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Pro Superbike-Promoter Franz Rau zum Streit mit dem Deutschen Motor Sport Bund (DMSB).

? Das Pro Superbike-DM-Finale 1999 wurde nach monatelangen Streitereien abgesagt, die Pro Superbike-Initiative ist am Ende. Schuld daran seien allein Sie und Ihre Firma Moto Motion, behaupten viele Leute in der Szene. Wie lebt es sich als Buhmann des deutschen Motorradsports?Moto Motion hat Pro Superbike zusammen mit seinen Industriepartnern zum erfolgreichsten Motorrad-Wettbewerb dieser Art in Deutschland, ja in Europa gemacht - allzuoft gegen Widerstände der angeblich am Sport so interessierten Verbände. Warum sollten wir das von uns Geschaffene selbst zerstören? Das Buhmann-Ettiket müssen sich andere anheften lassen. ? Wer denn?Zum einen der DMSB als Verband mit der sogenannten »Sport-Hohheit«. Der Vorgänger OMK hatte schon vor drei Jahren versucht, etwas an andere zu verteilen, was ihm gar nicht gehört, nämlich die Eigentumsrechte an Pro Superbike, deren Wert auf erarbeitetem Erfolg beruht. Die OMK ist kläglich gescheitert, jetzt versuchen es neue Leute im neuen Verband mit den alten Tricks - und auch sie verstoßen gegen Verträge. Zum anderen haben Firmen die Pro Superbike-Initiative auf Kosten der aktiven Industriepartner jahrelang genutzt und waren trotz intensiver Einbindungsbemühungen nicht bereit, ihren Anteil zu bezahlen.? Wäre mit mehr Diplomatie nicht noch etwas zu retten gewesen?Mehr Offenheit und Fairness, als wir sie gezeigt haben, geht nicht. Wir sind dem DMSB immer wieder entgegengekommen – aber was wir für die Professionalität und Verbesserung des Sports tun wollten, wurde kritisiert, behindert oder verhindert. ? Der DMSB-Generalsekretär Jürgen Lamberty hat in vielen Punkten genau die gegensätzliche Auffassung wie Sie. Wer ist nun im Recht?Wir haben es schriftlich: Verträge, an die sich unsere Seite gehalten, hat sowie Briefe, Faxe und Notizen beweisen, dass Moto Motion nicht der Verursacher des Streits ist. ? Sich im Recht zu fühlen ist die eine Seite, die Verantwortung für eine wichtige Rennserie zu tragen die andere. Hätten Sie nicht dem Saisonfinale und damit einer sportlichen Entscheidung der Meisterschaft zustimmen und den Streit vertagen müssen?Es gab über die ganzen Jahre immer wieder Störfeuer seitens des Verbands, und wir haben oft versucht einzulenken. Die letzte Veranstaltung dieser Saison in Lahr wurde wenige Wochen vor dem Renntermin vom DMSB abgesagt, weil sein dortiger Ortsclub nicht wollte oder konnte und ein von uns empfohlener und zum Einspringen bereiter Club dem DMSB nicht passte. Wir hätten aber auch der vom DMSB beabsichtigten Verlegung von Lahr nach Assen zugestimmt, wenn der DMSB uns die für die Vorbereitung von Lahr bereits entstandenen Kosten erstattet hätte, so wie das unser Vertrag mit dem DMSB vorsah. Verursacher der Absage war eindeutig der DMSB. Der aber lehnte eine solche vertragsgerechte Kostenerstattung ab und belegte uns noch obendrein mit Schimpfwörtern wie »Erpresser«. ? Moto Motion hat noch bis Ende 2002 die Vermarktungsrechte an der Pro Superbike-DM. Das ist Ihnen durch das Landgericht Frankfurt bestätigt worden. Bezieht sich dieser Entscheid, der vom DMSB bereits drei Mal ohne Erfolg angefochten wurde, allein auf diese Serie? Die einstweilige Verfügung ist ein Präzedenzfall und könnte zum Beispiel auch Auswirkungen auf den gesamten Motorsport, also den Automobilsport haben. Ich bin überzeugt davon, dass das System der zentralen Vermarktung durch Föderationen und Verbände kippen wird - wie in anderen Sportarten auch. Unsere Rechtsauffassung ist bestätigt worden, wonach die Vermarktungsrechte an einer Meisterschaft denjenigen gehören, die das finanzielle Risiko tragen. Und das ist nicht der DMSB.Das Gespräch führte Sportchef Lothar Kutschera
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