Wasserstoff-Mofa (Archivversion)

Aqua Fit

Die Zukunft hat begonnen. Zumindest im oberpfälzischen 500-Seelen-Ort Speinshart. Kfz-Meister Josef Zeitler präsentiert das weltweit erste Zweirad mit Wasserstoff-Motor. Ein Antrieb, der technologisch das nächste Jahrtausend einläutet.

Keine Panik. Die Erdöl-Reserven sind sicher. Zumindest für die nächsten zwei Generationen. Also grob gerechnet bis Mitte des nächsten Jahrhunderts. Und dann? Schieben? Führende Fahrzeughersteller wie BMW sind überzeugt: Wasserstoff wird der Kraftstoff der Zukunft sein. Das häufigste Element des Universums ist dauerhaft verfügbar, und bei der Verbrennung entstehen keine Emissionen außer Wasser und Wärme. Weltweit arbeitet die Kfz-Industrie deshalb fieberhaft an der Entwicklung von Wasserstoff-Motoren. Die Handikaps dieses Elements bestehen in erster Linie in der aufwendigen und teuren Herstellung (per Elektrolyse) und der Speicherung. Wasserstoff wird je nach Anwendung entweder als hochkomprimiertes (200 bar) Gas, tiefgekühlt (-253 Grad Celsius) in flüssiger Form oder als chemische Bindung in Metallhydriden (hohes Gewicht) gelagert. Im Fahrzeugbau sind für eine praxisgerechte Reichweite zudem wegen des niedrigen Energiegehaltes ein Druckbehälter oder voluminöser Tank erforderlich. Um´s kurz zu machen: Bis zur automobilen Serienreife sind also noch einige Hürden zu nehmen. Kein Grund für Kfz-Meister Josef Zeitler aus dem oberpfälzischen 500-Seelen-Ort Speinshart, dieses Thema nicht mit Elan anzugehen. Als Basis diente ihm der 50 cm³ große Zweitakt-Motor einer Kreidler Flory, den er in mühevoller Arbeit auf den Betrieb mit Wasserstoff umfunktionierte. Dabei ging er bei der Einspritzung einen ungewöhnlichen Weg. Im Gegensatz zur Industrie, die den Wasserstoff in das Saugrohr einbläst, arbeitet Josef Zeitler mit einer Direkteinspritzung. Zudem verfügt der Motor nun über eine Membran-Einlasssteuerung. Für die Zündung des Luft-Wasserstoff-Gemisches ist weiterhin die original Kreidler 6-Volt Zündanlage zuständig. Das größte Problem, die Speicherung, löste Josef Zeitler in Form einer Druckluftflasche als Tank. Drei Liter flüssiger Wasserstoff 3,0 – das entspricht 600 Litern in Gasform – reichen der Zeitler-Kreidler rechnerisch für 100 Kilometer. Nachgetankt wird ebenfalls aus einem Druckluftbehälter. Ein Druckminderventil reduziert den Druck des unter 200 bar stehenden Wasserstoffs vor dem elektrisch aktivierten Einspritzventil auf vier bar. Die Einspritzung erfolgt dann direkt in den Zylinder. Die Steuerung der Einspritzung übernimmt eine von Josef Zeitler stark modifizierte Motor-Elektronik eines Toyota Corolla. Ein Drosselklappen-Potentiometer, ein Drehzahl- sowie ein Unterdrucksensor liefern hierzu die Daten. Doch die sauberste Verbrennung leidet, wenn der Zweitakter die Schmierstoffe bauartbedingt mitverbrennt. Bei der Zeitler-Kreidler erfolgt die Schmierung von Kolben und Kurbeltrieb über ein ausgeklügeltes Membransystem, welches es ermöglicht, das Schmieröl weitgehend wie bei der Nasssumpfschmierung eines Viertakt-Motors im Kurbelgehäuse zu halten. Zweitakt-Power nahezu ohne Schadstoffemissionen.Nach über tausend Arbeitsstunden war es dann soweit : Die Zeitler-Kreidler lief zufriedenstellend. Als Leistung gibt der Tüftler zirka 4 PS an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 50 km/h. Zeitler ist sich sicher: Was in Mofa-Dimensionen möglich ist, sollte auch für Big-Bikes realistisch sein. Ein Seitenhieb in Richtung Industrie.Theoretisch hätte die Kreidler also durchaus berechtigte Chancen als erstes Zukunfts-Krad das nächste Jahrtausend einzuläuten. Die Crux: Der Speicher für den Treibstoff rangiert ganz eindeutig unter Gefahrengut.
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