Vorstellung Kawasaki W 650-Café Racer von VD Classic (Archivversion)

Drei-Länder-Spezialitäten

Die W 650 ist die perfekte japanische Kopie klassischen britischen Motorradbaus. Fehlte nur noch der Café Racer, gebaut von einem Franzosen.

»Ich habe sie gesehen und wusste sofort, wie sie aussehen sollte”, erklärt Jean-François Vicente, Besitzer einer auf Umbauten klassischer Bikes spezialisierten Werkstatt. Die Rede ist von Kawasakis W 650, dem durchaus eigenständigen, aber fahraktiven und pflegeleichten Retro-Bike. Ein Genuss nicht nur fürs Auge, sondern aufgrund ausreichender Motorleistung, eines passablen Fahrwerks und einer bequemen Sitzposition auch beim Erkunden von Landstraßen. Den sportlicher orientierten Liebhabern klassischer Bikes erging es beim Anblick der W 650 wie Vincente: die W 650 mit schmalerem Lenker und schmalerem Tank in guter britischer Café Racer-Tradition – das wär’s.Der Franzose, gelernter Metallbauer, machte sich in seiner Werkstatt in Krauterheims, einem recht verschlafenen Dörfchen rund 30 Kilometer hinter Straßburg, an die Arbeit. Einer seiner beiden frischgebackenen Umbauten steht fast fertig auf der Hebebühne. Den Tank aus zwei Millimeter starkem Aluminiumblech fertigte Vicente, der einige Jahre beim Flugzeughersteller Dassault gearbeitet hat, selbst. Schließlich legt Chefmechaniker Brice den Schraubenschlüssel aus der Hand. Die W 650 wird von der Hebebühne auf die Straße gerollt. Morgen soll sie zusammen mit einem Scrambler-Umbau auf den Pariser Messestand von Kawasaki France gebracht werden. Doch vorher steht der Café Racer zur Probefahrt bereit.Wie die bisher gefertigten VD-Yamaha SR 500-Umbauten trägt die Kawa eine klare Handschrift: Geänderte Seitendeckel enden an offenen Ausaugtrichtern. Aber das ist nur einer der Gründe, warum der Paralleltwin etwas lauter im Standgas bollert als eine Standard-W 650. Anstelle der dreiteilligen Auspuffanlage mit Sammler pustet die VD-Version ihr Abgas durch zwei getrennte Schalldämpfer. Kurvenräubern wie jene Eigenbau-Bastards namens Triton kann Jean-François´ sportlich aufgebaute Kawa längst, obwohl die Haarnadelkurven bei Obernai rasch zeigen, wo die Grenzen der Schräglagenfreiheit liegen. Dank der üppigen Knieaussparung am Tank und des nur 660 Milimeter breiten »Ace-Bar«-Lenkers vermittelt die VD-W 650 eine völlig andere Sitzposition und unterstreicht den britischen Charakter zusammen mit kernigem, aber durchaus nicht lästigem Auspuffton. Details wie ein Benzinhahn, der zur vollständigen Entleerung tatsächlich an der tiefsten Stelle des 18-Liter-Tanks sitzt, das typisch britische Rücklicht und die stilvollen Miniblinker sprechen für sich und lassen einen sogar fast vergessen, dass man gerade ein japanisches Motorrad auf einer französischen Landstraße bewegt.Kein Auspuffknallen, keine Öllache – dennoch ist der VD-Café Racer kein Bike für Leute mit zwei linken Händen: So viel Fläche zum Putzen und Polieren bietet kaum ein zweites Motorrad.
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