Verkleidete 97 (Archivversion)

Schalenfroh

Wer auf Geschwindigkeit kommt, braucht für den Wind nicht zu sorgen. Eine Übersicht aller Motorräder, die sich in Schale werfen, um dem Sturm zu trotzen.

Renn- und Sportfahrer können nicht ohne sie. Tourenfahrer wollen nicht auf sie verzichten. Und selbst manche Naked Bike-Piloten kommen schon bald drauf, wie bequem sie sein kann - die Verkleidung.Kein Wunder, daß ein Großteil der angebotenen Motorräder auf die schützende Schale nicht mehr verzichtet. Oft erhebt sie sogar den Anspruch, als konstruktives Merkmal das Gesamtkonzept Motorrad entscheidend zu beeinflussen. Und so zweigen die Konstrukteure immer mehr Gelder ihres Entwicklungsbudgets für Windkanalversuche ab, um die entlegensten Ecken und Kanten aufzustöbern, die einen günstigeren Cw-Wert vereiteln, der sich negativ auf eine möglichst hohe Endgeschwindigkeit auswirken könnte. Als Sieger beim Glätten unliebsamer Turbulenzen erwiesen sich in jüngster Vergangenheit Yamaha und Honda. Bei gleicher Leistung wie die Konkurrenz erreichen die 600er Thundercat und 1000er Thunderace mit ihren ausgeklügelten Verkleidungen schon ein paar Knoten mehr an Top Speed. Den Vogel allerdings schießt die CBR 1100 XX ab, die nebst ihrer atemberaubenden 164 PS mit satten 284 km/h über die Autobahn pfeilt.Doch Verkleidungen dienen freilich nicht allein der besseren Aerodynamik und somit Höchstgeschwindigkeit. Bei den Reiselustigen unter den Motorradfahrern steht der Wind- und Wetterschutz im Vordergrund. Und jetzt kommt die Kehrseite der Medaille: Die Turbulenzen und der Lärm hinter den großflächigen Verkleidungen ihrer meist hubraumstarken und kräftigen Boliden können ganz schon nerven. Moderne Sporttourer besitzen bereits höhere, aufgebogene und mit Schlitzen versehene Verkleidungsscheiben, die sowohl den Winddruck lindern, aber auch Turbulenzen im Helmbereich mindern oder den Geräuschpegel senken, ohne daß der Fahrer angestrengt hinter der Verkleidung kauern muß.Konsequent durchdachte Tourensportler sowie Reisemotorräder bieten noch mehr. Nicht allein die Staufächer für Utensilien wie Reisepaß, Kleingeld und Mautkarte zeugen von praxisgerechter Liebe zum Detail. Mechanisch oder sogar elektrisch höhenverstellbare Verkleidungsscheiben kommen dem Wunsch nach der freien Entscheidung - Frischluft ja oder nein - entgegen. Nie mehr kalte Füße oder Hände versprechen diverse Klappen und Düsen, die die warme Motorluft gezielt auf Extremitäten steuern. Solcher Luxus findet sich an Motorrädern wie der BMW R/K 1100 RT oder der Honda ST 1100, die preislich allerdings jenseits der 20000- Mark-Grenze liegen.Weg vom Reisedickschiff hin zu nüchterner Sachlichkeit, anschaulicher Technik und portemonnaiefreundlicheren Motorrädern: Dürftig bekleidete Bikes haben auch etwas. Die neuen V2-Zylinder von Honda oder Suzuki und selbstverständlich die Ducati leben unter anderem vom visuellen Reiz ihrer Technik. Eine Halbschalenverkleidung muß genügen, um zumindest dem Wind zu trotzen. Doch es darf nichts versteckt bleiben, was sehenswert ist.In der Regel genügen diese rahmenfesten »Oberteile« für den täglichen Gebrauch. Von der Triumph 900 Sprint bis zur Kawasaki GPZ 500 S erzeugen die Winzlinge annehmbaren Wind- und teilweise sogar Wetterschutz. Und lats not least bereitet es auch Spaß, sich ein bißchen Wind um die Nase wehen zu lassen.
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