Abgase und Motorräder (Archivversion)

Schadstoffe und Motorräder

Abgase aus Motorradauspuffen: Willkommene Steuerquelle?

Selten habe ich nach einem Leitartikel eine solche Flut an Leserbriefen erhalten wie nach der letzten Ausgabe von MOTORRAD. Zu kommentieren, was zur Zeit von unseren Politikern in Berlin angedacht wird, war für viele von Ihnen Grund zu einer heftigen Diskussion über Umwelt, Motorradfahren und Politiker. Keiner, aber auch gar keiner der Leserinnen und Leser konnte verstehen, dass eine solch drastische Steuererhöhung für Motorräder mit erhöhten Schadstoffwerten kommen soll. Schließlich wurden nennenswerte Grenzwerte erst im Juni 1999 eingeführt. Wer sich also vor gut zwei Jahren eine neue Maschine gekauft hat, wird jetzt unter Umständen zur Kasse gebeten.Da hat die Politik jahrelang geschlafen, und nun soll alles ganz schnell gehen. Diese Hektik legt den Verdacht nahe, dass wir Motorradfahrer geschröpft werden sollen. So haben mir auch ein paar Leser vorgerechnet, wenn bei 3,1 Millionen Maschinen die Steuern nur um 300 Mark pro Bike erhöht würden, käme pro Jahr eine knappe Milliarde Mark mehr ins Staatssäckel. Eine Aussage unserer Regierung mag zwar im ersten Moment tröstlich erscheinen. Und zwar die, die Steuermehreinnahmen sollten zur Umrüstung der Fahrzeuge dienen. Es könnten bei Kosten von rund 1000 Mark pro Jahr zirka eine Million Maschinen umgerüstet werden, nach drei Jahren wären alle Bikes umweltfreundlich. Einen Plan, den ich aufgrund der Typenvielfalt und entsprechend geringen Stückzahlen diverser Modelle in der Motorradszene aus technischer Sicht für unrealsitisch halte. MOTORRAD hat zu den Steuerplänen denjenigen gefragt, der sie letztlich entscheidet: den Bundesverkehrsminister. Lesen Sie dazu unser Interview ab Seite 241. Kurt Bodewig, ehemals selbst Motorradfahrer, betrachtet Motorräder und Autos als gleichberechtigte Verkehrsmittel. Mit Detailfragen der Umrüstung von Motorrädern hat er sich noch gar nicht auseinandergesetzt. Es bleibt also abzuwarten, wie es in der Politik weitergeht.MOTORRAD wird am Drücker bleiben. Wir werden uns für eine sinnvolle und verträgliche Lösung einsetzen. Und auch darauf achten, dass Motorräder nicht nur bei den Schadstoffwerten und Steuern beachtet werden, sondern auch bei den Themen Bitumenflickschusterei oder Leitplanken. Für unsere Sicherheit haben die Politiker in Berlin bislang nur Appelle übrig. Ich freue mich, wenn sie sich dann mit der gleichen Eile um diese Themen kümmern.
Anzeige

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote