75 Jahre Motorradbau Zschopau (Archivversion)

Mut und Zuversicht–––––

Vor einem Jahr schien es endgültig vorbei mit der »Motorradstadt Zschopau«. Jetzt feiert sie ihren 75. Geburtstag.

Zwei ETZ 250 knattern die alte Werkszufahrt in Zschopau hinauf. Wo denn hier die Feier von MZ ist, wollen die beiden Fahrer wissen - aber MZ gibt´s nicht mehr.Die Zweitaktfans haben sich von den Fahnen mit dem altvertrauten Emblem täuschen lassen, mit denen MZB auf sich aufmerksam macht. Unter diesem Kürzel aber firmiert ein rundes Dutzend Leute, das in den früheren Werkshallen von MZ an Einzelstücken herumschraubt: Kaum mehr als eine Fußnote in der Geschichte dieser traditionsreichen Stadt. Dort begann 1919 mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor, »Das kleine Wunder« getauft, die Zweirad-Historie von DKW (Dampf Kraft Wagen). Das erste echte Zschopauer Motorrad kam 1922 - vor 75 Jahren also - als »Reichsfahrtmodell« auf den MarktIn den folgenden Jahren stieg DKW zur größten Motorradfabrik der Welt auf, und nach dem Krieg produzierte dort auch der VEB Motorradwerk Zschopau (MZ) - einer der wenigen Ost-Betriebe mit West-Fanclubs.Die Party aber steigt ein paar Hundert Meter weiter in Hohndorf. Dort sitzt MuZ, der echte Nachfolger des verblichenen VEB, der sich jetzt Motorrad- und Zweiradwerk und außerdem GmbH nennt. Doch das ist natürlich nicht alles, was sich geändert hat: »Wer bei MZ gelernt hatte«, erinnert sich Christian Steiner, der hier 1951 seine Werkzeugmacher-Lehre begann, »mußte sich um seine Zukunft keine Sorgen machen«.Dieser Glaube hat sich als Irrtum erwiesen, und keiner weiß das besser als der heutige MuZ-Rennleiter. Im Rekordjahr 1975 bauten er und seine rund 3500 Kollegen mehr als 92 000 Motorräder, davon die Hälfte für den Export. Heute zählt die MuZ-Belegschaft gerade noch 130 Mann, womit das Werk nach dem Kreiskrankenhaus noch immer der zweitgrößte Arbeitgeber in dieser Gegend ist. Es gilt also das Prinzip Hoffnung, im letzten Sommer entfacht durch den malayischen Mischkonzern Hong Leong.Der neue Co-Geschäftsführer Ron Lim macht bei den Jubiläumsfeiern, als Vertreter der Landesregierung sowie der Hausbanken und anderer Geschäftspartner zum Gratulieren vorbeischauen, nicht gerade in Bescheidenheit. Künftig will er MuZ »an der Seite von Honda und Yamaha« sehen: »Hier ist die Manpower, und wir haben das Kapital.«Wenn sich die neuen Mastiff und Baghira gut verkaufen, kann MuZ die Produktpalette verbreitern, den verunsicherten Händlerstamm pflegen und vor allem ein eigenes Zweizylinder-Triebwerk entwickeln. Schon jetzt, meint Christian Steiner, ließe sich die Jahreskapazität von rund 5000 Stück bei Bedarf verdoppeln: »Wir haben in Zschopau genug Leute, die sofort anfangen können."
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