Vorstellung Hunwick Hattrop Phantom 1500

Thunder from Down Under

Gut 100 PS stark, 48000 Mark teuer: Australiens Antwort auf Harley-Davidson heißt Hunwick Harrop und könnte via Internet auch nach Deutschland kommen. Alan Cathcart fuhr den außergewöhnlichen Cruiser in Sydney.

Jeder motorradverrückte Besucher der letztjährigen Olympischen Spiele in Sydney, der zufälligerweise in einem der oberen Ränge des Olympia-Stadions saß, hätte nur einen Blick über seine Schulter werfen müssen, um Australiens neuestes und exklusives Motorrad zu Gesicht zu bekommen: der Supercruiser Hunwick Harrop Phantom 1500, der nur einen Steinwurf entfernt vom Stadion gefertigt wird.
Wenn Ihnen dieser Name irgendwie bekannt vorkommt, Sie aber einen kleinen Druckfehler vermuten, dann liegen Sie richtig, beinahe jedenfalls. Denn das Unternehmen Hunwick Harrop geht in der Tat aus Hunwick Hallam hervor, der Firma, die vor einigen Jahren mit dem eigenwilligen V2-Rennprojekt namens X1R für Furore sorgte. Die vielversprechende Partnerschaft von Rod Hunwick, dem führenden Motorradhändler in Australien, und Paul Hallam zerbrach just an den Plänen, eine Straßenversion der X1R auf den Markt zu bringen.
»Pauls Herz hängt am Rennsport, während ich lieber Straßenmotorräder für den Weltmarkt bauen möchte«, sagt Hunwick, »deshalb begann ich für das Phantom-Projekt noch einmal von vorn.«Mit neuen, schlagkräftigen Partnern: dem Harrop-Konzern, einem großen australischen Automobilzulieferer, und einer japanischen Investmentbank, die das Unterfangen mit dem nötigen Startkapital ausstatten – und im Gegenzug Hunwick Harrop binnen 18 Monaten an die Börse bringen möchten.
Ein ehrgeiziges Projekt. Wobei das erste Produkt des neuen Unternehmens äußerst gelungen scheint. MOTORRAD-Mitarbeiter Alan Cathcart, bekennender Sportmotorrad-Fan, zeigte sich nach einer exklusiven und viel zu kurzen Fahrt auf dem Aussie-Bike begeistert, tituliert sie gar als »die Ducati 916 unter den Cruisern«. Vor allem der kernige, wassergekühlte und via Saugrohreinspritzung versorgte Vierventil-V2-Motor hat es dem Briten angetan, wenngleich die MoTec-Einspritzung bei dem gefahren Vorserienmodell noch einen Tick zu hart ansprach. Die versprochenen 100 PS aus 1493 cm3 erscheinen dem Testfahrer jedoch mehr als glaubhaft.
Leistung genug also, um selbst Cruisern vom Schlag einer Honda F 6 C oder VTX 1800 Paroli zu bieten. Das Alufahrwerk glänzt mit feinen Zutaten, wie etwa einem Koni-Federbein im Heck und einer Paioli-Gabel, mit der auch die Bimota YB 11 bestückt ist, und bringt die gebotene Leistung sicher auf den Asphalt. Für einen Cruiser verfügt die Phantom über reichlich Bodenfreiheit, ein neutrales Fahrverhalten, erstaunlich standfeste und gut dosierbare Bremsen – und haftfreudige Reifen: Dunlop D 207. Die ordnet man eher einem Sportler zu denn einem Cruiser, ebenso das erstaunlich leichtfüßige Handling der laut Hersteller trocken 240 Kilogramm schweren Maschine.
325 Phantom möchte Hunwick 2001 produzieren – und auch verkaufen. Die Nagelprobe für den exklusiven, unkonventionellen Cruiser: die erste Präsention auf dem für Cruiser entscheidenden US-Markt, die Indianapolis Dealer Show Mitte Februar. »Der Super Cruiser soll Kunden ansprechen, die ein leistungsstarkes High-End-Motorrad mit außergewöhnlichem Design suchen«, erklärt Hunwick. Die bei einem anvisierten Verkaufspreis von umgerechnet rund 48000 Mark über das entsprechende Kleingeld verfügen müssen. Folglich handelt es sich um eine Klientel, die meist ohnehin täglich durchs Internet surft, beispielsweise, um über die Entwicklungen am Aktienmarkt auf dem Laufenden zu sein. Warum also nicht das weltweite Netz nutzen, um die Phantom an den Mann respektive die Frau zu bringen? Lediglich in Australien und den USA will Hunwick mit eigenen Händlern kooperieren.
Damit nun einem Kunde, etwa aus Deutschland, nicht nach wenigen tausend Kilometern der Spaß an seinem Supercruiser mangels Verschleißteile vergeht, schickt Hunwick Harrop jedes Modell mit einem Teile-Kit, der mindestens für die erste Saison genügt, auf die Reise. Zudem verspricht Hunwick einen 24-Stunden-Ersatzteilservice weltweit und ausführliche Unterstützung via Web für jede x-beliebige Werkstatt – was natürlich nur funktionieren kann, wenn der Händler über einen Internetanschluss und ausreichende Englischkenntnisse verfügt.
Für alle, die mehr über den Cruiser aus Down Under wissen möchten, der Surftipp: www.hunwickharrop.com. Der offizielle Verkauf der Hunwick Harrop Phantom 1500 startete am 12. Februar.
Anzeige

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote