederchaps-Blonde auf dem Trike „My Baby“? Oder der Intruder-Pussy-Express? Guido ist das nicht so wichtig. Wichtig ist ihm, dass auf oleck.net alle Umbauten einen Platz finden, aber keiner in eine Ecke gestellt wird. Ein 50er-Dax-Gespann, ein GSX-R-Motor im Lowrider-Dragster-Was-weißdenn-ich-Starrrahmen, eine gebobberte Kawasaki Vulcan mit Gespenster-Airbrush und ein Hybrid aus K 75 S und GS, alle bunt nebeneinander und miteinander.

Gerade aus diesem Verzicht auf Kategorisierung und Qualifizierung der Einträge erwächst der ästhetische Reiz des Sammelsuriums oleck.net: Was es nicht alles gibt! Da könnte ich doch auch … An die 450 Maschinen sind zwischenzeitlich auf oleck.net zu finden. Am Anfang war es zäh, viele Telefonate, viele E-Mails, viele Erklärungen, viel Überzeugungsarbeit.

"Oleck: Lecken kann jeder …"

„Zuerst dachte ich, ich klebe Karten an die Mopeds, und dann rennen sie mir die Bude ein. Aber das funktionierte nicht. Erst langsam entwickelte sich so ein Schneeballeffekt. Einer macht mit, dann kommt der nächste“, erzählt Guido. Um überhaupt die ersten zehn Motorräder auf die Seite zu bekommen, verlosten sie „Kleintiersärge“: Wer mitmachte, konnte eine Butterdose gewinnen, dazu einen Oleck-Schriftzug in Metall. „Ein Päckchen ist sogar nach Australien gegangen.“

Mittlerweile werden keine Butterdosensärge mehr verschickt, aber Guido und Jakob zu manchen Motorradmessen und Treffen eingeladen. Dort verteilen sie dann gerne kontaktoffensiv Lutscher und Postkarten, Aufschrift: „Oleck: Lecken kann jeder …“

Das zieht, und es zieht auch, dass sie die Zärtlichen Cousinen mitbringen, das Gespann, das Guido aus der R 100 R Mystic gebaut hat. „Es waren x Fehlversuche, bis ich den Beiwagen so hatte, wie ich ihn wollte und im Osterurlaub mit den Kindern gemalt hatte. Aber über die Fehler findest du eine Idee zur Lösung.“

In der Garage zieht Guido erst die Flauschdecken, dann das Badetuch von seinem Eigenbaugespann, dann stehen sie dort im Neonlicht und auf dem Kachelboden, ganz entblößt, die Zärtlichen Cousinen: oh, leck!

Was bitte heißt Oleck?

Es ist die Variation eines im Saarland und Teilen von Rheinland-Pfalz im Umgangssprachlichen bestens etablierten Ausdrucks des Erstaunens oder sogar der Verblüffung. Neben knapp oh, leck! ist auch die Steigerungsform oh, leck fett!, kurz für oh, leck mich fett!, alternativ für oh, leck mich am Arsch! positiv wie negativ zu gebrauchen. Seit  Januar 2016 ist unter der Adresse www.oleck.net ein Bildarchiv für nor­mal­sterb­liche Schrauber und ihre Projekte online. „Mach mit, zeig deine Arbeit mit Stolz und inspiriere andere“, steht dort. Darum geht’s. Weitere Infos auf der Seite oder über Guido Timmerbeul: oleckfett@oleck.net

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