Kawasaki

Blick in die Zukunft: Neuheiten

Tokio-Vision

Hat das Motorrad bald ausgedient? Ist der Verbrennungsmotor am Ende? Die Tokyo Motor Show gibt keine Antworten, aber Anregungen. Sicher ist nur: Die Zukunft wird nicht langweilig.

Es steht da, wirklich und leibhaftig. Keine Filmfantasie, aber von einer inspiriert. „Tron“ lief in den frühen 80er-Jahren, wurde von Disney produziert und war das erste Hollywood-Movie mit längeren computeranimierten Frequenzen. Und die Fahrzeuge sahen aus – ja, wie „J“ eben.

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Vier Räder, drei Räder, zwei Räder?

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So könnte das aussehen, wenn „J“ summend unterwegs ist. Vermutlich mit etwas störrischem Einlenkverhalten, egal, ob als Zwei- oder als Dreirad. Aber gewiss mit hohem Aufmerksamkeitswert.

So heißt das Ding, das in Tokio die Massen elektrisiert. Aber das macht die Definition auch nicht leichter. Was ist „J“? Am ehesten noch ein Mutant, denn die Zahl der Räder ist nicht exakt festgelegt. Vorne sind es eindeutig zwei, die sich aber auf einer Spur verlinken können. Hinten ist es eigentlich nur ein Rad, aber das besteht eher aus zweien, die dauerhaft verlinkt sind, weil zwischen beiden der direkte gemeinsame Antrieb über eine Triebsatzschwinge erfolgt, deren Elektromotor wiederum als Schwingenlager fungiert.

Frage: Ist das alles praxistauglich? Antwort: Ganz egal, denn gefahren wurde das Ding in Tokio ja nicht. Klar wird trotzdem, dass eine Antwort auf die zukünftigen Herausforderungen auch bei Kawasaki Elektromobilität heißt. „J“ hat eine Nickel-Metall-­Hybrid-Batterie statt der üblichen Lithium-Ionen-Technik – und damit einen Energiespeicher nach Art des Hauses, denn Kawa-
saki Heavy Industries engagiert sich mit dem Label GIGACELL in genau diesem Bereich. Auf der einen Seite. Auf der anderen verlieren die Grünen natürlich auch ihr angestammtes Terrain nicht aus den Augen. Starke, effiziente Verbrennungsmotoren – vielleicht demnächst auch wieder mit Aufladung. Kawasaki zeigte in Tokio eine neue Variante des alten Kawa-Themas (GPZ 750 Turbo!) vom aufgeblasenen Reihenvierer, dieses Mal aber mit Kompressor.

Suzuki bietet Fun-Bikes mit Elektro-Antrieb

Doch nicht nur Kawasaki beschäftigt sich damit. Bei Suzuki standen die Themen „Turbo“ und „Elektro“ ganz oben auf der Zukunftsagenda. Allerdings unter anderen, konventionelleren Vorzeichen. Die Suzuki Extrigger ist ein Funbike üblichen Zuschnitts, nur eben mit Elektro-Antrieb, mit dem Suzuki eine neue, nicht motorradaffine Klientel begeistern möchte.

Deutlich näher am Thema ist da die Studie „Recursion“, die eine im Autobereich höchst aktuelle und aus technischer Sicht faszinierende Entwicklung aufgreift, nämlich das Thema „Downsizing“. Aus kleinen Motoren mittels Aufladung große Leistung holen – bei den Blechkarossen geht es da vor allem um Verbrauchsoptimierung. Im Zweiradbereich hingegen ist es ein ganz anderer Aspekt, der die Sache so interessant macht, nämlich der Abmessungs- und Gewichtsvorteil der kleinen Motoren. Die „Recursion“ trägt einen zierlichen Reihenzweizylinder mit 588 Kubikzentimetern im Brückenrahmen, der trotzdem dank Aufladung ein beinahe beliebiges Leistungsspektrum abdecken könnte. 100 PS, 150 PS – alles eine Frage des Ladedrucks. Die ganze Sache hat nur einen Knackpunkt. Wenn es ­nämlich nicht gelingt, dem Turbo das Ansprechverhalten eines Saugers anzuerziehen, ist die Sache im Motorrad zum Scheitern verurteilt. Doch gerade in dieser Hinsicht sind in der Vergangenheit enorme Fortschritte erzielt worden.

Yamaha setzt auf Leichtigkeit

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„Yamaha Smart Power Module“ nennt sich das Herzstück der gefällig gezeichneten Studie; gemeint ist die Monocoque-Struktur, die gleichzeitig Batterie-­Paket und Rahmen darstellt. Der Motor ist ein bürstenloser Wechselstrommotor, das Gewicht der PES 1 beträgt lediglich 100 Kilogramm.

Womit wir wieder beim Thema „Elektro“ sind. Yamaha zeigte neben formal sehr gelungenen neuen Ansätzen mit konventionellem Antrieb – na klar, Studien mit E-Antrieb. PES 1 und PED 1: Das sind keineswegs außergewöhnliche, aber formal sehr gelungene Prototypen. Im Gegensatz zu Suzuki hat Yamaha damit durchaus den routinierten Motorradfahrer im Blick und verspricht auf beiden Bikes trotz E-Motor ein konventionelles Fahrgefühl, zu dem unter anderem auch die Option gehört, auf Wunsch die gerade anliegende Übersetzung zu ändern.

Ob dieser alte Zopf geeignet ist, dem Elektromotorrad zu mehr Popularität zu verhelfen, sei dahingestellt. Das Thema aber ist nach wie vor brandaktuell. Und wenn dann irgendwann vielleicht einmal die Kawasaki „J“ wie ein Batmobil beinahe lautlos durch die Straßen säuselt, werden Skeptiker ihre letzten Zweifel begraben. Vielleicht – vielleicht auch nicht.

Tokio-News

Was bringt die Zukunft? Traditionell ist Tokio das Feld japanischer Finger­übungen, während den ­europäischen Messen die Vorstellung des nächsten Modelljahrgangs vorbehalten bleibt. Trotzdem wollen die Japaner natürlich auch ihren Landsleuten etwas Habhaftes bieten. Honda präsentierte die F6C mit Gold Wing-Motor sowie die CB 1100 EX, Yamaha eine bildschöne XV 950-Variante, einen toll gemachten 250er-Sportler und einen 125er Roller mit drittem Rad. Und Kawasaki denkt wieder über Aufladung nach.

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