Yamaha beendet den R6-Dunlop-Cup

Ende nach 40 Jahren

Yamaha Motor Deutschland hat entschieden, den Yamaha R6-Dunlop-Cup nicht weiterzuführen. Das teilte der deutsche Importeur am Freitag (19.1.2018) mit.

Der Motorradhersteller habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber der Motorradmarkt habe sich im Laufe der letzten 40 Jahre grundlegend verändert. Nicht zuletzt im Sportsegment habe ein starker Wandel stattgefunden. Yamaha hat deshalb entschieden, die Aktivitäten im Motorradsport zukünftig neu auszurichten.

Aktuell wird alles darangesetzt, dass die Ex-Cup-Teilnehmer im Rahmen der, in 2018 hoffentlich wieder stattfindenden, IDM antreten können (in der Klasse Supersport 600).

Der erste Yamaha Cup wurde 1978 ausgetragen. Gefahren wurde auf Yamaha XS 400-Modellen. 1981 kam als Cup-Bike erstmals die RD 350 zum Einsatz. Ab 1987 wurde mit der TZR 250 gefahren. 1991 folgte der Wechsel auf die FZR 600, ab 1996 fuhren die Cup-Piloten mit YZF 600 Thundercats und seit 1999 dann mit der R6.

Zu den prominenten Yamaha Cup-Fahrern zählten unter anderem Martin Wimmer, Ronald März, Michael Galinski, Arnulf und Jörg Teuchert, Jochen Schmid, Jakob Folger, Udo Mark oder auch Dirk Raudies.

Rückblick auf 40 Jahre Yamaha-Cup

Der Yamaha-Cup, der Vater aller Markenpokale, wurde 40 Jahre alt. Generationen von Rennfahrern haben hier ihre Ausbildung erfahren, einige von ihnen schafften es nach ganz oben. Wie’s halt so ist, wenn man auf 40 Jahre zurückblickt: Es gibt unzählige Anekdoten und Zoten, und abhängig davon, wer sie erzählt, fallen sie unterschiedlich aus. Wie 1978, in der ersten Saison des Yamaha-Cups, als der spätere Weltmeister Kenny Roberts von Yamaha dazu verdonnert wurde, für ein Fotoshooting die 50 Cup-Piloten über die Nürburgring-Nordschleife zu führen.

Zunächst die Version von Martin Wimmer, in jener Saison 1978 erster Gesamtsieger in der Cup-Historie: Keiner außer ihm, Wimmer, habe Roberts folgen können, irgendwann sei Roberts schier übers Vorderrad gestürzt, habe sich danach umgedreht, kopf-schüttelnd und fassungslos darüber, dass sich dieser Jungspund nicht abschütteln ließ.

Dann die Version von Theo Hoffmann, als damaliger Kundendienstleiter des Yamaha-Importeurs Mitsui zusammen mit Mitsui-Geschäftsführer Manfred Weihe einer der Ideengeber des Cups: Es gab strikte Anweisung an alle Piloten, den großen Meister Roberts nicht zu überholen. Doch als das Auto mit dem Fotografen, das anfangs noch vorausfuhr, ausscherte, seien sie im Rudel über Roberts hergefallen.

Beide, Wimmer und Hoffmann, erinnern sich, wie Roberts später sichtlich angefressen seine Cup-Maschine im Fahrerlager abstellte, und Wimmer hat noch die wenig schmeichelhaften Worte des Weltmeisters im Gedächtnis. Irgendetwas im Sinne von: Wie kann man jungen Leuten nur so ein Motorrad in die Hand geben?

Start mit der Yamaha XS 400

In der Tat war die XS 400, das erste Cup-Gefährt, alles andere als ein filigranes Renngerät. Der Zweizylinder-Viertakter mit kümmerlichen 38 PS galt als ausgesprochen bieder und für sportliche Ambitionen im Grunde ungeeignet.„In Schräglage hat oft der Krümmer aufgesetzt“, erinnert sich Martin Wimmer, woraufhin er und seine Cup-Kollegen alles unternahmen, um für mehr Bodenfreiheit zu sorgen. Da wurden der rechte und linke Krümmer getauscht, was einige Millimeter brachte. Und Wimmer fand einen Weg, das gesamte Fahrwerk, vorne wie hinten, höher zu setzen – ohne dass ihm Theo Hoffmann, dessen strengem Auge ansonsten keine Trickserei verborgen blieb, auf die Schliche kam. Das will etwas heißen.

So avancierte Wimmer 1978 zum ersten Gesamtsieger in der Cup-Historie. Die 5750 Mark fürs Motorrad samt Helm und Lederkombi hatte er sich als Brezel-Verkäufer auf dem Oktoberfest und als Aushilfe bei einem Schrotthändler verdient. Erste Testfahrten mit seiner Cup-Maschine absolvierte Wimmer auf dem Autobahnkreuz München-Ost, einem Kleeblatt: zweieinhalb Stunden lang immer rechtsherum. Wimmers Einstimmung auf das Schauinsland-Bergrennen bei Freiburg: In aller Herrgottsfrüh, zwischen vier und sechs Uhr, donnerte er den Berg hoch (und runter),„denn da war es schon hell, aber kaum ein Auto war unterwegs“. So lief das damals, in Zeiten, als es kaum Renntrainings gab.

Der Yamaha-Cup war für Wimmer der Beginn einer zehn Jahre währenden engen Verbindung mit dem Hause Mitsui/Yamaha, drei Grand Prix-Siege und vier DM-Titel inbegriffen. Wimmer folgten etliche spätere Stars, deren Karriere im Yamaha-Cup Fahrt aufnahm: Dirk Raudies wurde 125er-Weltmeister, Kenan Sofuoglu schaffte fünf und Jörg Teuchert immerhin einen Supersport-WM-Titel, Jesko Raffin holte sich den spanischen Moto2-Titel und fährt seit Jahren in der WM, und Deutschlands Superbike-Aushängeschild Markus Reiterberger ist derzeit auf dem Weg zu seinem dritten IDM-Titel. Die Statistik listet sieben WM-Titel und etliche nationale Titel auf, welche von einstigen Yamaha-Cup-Piloten errungen wurden.

Yamaha Cup als rasendes Klassenzimmer

Spricht man mit Theo Hoffmann, mittlerweile pensioniert, der als Technik-Verantwortlicher über Jahrzehnte hinweg das rasende Klassenzimmer Yamaha-Cup beaufsichtigte, hört man viel Gutes über die Generationen von Cup-Piloten, egal ob spätere Stars oder Hobby-Rennfahrer.„Disziplin, Hingabe und Liebe zum Sport“, attestiert er seinen Zöglingen von einst.„Fast ausnahmslos waren sie begeisterungsfähige, junge Menschen, die uns jedes Jahr aufs Neue motiviert haben.“

Die Herrlichkeit erfuhr lediglich einen Dämpfer, als anfangs der 80er-Jahre der internationale Yamaha-Cup ausgeschrieben wurde, zusätzlich zum nationalen Cup.„Plötzlich kamen Piloten mit dem Habitus angehender Weltmeister“, erinnert sich Hoffmann. Den Grundgedanken des Cups, nämlich Chancengleichheit dank identischer Motorräder, hatten die internationalen Piloten eher weniger verinnerlicht,„der sittliche Nährwert“, wie es Hoffmann ausdrückt, war nicht mehr gegeben. Zermürbt von Diskussionen über das technische Reglement stellte Hoffmann den internationalen Cup rasch wieder ein.

Seit Ende der 90er-Jahre agiert Thomas Kohler als Cup-Manager, quasi outgesourct, hauptberuflich leitet Kohler eine Werbeagentur im schwäbischen Backnang. Welcher Pilot ihm am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben ist?„Kenan Sofuoglu“, kommt die Antwort ohne Zögern. Kein anderer Pilot habe jene Liebe zum Sport, jene Leidenschaft, wie sie Theo Hoffmann formulierte, derart verkörpert, sagt Kohler. Sofuoglu, der heute in der Türkei Rossi-Status genießt, war damals erst fünf Tage vor dem Auftakttraining vorstellig geworden. Er sprach kein Wort Deutsch und kein Wort Englisch. Das Schicksal wollte es, dass in jenem Jahr, 2002, noch ein Startplatz frei geblieben war, und als Sofuoglu bei einem extra angesetzten Probefahren beeindruckend spielerisch mit der für ihn neuen Cup-Yamaha hantierte, war Kohler klar:„Den Jungen brauchen wir.“ Sofuoglu bedankte sich mit dem Cup-Sieg, es war der Startschuss zu einer internationalen Karriere.

Seinen Nimbus als führende Talentschmiede hat der Yamaha-Cup seither eingebüßt. Die Karriereleiter für angehende GP-Profis führt heute meist über nationale Moto3-Meisterschaften oder den Red-Bull-Rookies-Cup. Da hilft auch wenig, dass das Mindestalter für Yamaha-Cup-Teilnehmer von 18 Jahren nur noch auf dem Papier existiert und bereits 14-Jährige eine Startgenehmigung erhalten.

So entwickelte sich das Cup-Feld mehr und mehr zu einer Melange aus ambitionierten Youngsters und Hobby-Rennfahrern älteren Jahrgangs. Eine Win-win-Situation gewissermaßen: Die Jungen spornen die Alten an, die Alten geben ihre Routine und Erfahrung zurück. 2017 finden sich wie schon 2016 jeweils eine Vater-Sohn-Paarung. Letztes Jahr Bernd (57 Jahre) und Marc Ruber (29), aktuell Rainer (49) und Sandro Wagner (15).

Der Yamaha-Cup erlebt also seine 40. Saison. Wie gewohnt im Rahmen der Internationalen Deutschen Motorrad-Meisterschaft (IDM). Wie gewohnt mit der Supersport-Ikone R6, die seit 1999 im Einsatz ist. Anders als in den Anfangsjahren des Cups, als alle drei, vier Jahre mit einem anderen Motorrad gefahren wurde, mal Zweitakt-250er, mal Viertakt-600er, herrscht in puncto Motorrad nun Konstanz.

Bedauerlich lediglich, dass ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2017 die ersten beiden Rennen abgesagt werden mussten, weil sich die Auslieferung der neuen R6 verzögerte. Deshalb fand der Saisonstart verspätet, am ersten Juli-Wochenende, bei einem kurzfristig anberaumten Rennen in Oschersleben statt. Der Popularität des Yamaha-Cups tut dies keinen Abbruch: Mit 42 Fahrern ist er auch in diesem Jahr ausgebucht.

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