Vespa-Treffen (Archivversion)

Wespen-Nest

Der Regen konnte sie nicht bremsen: rund 1000 Vespa-Fahrer kamen aus aller Welt und feierten den 50. Geburtstag des Kultgefährts in Pontedera

Die Prominenz traf sich in Rom. Bei einem steifen Empfang zelebrierten die Piaggio-Chefs am 20. September mit illustren Gästen den 50. Geburtstag der Vespa. Die echten Wespen-Fans jedoch feierten erst am nächsten Tag: Rund 1000 Vespa-Fahrer trafen sich trotz eines heftigen Unwetters 200 Kilometer weiter nördlich auf auf einer schlammigen Wiese vor dem Piaggio-Werksgelände in Pontedera in der Toskana, um auf ihre Art auf ein halbes Vespa-Jahrhundert anzustoßen.Aus über 40 Ländern reisten die begeisterten Vespisti an. Den Vogel schossen allerdings sechs Amerikaner ab, die zur Feier des 50. Vespa-Geburtstags von San Francisco aus den nordamerikanischen Kontinent durchquert hatten und erst in New York ins Flugzeug gestiegen waren - eine Atlantik-Überquerung schafft aus eigener Kraft auch die beste Vespa nicht.Doch die weite Reise lohnte sich, denn für 65 Mark Einschreibegebühr pro Nase war ein wahrhaft festliches Treiben geboten. Vom Werksbesuch über das gemeinsame Abendessen in der riesigen Piaggio-Kantine bis hin zur Sternfahrt in den benachbarten Badeort Casciana Terme hatte der Vespa-Club Pontedera das Jubiläums-Wochenende bestens organisiert. Allein beim Wetter versagten die Toskaner: Heftige Regenschauer und eher ungemütliche Temperaturen führten dazu, daß zahlreiche italienische Vespa-Fahrer kurzfristig absagten.Als wetterfester erwiesen sich die Deutschen, die das größte Kontingent des Treffens stellten. »Bis zum Gotthard hatten wir schönes Wetter«, berichteten die Vespa-Freunde aus Mainz, »aber dahinter hingen die Wolken praktisch bis auf den Asphalt der Autobahn.« Zwei bis drei Tage waren die meisten deutschen Vespa-Fahrer zum Treffen unterwegs; allerdings reisten beileibe nicht alle auf zwei Rädern an: Verdächtig viele Wohnmobile und Hänger mit deutschem Kennzeichen waren in und um Pontedera auszumachen. Auch Helmut und Ilse Migat aus Detmold gönnten sich den Luxus, ihre PX 200 mit Seitenwagen auf den Hänger zu laden: »Das Wetter war uns einfach zu unsicher«, erzählten die Mittfünfziger. »Außerdem fahren wir zu so vielen Treffen, daß das irgendwann ganz schön anstrengend wird.«Zur eisenharten Sorte gehörte dagegen Renate Otto aus Hamburg. Drei Tage brauchte sie auf ihrer PX 200 bis nach Pontedera. »Das ist noch langsam”, sagt sie fröhlich, »denn diesmal bin ich es gemütlich angegangen.” Die blonde Krankenschwester fährt, seit ihre drei Kinder erwachsen sind, leidenschaftlich gern zu Vespa-Treffen; über 10.000 Kilometer legt sie jedes Jahr zurück. »Ich kenne durch die Treffen inzwischen Leute in ganz Europa.« Damit ist die gesellige Hamburgerin aber eher die Ausnahme, denn meist blieben die einzelnen Clubs eher unter sich.Heftig beklatscht wurde das Rahmenprogramm des Werksbesuchs: Der Vespa-Club München führte seine artistischen Kunststückchen vor, wenn auch leider bei strömendem Regen. Zum guten Gelingen des Treffens trugen die vielen freundlichen Piaggio-Angestellten bei, die extra Wochenenddienst schoben, aber auch die Einwohner von Pontedera: Als die Vespa-Fahrer am Samstagnachmittag vom Bürgermeister empfangen wurden und mit ihren lärmenden Zweitaktern durch die belebte Fußgängerzone zogen, fühlte sich niemand gestört. Im Gegenteil. Sobald der Troß hielt, wurden die die zum Teil wunderschön hergerichteten Roller vom interessierten Publikum fachmännisch begutachtet und kleine technische Probleme wurden sofort am Straßenrand behoben.So waren die meisten Vespa-Fahrer trotz des unfreundlichen Wetters mit »ihrem« Jubiläum zufrieden: Es gab Platz, gutes Essen und viel Aufmerksamkeit für alle Teilnehmer – bei den Vespa-Treffen der Vergangenheit nicht immer selbstverständlich. Eine ganz leise Enttäuschung allerdings blieb in den Köpfen der Teilnehmer hängen: »Der eine oder andere Piaggio-Chef«, so hieß es, »hätte doch auch mit uns das Jubliäum feiern können.“
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