Vorstellung Yamaha YZF-R6/Versity 300

Unter vier Augen

Mit markantem Vieraugen-Gesicht gibt Yamaha der neuen YZF-R6 einen aggressiven Touch. 123 PS befeuern nun die trocken 162 Kilogramm leichte Supersportlerin.

Vier Jahre sind eine lange Zeit in Supersport-Szene. Da kann auch ein noch so hübsches Motorrad, wie es die R6 1998 bei ihrer Vorstellung war, nicht mehr jeden begeistern. Eine neue Verpackung musste also sein. So zumindest der erste Eindruck beim Anblick des Modelljahrgangs 2003.
Aber genau dieser täuscht. Denn unter dem ansprechenden Kleid der jüngstenKreation steckt ein fast komplett neu entwickeltes Motorrad. Motor und Fahrwerk haben fast nichts mehr mit der Vorgängerin gemein. Sensationell: Trotz Katalysator leistet die Yamaha 117 PS ohne und 123 PS mit Staudruckaufladung. Verantwortlich dafür ist das zu 90 Prozent neu konstruierte Triebwerk, das nun ähnlich dem der R1 mit der für ihr Ansprechverhalten gelobten Einspritzung aufgebaut ist.
Die Airbox wurde größer, die Kolben und Zylinder überarbeitet und reibungsoptimiert, das Kurbelgehäuse für geringere Pumpverluste verbessert. Für einen 600er-Motor riesige 38er-Drosselklappen öffnen sich hinter den die Luftzufuhr nach dem Gleichdruckprinzip regelnden Flachschiebern. Dem für den krachenden Gangwechsel bekannten Getriebe rückten die Yamaha-Techniker mit einer neuen Schaltwalze und verbesserter Bearbeitung der Zahnräder zu Leibe.
Innovatives tut sich auch beim Fahrwerk: Der Rahmen wird wie bei den neuen SV-Modellen von Suzuki (siehe Seite 16) komplett aus Leichtmetall-Druckgussteilen gefertigt. Das spart enorm Schweißarbeit und bietet Freiräume beim Gestalten der Profile. So ist der Hauptrahmen um 50 Prozent torsionssteifer, ohne schwerer geworden zu sein. Erstaunlicherweise fertigt Yamaha auch das Rahmenheck und die Schwinge im Druckgussverfahren. Teilweise erreichen die Wandungen nur noch zwei Millimeter Stärke.
Der Drehpunkt der verlängerten Schwinge rückte bis auf 86 Millimeter an die Getriebeausgangswelle, was Lastwechselreaktionen minimiert. Neue Räder und verbesserte Bremsen vervollkommnen dieses kleine Meisterstück, das dem ersten Anschein nach auch in der Verarbeitung einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht hat.
Bei Rollern ist der technische Fortschritt ebenfalls das beherrschende Thema. Vorbei die Zeiten, da man preisgünstige Zweitakt-Motoren in simple, ungedämpfte Billig-Fahrwerke pflanzte. Heute stellt der Rollerkunde höhere Ansprüche an Qualität, Funktion und Ausstattung. Das neue Modell Versity 300 ist ein Beispiel für den hohen technischen Aufwand der aktuellen Roller-Generation, der sich von den Großrollern ausgehend nun auf die kleineren Klassen überträgt. Ein Viertakter als Antrieb ist allein aufgrund der strengeren Emissionsvorschriften obligatorisch, ein ungeregelter Katalysator mindert den Schadstoffausstoß. Mit 264 cm3 wird der Versity seiner Modellbezeichung nicht ganz gerecht. Der Antrieb läuft konventionell über Fliehkraftkupplung und stufenloses Automatikgetriebe.
Gute Fahreigenschaften hatten bei der Entwicklung Priorität, daher steht der Versity auf 14 Zoll großen Rädern mit griffiger Bereifung. Logisch, dass die Federelemente hydraulisch gedämpft sind und mit langen Federwegen hohen Komfort garantieren. Fürs individuellen Feintuning gibt es spezielles Zubehör wie eine höhere Windschutzscheibe, Lenkerstulpen für den Winter, Beinschilder oder ein Topcase. Aber auch ohne den Heckkoffer lässt sich in dem großen Staufach unter der Sitzbank locker ein Helm unterbringen.
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