Beratung: Motoröl (Archivversion)

Mischgeschick

Ein klein wenig von den Detergents, ein bißchen VI-Verbesserer, eine Prise von den Antioxidantien - fertig ist der Super-Schmierstoff. Oder gehört auch etwas Olivenöl rein? Und wofür wird überhaupt der ganze Aufwand getrieben?

Was ist Öl? Grob vereinfacht: tote Tiere. Gut ein bis knapp vier Liter davon finden sich in Motorrad-Viertaktmotoren. Tierfreunde müssen sich jetzt aber keine Vorwürfe machen, denn an dem Entstehen von Erdöl hatten abgestorbene Kleinstlebewesen zwar maßgeblichen Anteil, doch deren Exitus ist mittlerweile verjährt. Er fand bereits in vorgeschichtlicher Zeit statt. Für Chemiker ist der Fall weniger dramatisch, für sie besteht Erdöl fast ausschließlich aus den Elementen Kohlenstoff und Wasserstoff.Damit aus den Kohlenwasserstoffverbindungen ein motorradtauglicher Schmierstoff wird, muß das Rohöl in der Raffinerie zerlegt, gereinigt und weiterverarbeitet werden. Wird ein solchermaßen gewonnenes mineralisches Grundöl veredelt und in seinen Eigenschaften gezielt verbessert, entsteht daraus ein sogenanntes Hydrocracköl.Für die vielfältigen Einsatzzwecke verlassen sich die Druiden der Mineralölkonzerne nicht nur auf Mutter Natur und deren kunterbunte Kohlenwasserstoffverbindungen, sondern basteln sich auch eigene Verbindungen, indem sie auf chemischem Wege aus dem Ausgangsprodukt Rohöl/Rohbenzin gewonnene Kohlenwasserstoffverbindungen gezielt verknüpfen. Diese in ihrer Molekülstruktur maßgeschneiderten Stoffe heißen Synthetiköle. Die Mischung von synthetisch hergestellten Ölen mit mineralischen Grundölen ergibt ein teilsynthetisches Öl.Egal ob mineralisch, teilsynthetisch oder vollsynthetisch - die Aufgaben des Öls sind immer die gleichen. Es muß schmieren, Kräfte übertragen, kühlen und abdichten. Schmieren bedeutet, daß das Öl dafür sorgen soll, daß sich gleitende Bauteile nicht direkt berühren. Der dafür notwendige Schmierfilm muß an einigen Stellen außerdem Kräfte übertragen, zum Beispiel im Kolbenbolzen- und Pleuellager, und darf auch unter extrem hohen Druck nicht reißen. Für Kühlung sorgt das Motoröl zum Beispiel, indem es die Wärme vom Kolben an die Zylinderwandung weiterleitet oder direkt an die Kolbenböden gespritzt wird und dort Wärme aufnimmt. Eine ganz wichtige Aufgabe ist die Feinabdichtung zwischen Kolben, Kolbenringen und Zylinderlaufflächen.Neben den vier Hauptjobs übt das Motoröl noch eine Reihe von Nebentätigkeiten aus. So soll es die bei der Verbrennung anfallenden ölunlöslichen Rückstände bis zum nächsten Ölwechsel in Schwebe halten. Desweiteren muß es Säuren neutralisieren, Wasser aufnehmen und vor Korrosion schützen. Bei alledem darf es möglichst wenig altern, nicht schäumen und muß bei Eiseskälte und tropischen Temperaturen gleichermaßen fließfähig bleiben.Ganz schön hohe Ansprüche, die an ein Grundöl gestellt werden. Allein kann es die nicht erfüllen, es braucht Additive. Das sind Wirkstoffe aus der Chemieküche, die dafür sorgen, daß die positiven Eigenschaften des Grundöls verstärkt, die negativen vermindert und die nicht vorhandenen ergänzt werden. Beispiele dafür sind die anfangs genannten Detergents, VI-Verbesserer und Antioxidantien. Additive werden von den Mineralölkonzernen vorzugsweise als ganze Pakete eingekauft und können bei hochwertigen Motorölen einen Anteil von bis zu 15 Prozent ausmachen. Die Auswahl der Additivpakete ist es auch, die wesentlichen Anteil an den Riesenunterschieden bei den Herstellungskosten (und damit beim Verkaufspreis) hat. Die Kostendifferenz zwischen einem Billig- und einem Spitzenöl kann locker 400 Prozent ausmachen. Der eigentliche Hammer: Beide Öle erfüllen die gleiche (Auto-)Prüfnorm.
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Öl: Beratung (Archivversion) - Fragen zum Öl

Vom gedankenlosen Reinschütten bis zur überzogenen Panikmache reicht die Bandbreite beim Umgang mit Öl. Wer Bescheid weiß, schmiert besser - nachfolgend gibt’s die wichtigsten Fragen und Antworten.
Unterscheiden sich Motorradöle von Auto-Ölen?Sie sollten sich zumindest unterscheiden, denn die Anforderungen sind sehr unterschiedlich. Motorradmotoren erreichen meist extrem hohe Literleistungen und benötigen dafür weitaus höhere Drehzahlen als Pkw-Triebwerke. Besonders die luftgekühlten Motoren belasten das Öl stärker als die fast ausschließlich wassergekühlten Automotoren. Außerdem muß das Öl bei fast allen Motorrädern Getriebe und Kupplung mitversorgen. Die Markenhersteller gehen bei der Auswahl der Additive auf diese Unterschiede ein.Ab welcher Preislage gibt es motorradtaugliche Öle?Ordentliche Mineralöle sind ab etwa acht Mark pro Liter zu bekommen, synthetische ab etwa 14 Mark.Was ist Viskosität?Viskosität ist die Eigenschaft einer Flüssigkeit, ihrer Verformung einen Widerstand entgegenzusetzen. Öl hat eine hohe Viskosität, wenn es zähflüssig ist (im kalten Zustand), eine niedrige, wenn es dünnflüssig ist (im heißen Zustand). Die Problematik: Motoröle müssen beim Kaltstart dünn genug sein, um schnell überall hin zu gelangen und bei heißgefahrenem Motor immer noch dick genug, damit der Schmierfilm nicht reißt.Was bedeutet die API-Angabe auf der Ölflasche?Das American Petroleum Institute (kurz »API«) teilt das Öl nach Qualitätsklassen ein. Der erste Buchstabe ist bei Ottomotoren ein S, der zweite sollte ein E, F oder G sein - je höher, desto besser. Allerdings ist die API eine Auto-Norm, und selbst Billigöle erfüllen oft schon API SE oder SF.Sind synthetische Öle besser als Mineralöle?Nicht grundsätzlich. Ein hervorragendes Mineralöl kann mehr als ein mittelprächtiges Synthetiköl leisten. Hochwertige Synthetiköle sind Mineralölen aber klar überlegen, sie sind thermisch belastbarer, altern weniger und sorgen für sauberere Motoren.Welches Öl für welchen Fahrer?Mit hochwertigen Mineralölen sind alle »Normalfahrer« gut bedient, deren Motoren zwar auf Temperatur kommen, aber nicht ständig am Limit bewegt werden. Bestes Beispiel: der typische Tourer. »Randgruppen« wie Wenigfahrer mit häufigem Kaltstart- und Kurzstreckenbetrieb sowie Sportfahrer sind mit hochwertigen Synthetikölen besser bedient.Können Mineralöle mit synthetischen Ölen gemischt werden? Ja, alle Motorenöle sind untereinander mischbar, egal, ob Mineral- oder Synthetiköle.Sollte ein neues Motorrad von Anfang an mit synthetischem Öl betrieben werden?Nein, die ersten 2000 Kilometer sollte zwingend ein Mineralöl verwendet werden, denn in dieser »Einfahrzeit« müssen sich alle bewegten Teile einander anpassen, dieser gewünschte Verschleiß klappt mit Mineralöl besser.Was ist zu beachten, wenn der Motor von Mineral- auf Synthetiköl umgestellt werden soll?Der Ölverbrauch kann anfangs etwas höher liegen. Das Synthetiköl kann Stoffe lösen und sollte daher nach der Erstbefüllung nur zwei Drittel des Wechselintervalls laufen.Sind die neuen 0W-Öle für Motorräder sinnvoll?Nein, denn sie stecken voller »Friction Modifiers«, das sind Additive, die im Automotor die Reibung reduzieren, beim Motorrad aber speziell bei älteren Motorenkonstruktionen die Kupplung durchrutschen lassen können. Ausnahme: ein spezielles Motorradöl wie Bel-Ray 0W 40. Aber auch das macht nur bei sehr niedrigen Temperaturen Sinn.Altert Öl während der Winterpause?Jein, natürlich altert jedes Öl, das mit Sauerstoff in Berührung kommt, aber bis zu einem Jahr Standzeit ist für ein frisches Öl kein Problem. Den Ölwechsel daher ruhig vor der Winterpause durchführen.Muß bei jedem Ölwechsel auch der Ölfilter getauscht werden?Unbedingt, denn im Filter verbleibt immer ein Rest Altöl, der beim Nichtwechsel sofort die Qualität des frischen Öls reduzieren würde.Was ist sonst noch beim Ölwechsel zu beachten?Immer einen neuen Dichtring für die Ablaßschraube nehmen, Filter nicht zu stark anknallen (handfest), nach dem Auffüllen kurz laufenlassen und nochmals kontrollieren und gegebenenfalls nachfüllen (Filter läuft voll, Ölstand sinkt).Müssen moderne Motoren immer noch warmgefahren werden?Ja, Motoröl »arbeitet« erst ab zirka 50 Grad Celsius, und das Laufspiel der Mechanik hat erst bei Betriebstemperatur den richtigen Wert. Fünf Kilometer »Halbgas« sollten es mindestens sein.Können Kupplungsprobleme mit der verwendeten Ölsorte zu tun haben?Ja, doch speziell bei Synthetikölen bringt die Wahl eines anderen Synthetiköls meist wenig. Oft hilft aber das »Zurückrüsten« auf Mineralöl.Sind Billigöle völlig tabu, oder taugen sie bei kurzen Wechselintervallen doch etwas?Wer auch noch an der allerletzten Mark sparen muß, soll in Gottes Namen mit Kaufhaus- oder Baumarktöl fahren. Nach spätestens 2000 Kilometern ist aber ein Wechsel empfehlenswert. In jedem Fall muß die Ölqualität zumindest der Mindestanforderung des Fahrzeugherstellers (API-Klasse und Viskosität) entsprechen.Die die Farbe des Öls etwas über die Qualität aus?Nein, ganz im Gegenteil. Wenn ein Öl schnell dunkel wird, heißt das nur, daß es Fremdstoffe in der Schwebe hält - und genau das soll es auch.Wohin mit dem Altöl?Natürlich nicht in den Ausguß oder die Landschaft. Bereits ein Gramm Öl pro Liter Wasser ist für Fische tödlich. Wer Öl verkauft, ist gesetzlich verpflichtet, die gleiche Menge Altöl kostenlos zurückzunehmen. Also: Kassenbon aufbewahren.

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