50er-Rennen über die Alpen (Archivversion)

SIND DIE ROMA?

Jawoll. Und zwar mittendrin. Start am Kolosseum zur Hannibal Challenge, dem wohl härtesten 50er-Rennen der Welt. 1300 gnadenlose Vollgaskilometer warten.

Was machen wir hier eigentlich? Seit 35 Kilometern hängen wir auf unseren Rieju-Werksmaschinen in der Zweitaktwolke einer Kreidler von anno 1974 und versuchen, flachliegend im Windschatten zu bleiben. An der nächsten Steigung ist Puschy fällig. Seine Florett hat vier Gänge und ist ellenlang übersetzt. Das reicht vorm Berg für echte 90 Sachen. Unsere spanischen Super Motos haben eng gestufte Sechsganggetriebe. Das langt am Berg für 70 Sachen. Tschüs, Puschy. So geht das nun schon seit zwei Tagen. Halbwegs erwachsene Menschen, die meisten längst keine Twens mehr, folgten dem Aufruf des Zeitler Sepp und der IG Mofarennen.Zeitler Sepp? Genau, das ist der durchgeknallte Daniel Düsentrieb der 50er-Szene, der mit seinen nicht minder bekloppten Spezls vor Jahren das 24-Stunden-Mofarennen im oberpfälzischen Speinshart ins Leben rief. Mittlerweile sind andere federführend beim 24-Stunden-Spektakel. Die IG Mofarennen (www.mofarennen.de) suchte sich eine noch viel härtere Herausforderung: die Hannibal Challenge. Was einst mit Elefanten klappte, sollte doch auch mit Fünfzigern zu schaffen sein. Speinshart als Zielort war klar, einzig würdiges Pendant südlich der Alpen konnte nur Rom sein. Startberechtigt: alles bis 50 Kubik.Und so rasen wir nun. Zwei Riejus inmitten von deutlich betagteren Hercules-, Kreidler- und Zündapp-Boliden. Neun Teams hörten und folgten dem Ruf nach Rom. Und alle neun Teams kamen nach gut drei Tagen in Speinshart an. Der Ablauf? Bekanntgabe des nächsten Tagesziels am Vorabend. Zeitnahme bei Zielankunft. Die Streckenwahl blieb den Teams überlassen. Autobahnfahren? Streng verboten. Alles in allem ein knallharter Cannonball-Modus, der den Teams wunderbaren Freiraum für individuelle Irrfahrten ließ.Mittlerweile ist Puschy aus dem Rückspiegel verschwunden. Gelegenheit, um Vorsprung für unsere Zwei-Stopp-Strategie herauszufahren. Puschys riesiger Kreidler-Tank ermöglicht ihm schließlich, alle Zapfstellen zu ignorieren. Am Ende der zweiten Tagesetappe Modena–Innsbruck liegen wir gerade mal zehn Minuten vor der Florett. Andere Teams kämpfen weniger mit Tank-Strategien. Die permanent unter Vollast bewegte Zweitakttechnik fordert ihren Tribut. Modena, 0.30 Uhr: »Hat mal jemand einen Generator und einen Strahler? Wir müssen noch den Motor wechseln.« Natürlich hat jemand. Tagsüber herrscht Krieg, aber abends im Fahrerlager ist kollegiales Pressbier-Vernichten angesagt. Die Letzten trudeln regelmäßig gegen Mitternacht ein, Start für alle ist pünktlich um sechs Uhr morgens.Irgendetwas brummt schmerzhaft. Unsere Schädel? Die hochdrehenden Zwiebacksägen? Beides. Egal, das Ziel heißt Speinshart. Und Puschy? Er wurde in der Mokick-Klasse würdiger Dritter. Hinter wem wohl?
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