ACTION TEAM auf der Isle of Man (Archivversion)

Eine Insel steht Kopf

Die Reisegruppe vom MOTORRAD ACTION TEAM erlebte ihr blaues Wunder auf der grünen Insel. Wetter und Stimmung wie beim Ballermann auf Mallorca. Doch nicht nur die Sonne lachte bei der 90. Tourist Trophy auf der Isle of Man.

Die Glencrutchery Road - die Start- und Zielgerade - liegt uns zu Füßen. Oben auf dem Turm des Grandstands in 25 Meter Höhe gerät ACTION TEAMER Axel-Anton in Jubelstimmung. »Ich kann`s kaum fassen. Klasse«, schreit er gegen den Lärm an, denn gerade knallen zwei 750er der TT Formula One vollgas an der altehrwürdigen schwarzen Rundentafel vorbei. Die elektronische Geschwindigkeitsmessung neben dem Zentralfriedhof zeigt 158 Meilen pro Stunde an, 254 km/h - und das für einen Backmarker, einen der zahl- und namenlosen Hinterherfahrer. Phillip McCallen ,der spätere Sieger, wurde auf der Werks-Honda mit 268 km/h gezeitet, mitten in Douglas, der Kapitale der seltsamen Insel Man. »Die sind verrückt, aber ich glaube schon, daß sie wissen, was sie tun«, kommentiert Axel-Anton das Tun der Engländer, Iren und Schotten, die auf der 90. Tourist Trophy das Gros der Rennfahrer stellen. Axel, im normalen Leben Versicherungskaufmann, läßt sich von der Verrücktheit der Isle of Man-Racer anstecken. »Ich war schon auf ‘nem Formel eins-Rennen und mehreren Motorrad-Grand Prix. Die Isle of Man, das ist für mich jetzt die Krönung.« Der Schwabe hat sich der ersten Inselreise des ACTION TEAM angeschlossen, zusammen mit 29 weiteren Newcomern, die meisten wegen des berühmten und ältesten Straßenrennens der Welt vor Ort.Nicht so Hans-Jürgen, Kriminaloberrat und von Berufs wegen stets mit harten Fakten konfrontiert. Er sucht im Urlaub nach dem Mystischen, in das die Geschichte der Man allenthalben eingebettet ist. »Bei `Klacks`( der ehemalige MOTORRAD-Redakteur Ernst Leverkus, d.Red.) hab’ ich über die Fairy Bridge gelesen, da muß ich hin«, offenbart sich der Dozent für Kriminalistik. Diese geheimnisumwobene Brücke an der Landstraße von Douglas nach Castletown über ein winziges Bächlein namens Santon Burn, unter der, so will es eine alte Sage, die Feen hausen, entpuppt sich als gänzlich unspektakulär. Dennoch entrichten die ACTION TEAM-Touristen brav winkend ihren Gruß. Warum sollte man ohne Not die guten Geister unter dem weißgetünchten Steinmäuerchen verärgern? Motorradfahrer brauchen Glück.Zumal hier auf der grünen Insel in der Irischen See. Sieben Tote wird es noch geben während der zwei TT-Wochen Ende Mai/Anfang Juni. Sechs verlieren ihr Leben im Straßenverkehr, und ein Rennfahrer stirbt zu Beginn der Trainingswoche. Das entfacht Diskussionen über ein generelles Tempolimit. Doch im Grunde will das keiner der Manxmen. Sie wissen, daß die freie Fahrt auf den Spuren von Joe Dunlop eine der Hauptattraktionen ihrer Insel ist.»Wo kann man das sonst noch, so schnell fahren, wie es geht«, spricht es Kawa ZX 9R-Besitzer Oliver aus dem Nordschwarzwald aus. »Daheim steht man doch mit einem Bein im Gefängnis«, lacht der stämmige Trucker. Heizen darf man auf den meisten Straßen der Insel und natürlich auf weiten Teilen des 60 Kilometer langen Straßenkurses.Sieben ACTION TEAM-Mannen haben sich morgens um halb acht vor dem Hotel versammelt, um eine flotte Runde auf dem Mountain Circuit zu wagen. In Ramsey ein unfreiwilliger Stopp: »Soviel Sprit hat die noch nie verbraucht«, staunt Kawa-Fahrer Mike, Motorradhändler aus Thüringen. Kein Wunder, denn auf welcher Landstraße kann man schon mal 200 fahren. Gefährlich genug, denn die Sonne blendet auf der Westseite der Insel derart, daß die Fahrt zum Blindflug gerät. Jetzt wird auch klar, warum die Rennfahrer vor dem Start mit dem Schild »Mind the sun« gewarnt werden. Nicht nur diese Runde vergeht wie im Flug, sondern der ganze Man-Aufenthalt. Besuch im Fahrerlager, Gespräche mit Rennfahrern - Krimimalist Hans-Jürgen: »Wir haben den McCallen vernommen« -, angucken des Laxey-Wheels, welches früher ein Erzbergwerk entwässerte, Fahrten zu Sehenswürdigkeiten der Natur, etwa der Schlucht Glen Maye, bewundern der ehemaligen Siegermaschinen aus acht Jahrzehnten, die bei der Lap of Honour, der traditionellen Ehrenrunde mitmachen.Letzte Stunden auf dem rostig-rüstigen Dampfer Lady Man, der noch ein wenig von der Atmosphäre der Insel zu konservieren vermag: ruhige Beschaulichkeit und charmante Verlottertheit. Die Wehmut bekämpft Karosseriebauer Jens mit einer Runde »Snake Bites«. »Damit ich`s bis nächstes Jahr aushalte, muß meine Stammkneipe das Zeug auch anmischen.« Tip an den Wirt in Freudenstadt: Man nehme zwei Drittel Most, ein Drittel Export und einen Schuß Sirup aus schwarzer Johannisbeere.
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