Zwischenbilanz Langstreckentest Yamaha FJR 1300 (Archivversion)

Halbzeit

100000 Kilometer sind das Ziel, knapp 50000 davon hat Yamahas großer Tourer FJR 1300 in elf Monaten abgespult. Eine kurze, aber sehr erfreuliche Bestandsaufnahme.

Gar nicht so einfach für Fuhrparkleiter Gerry Wagner, die Dauertest-Yamaha FJR 1300 mal zu gesicht zu bekommen. Manch uneinsichtigem Kollegen musste er den allseits begehrten Vorzeige-Tourer unter Androhung drakonischer Maßnahmen unter dem Allerwertesten wegreißen. Zum Beispiel, weil eine turnusmäßige Inspektion oder der Wechsel eines Reifens anstand. Die Erstausrüstung Metzeler ME Z4 – sie kam bislang überwiegend zum Einsatz – glänzt mit erstaunlichen Laufleistungen. Im Schnitt hält der hintere Reifen rund 7000, der Vorderreifen über 10000 Kilometer.Was der im 100000-Kilometer-Dauerstress befindlichen Yamaha in Verbindung mit den langen Inspektionsintervallen (alle 10000 Kilometer) natürlich gelegen kommt. In nur knapp elf Monaten spurtete sie 50000 Kilometer kreuz und quer durch Europa. Ohne besondere Vorkommnisse, sieht man einmal von einer verzogenen hinteren Bremsscheibe bei Kilometerstand 39464 ab, die auf dem Garantieweg getauscht wurde. Kostenpflichtig dagegen: ein Sturz im Februar 2002 auf schneebedeckten deutschen Straßen. Zum Glück ohne Folgen für den Fahrer. Weil neben diversen Verkleidungsteilen auch die leuchtstarken Scheinwerfer getauscht werden mussten, schlug die Reparatur mit insgesamt 2276,74 Euro zu Buche, was nicht in die Unterhaltskosten einbezogen wird. Mit diesen (XX,XX/Kilometer) verhält es sich bei der schweren Yamaha nämlich beinahe umgekehrt proportional zum Fahrspaß, den sie unisono bereitet. Vor allem die bequeme Sitzposition (auch zu zweit), der bärenstarke Vierzylinder und das gute Fahrwerk sorgen für Zufriedenheit. »Fährt selbst mit abgefahrenem Hinterreifen und mit Koffern bei Vmax in schnellen Kurven noch erstaunlich stabil«, notiert Waldemar Schwarz ins Fahrtenbuch, »um ein richtig guter Tourer zu werden, braucht die FJR aber eine andere Übersetzung, einen kultivierteren Motor und einen besseren Windschutz«, moniert der technische Leiter. Mit seiner Kritik steht er nicht alleine da. »Warum dieses tolle Motorrad keinen sechsten Gang hat, wissen nur die Japaner«, notiert ein Kollege.Auf den Verbrauch scheint sich die zu kurze Übersetzung erstaunlicherweise nicht negativ auszuwirken. Im Schnitt begnügt sich die 1300er mit 6,9 Litern pro 100 Kilometern, angesichts der tollen Fahrleistungen ein sehr guter Wert. In Verbindung mit dem 25-Liter-Tanks ermöglicht das zügige Etappen von über 350 Kilometern am Stück. Weshalb sich die magische 100000-Kilometer-Marke vielleicht sogar noch Ende 2002 knacken lässt – und Kollege Wagner die FJR 1300 auch weiterhin selten zu Gesicht bekommen wird.
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